Melancholie der Balalaika

Die Balalaika, das Instrument des einfachen russischen Volkes, war lange am Zarenhof verpönt. Doch die Verachtung wurde zur Beachtung. Ein Hauch glanzvoller Zeiten war in der Villa Eugenia zu genießen.

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Festlich hat das Konzertprogramm im neuen Jahr beim Förderverein Villa Eugenia begonnen. Zwei Virtuosen waren dabei unter sich: Heiner Costabél am Klavier und der russische Balalaikaspieler Alexander Burmistrov. Foto: Leonie Maschke

Ein Hauch des Glanzes alter Zeiten, aber auch die Kälte des russischen Winters, durchwehten am Wochenende die Rotunde der Villa Eugenia. Der russische Balalaikavirtuose Alexander Burmistrov und der renommierte Stuttgarter Pianist Heiner Costabél boten unter dem Titel "Zauber der Balalaika im Glanz der Zaren" ein besonderes Konzert zum Jahresanfang.

Das angesehene Musikerduo, das sich gerade auf Deutschlandtournee befindet und schon auf zahlreichen Musikfestivals überzeugte, präsentierte Werke westlicher Komponisten wie Chopin, aber auch von russischen Musikern wie dem Balalaikavirtuosen Wassili Wassiljewitsch Andrejew oder dem Pianisten Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow. Die Balladen, Romanzen und Tänze von unbekannteren Komponisten gaben dem Abend eine erfrischende Note.

Alexander Burmistrov vermochte seiner Balalaika, die ursprünglich ein Instrument des einfachen Volkes und zunächst am russischen Zarenhof verpönt war, die ganze Spannbreite menschlicher Emotionen zu entlocken und gleichzeitig ganze Geschichten vor dem inneren Auge entstehen zu lassen. Eine Ballade widmete sich einem verlassenen Baum in der Weite der russischen Winterlandschaft, und durch Burmistrovs klares, wehmütiges Spiel sah man diesen Baum in der Einsamkeit, spürte die Kälte des Winters und das Herunterfallen von Eiszapfen auf den weichen Schnee. Dieser melancholische, wehmutsvolle Klang schwang bei allen Lieder mit, selbst wenn es ein eleganter Walzer war, ein flotter Csárdás oder eine beschwingte Mazurka.

"Die slawische Seele mag wohl eher der Melancholie zuneigen als die schwäbische", beschrieb Costabél nicht ohne ein Augenzwinkern das Wesen der Balalaikamusik. Dennoch waren nicht alle Lieder von Wehmut geprägt. Burmistrov ließ seine Balalaika auch singen und tanzen, verträumte Lieder durch den Raum schweben, sogar derb und zornig konnte sie sein. Die Finger des russischen Musikers glitten dabei über die Saiten, dass es schon beinahe mühelos aussah, aber wenn dann der seelenvolle Klang der Balalaika in der Rotunde ertönte, wurde man sich bewusst, dass hier ein versierter Vollblutmusiker mit Herz spielte.

Im Gegensatz zu anderen Zupfinstrumenten werden die Saiten bei der Balalaika nicht mit einem Plektrum angestoßen, sondern nur mit den Fingern des Spielers. Mit der Kuppe des rechten Zeigefingers wird gleichmäßig über die Saiten auf- und abwärts geschlagen, ein Nachvibrieren der Zupfhand am Korpus der Balalaika soll das Vibrato der menschlichen Stimme nachahmen. Diesem nur dreisaitigen und nur auf zwei Tönen gestimmten Instrument diese Bandbreite an Klängen und Melodien zu entlocken, das ist schon eine ganz besondere Kunst.

Heiner Costabél am Klavier hielt sich mit seiner Begleitung dezent zurück, ohne dabei seine eigene Professionalität in den Schatten zu stellen. Er und Burmistrov ergänzten einander ebenbürtig und harmonisch, es war ein partnerschaftliches Geben und Nehmen der Instrumente.

Costabél wob in den Konzertabend Anekdoten rund um die Balalaika, die Musik in Russland und die russische Geschichte ein. Er sparte bei seinen teils amüsanten Erzählungen aber auch nicht an Kritik an der heutigen Musikgeneration und den moderenen Musikgenres.

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