Mann steht wegen Einbrüchen in Burladingen und Hechingen vor Gericht

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Gericht Prozess  Foto: 

Geständig war der 31-Jährige in fast allen Anklagepunkten, für die er sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht Hechingen verantworten musste. Zumindest in denen, an die er sich noch erinnern konnte. Denn er hat lang die Droge „Angel Dust“ konsumiert. „Ich war nicht Herr meiner Sinne“, gab er zu.

Vorgeworfen wurde ihm der Einbruch ins Burladinger Schulzentrum während der Weihnachtsferien 2015. Dort soll er die Tür der Schulsozialarbeit aufgehebelt und den Tresor geknackt haben. Ins Rektorat und Lehrerzimmer drang er auch ein und stahl Geld, eine Kamera, Schlüssel und einen Laptop im Wert von 2250 Euro. Der Schaden belief sich auf 2500 Euro.

Kurze Zeit später, um Neujahr, wurde das Schützenhaus der Hechinger Sportschützen zum Ziel des 31-Jährigen. Er überstieg mit einer Leiter eine Mauer und gelangte so zum Gebäude der Schießstände. Indem er ein Fenster aufhebelte, gelangte er ins Gebäude. Dort brach er sämtliche Schränke auf. Doch er musste ohne Beute das Weite suchen, weil plötzlich ein Vereinsmitglied auftauchte. Dies schreckte ihn allerdings nicht nachhaltig ab: Wenige Tage später versuchte er es wieder und war erfolgreich. Er machte für über 6000 Euro Beute, darunter Luftpistolen und CO2-Kartuschen. In beiden Einbruchsfällen hinterließ der Angeklagte Abdrücke mit seinem Schuh, die ihm später zugeordnet werden konnten.

Gar nicht erinnern konnte sich der 31-Jährige an einen Einbruch in eine Firma in Nusplingen, ebenfalls um Weihnachten 2015. Sägen, Bohrer und weiteres Handwerkszeug soll er dort gestohlen und später übers Internet verkauft haben.

Die Firma, erklärte ein Mitarbeiter im Zeugenstand, kennzeichne alle ihre Werkzeuge mit hellblauer Farbe und einer eigenen Nummer. So konnten die ermittelnden Beamten die Werkzeuge unter dem Diebesgut ausmachen.

Der Angeklagte wollte sich auch durch den Verkauf eines Rasentraktors über den Online-Marktplatz Ebay Geld für Drogen beschaffen. Den Traktor verkaufte er an einen Mann aus Österreich. Der bekam ihn allerdings nie zu Gesicht, obwohl er schon vorab fast 4000 Euro dafür bezahlt hatte. Sie seien sich nicht einig geworden, wer die Speditionskosten in Höhe von 300 Euro bezahle, erklärte der Angeklagte. Daraufhin habe er den Rasentraktor an einen anderen verkauft. Das Geld habe er an den Österreicher zurückzahlen wollen – passiert ist das allerdings nie.

Gefasst wurde der 31-Jährige schließlich in einer Scheune in Unterdigisheim Anfang April. Der Besitzer meldete der Polizei, dass eine fremde Person in seinem Schuppen schlafe. Da der Angeklagte keinen Ausweis dabei hatte, nahmen ihn die Beamten mit. Während die Polizisten im Haus seines Vaters nach dem Ausweis suchten, randalierte er im Auto und griff einen der Beamten an. Von einer Minute auf die andere sei er ausgeflippt, dann aber wieder ruhig und zugänglich gewesen. „Normal war das Verhalten nicht“, erklärte einer der Beamten vor Gericht. Misstrauisch wurden die Polizisten nicht nur durch das Verhalten des Angeklagten, sondern auch, weil sie Drogen in seinem Zimmer fanden. Nach einer Durchsuchung hatten sie zahlreiche Hinweise, dass der Mann aus dem Schuppen für einige Einbrüche im Kreis verantwortliche sein könnte.

„Mit der Droge hat man einen riesigen Adrenalinschub“, erklärte der 31-Jährige seine Sucht. Er habe damit seine Psychosen und Kriegserlebnisse, die er angeblich  als Fotograf im Iran und Irak gemacht hat, bekämpfen wollen. Der Sachverständige attestierte ihm eine paranoide Schizophrenie, posttraumatische Störungen konnte er nicht ausmachen. Er empfahl dem Gericht, den Angeklagten im Zentrum für Psychiatrie auf der Insel Reichenau unterzubringen. Das Urteil fällt am Freitag, 23. Dezember, 8.30 Uhr.

Phencyclidin (PCP), in der Drogenszene auch als Angel Dust (Engelsstaub), Londrea, Killerweed, Sherman Hemsley, TAC oder Peace Pill bekannt, ist ein missbräuchlich als Partydroge genutztes Dissoziativum. Die Firma Parke-Davis entwickelte es 1926 als Arzneistoff der Klasse der Anästhetika, seine Vermarktung wurde jedoch auf Grund eines ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses eingestellt.

Nach Langzeitgebrauch besteht die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit. Phencyclidin unterliegt dem Betäubungsmittelgesetzg.

„Es enthemmt stark“, erklärte der Sachverständige im Prozess. Die chemische Droge wirke ähnlich wie Amphetamine, hebe die Stimmung.

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