Männer werden gepökelt

Honey Pie in der Hechinger Stadthalle - das war mehrstimmiger Gesang mit intelligenten Texten und überraschenden Pointen. Drei Sängerinnen und ein Pianist boten herrliche Unterhaltung.

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"George Gershwin hat ein paar sehr schöne Songs für uns geschrieben", behauptet selbstbewusst Anette Heiter, die Altstimme des Trios Honey Pie. Nein, an Selbstbewusstsein fehlt es den drei Damen nicht - auch nicht an Stimmqualität, Intelligenz, Humor und Selbstironie. Gleich zu Anfang vermuteten die drei, dass das Konzert in Hechingen das kürzeste Konzert ihrer immerhin schon 30 Jahre dauernden Karriere werden könnte. Das Mikrofon der Sopranistin Dorothee Götz funktionierte nämlich nicht.

Professionell überbrückte Heiter die Situation mit charmanter Conférence. Ihr Pianist, so schwärmte Heiter, die im Hauptberuf Richterin in Stuttgart ist, sei eine wandelnde Juke-Box, ein Wunschkonzert auf Beinen, und ob es denn Wünsche aus dem Publikum gäbe? Auf Zuruf zeigte "Bernie", wie der perfekte "Root Beer Rag" zu klingen hat. "O, im Publikum hat es echte Jazz-Fans", stellten die Honigküchlein erfreut fest.

Dann funktionierte das Mikro wieder, und das Trio nahm seine Arbeit auf. "Bye Bye Honey Pie" ist das Abschiedsprogramm, in dem vor allem die Leckerbissen ihrer vorangegengenen acht Programme mit ein paar neuen eigenen Kompositionen zusammengestellt worden sind. "Drei gestandene Weiber, die zusammen etwa 100 Jahre Bühnenerfahrung, 150 Jahre Lebenserfahrung und einen IQ von - hm - mindestens 380" haben, singen Sachen wie: ,Ich bin ein kleines, verlorenes Lämmchen, das sich im Wald verirrt hat und deinen Schutz braucht'", machten sich Honey Pie lustig darüber, Gershwin zu singen.

Dann kamen vor allem eigene Lieder. "Doro", so erfuhren die (leider nur etwa 100) Zuhörer, "nimmt die Sache mit der Musik ernst." Sie habe das studiert, zwar nur in Holland, aber immerhin. In den ersten drei Semester habe sie "wie baue ich einen Notenständer auf" gelernt, dann auch das Schreiben und Lesen von Noten - "und dann hat sie ihr erstes Lied geschrieben": "Frühlingsharmonie" über das Leiden an einer Pollenallergie.

Die Themen der Stücke sind ebenso überraschend und ungewöhnlich wie die Pointen. Da werden die Befindlichkeiten von Papiertaschentüchern besungen - und deren Rache an der schwarzen Jeans in der Waschmaschine. Doch vor allem spötteln die Sängerinnen über das andere Geschlecht. Da gibt es ein Loblied auf kleine Männer: "Kleine Männer sind die Besten, das kann jede selber testen." Gemeint sind alle Männer unter zwei Meter zehn, sagt Anette und nimmt den Pianisten Bernhard Birk an die Hand. Er geht ihr bis zur Schulter.

Die Vokalistinnen schaffen es mit mühelosem Charme, das Publikum mit einzubeziehen. Zuerst trifft es den armen "Arnold", der von Susanne Schempp als Opfer auserkoren wurde. Sie koche gern, er dürfe zum Essen kommen. Sie würde ihn dann fragen, ob er bliebe. Falle die Antwort nicht zu ihrer Befriedigung aus, gäbe es ein leckeres Pilzgericht. Am Ende würde der Mann dann selber in die Küche transportiert und bleibe ihr gepökelt lange erhalten.

Die gescheiten, scharfzüngingen und manchmal bösen Texte stammen von Anette Heiter. Da ist sie ganz in der Tradition von Georg Kreisler, dessen "Es wird alles wieder gut, Herr Professor" einer der Höhepunkte des Abends war. Auch deswegen ist es schade, dass Honey Pie auf ihrer Abschiedstournee sind - zum Glück hatte diese sie noch nach Hechingen geführt.

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