Lichterglanz: Hechinger trotzen Wind und Regen

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Regnerisch, kalt und windig ist es am Samstag beim Lichterglanz in Hechingen. In dem kleinen Pavillon bei der Johannesbrücke ist es etwas wärmer, dank eines Heizstrahlers. Märchenerzählerin Sigrid Maute hält die Kinder im Bann. Sie trägt ein Mittelaltergewand, zur Untermalung ihrer Erzählungen hat sie eine hölzerne Spieldose dabei. Zu Beginn stellt sie Fragen wie: Was passiert, wenn Frau Holle die Betten schüttelt? Die kleine Kim weiß darauf die Antwort: „Es schneit.“ Maute sagt: „Genau. Jetzt bist du eine Märchenheldin.“ Nach zwei weiteren Rätseln geht es richtig los, drei Märchen erzählt Maute, mit vielen Gesten und in unterschiedlichen Stimmlagen. Dazwischen kommt die Spieldose zum Einsatz, kleine Melodien klingen durch den Pavillon. Den Kindern gefällt es, alle Bänke sind belegt.

Wenige Meter weiter hat Klausi Klücklich seine Bühne. Mit zwei Holzstäben, an denen ein Netz befestigt ist, vollbringt er seine Zauberstücke: Riesige Seifenblasen steigen in die Luft, Kinder hüpfen vergnügt um den Künstler herum. Der Schneeregen scheint die Gäste nicht zu stören. Wenn der Regen zu dicht wird, kommen einfach Regenschirme zum Einsatz.

Weiter auf dem Weg in die Oberstadt geht es an der illuminierten Staig-Baustelle vorbei. Nur Kinderwagen-Familien haben es hier auf dem beengten Weg etwas schwer. Ansonsten hat auch die Baustelle mit den Feuerlichtern märchenhaften Charme.

Auf dem Schloßplatz begeistert ein Kasperletheater die Kinder, die Erwachsenen wärmen sich bei Feuerzangenbowle und Punsch. Später gibt es auf dem Platz Unterhaltung für die Großen: Das Albler Duo SaWa gibt Schlager zum Besten.

Schwäbische Geschichtle

Abseits des Trubels erzählt im Hohenzollerischen Landesmuseum Ursula Stobitzer Geschichtle aus dem Heimatländle. Mit schwäbischem Akzent und viel Witz interpretiert sie die hohenzollerische Geschichte etwas großzügiger als üblich. „Es ist schön, mal etwas anderes zu machen“, erklärt Stobitzer, die sonst die Hechinger Stadtführungen leitet. Sie hat sich die Geschichtle, die sie den 30 Interessierten bei einer Führung durch das Museum erzählt, selbst ausgedacht.

Ebenfalls ruhig geht es in der Goldschmiedstraße zu. Dort hat Künstler Dietmar Schönherr zur Neueröffnung seiner Galerie geladen. Peter Barth am Akkordeon unterhält die wenigen Gäste. Dass die Resonanz so gering ausfällt, enttäuscht Schönherr aber nicht. Er weiß: „Kunst funktioniert nicht über Laufkundschaft.“

Die Laufkundschaft treibt sich auf dem Kirch- und Marktplatz herum. Ungarische Langos sowie Baumkuchen, schwäbische Maultauschen oder Pulled Pork Burger: Die Hechinger schlemmen gegen 8 Uhr zahlreich an den Ständen. Der Durst wird von vielen mit Glühwein gestillt. Wem das nasskalte Wetter nicht liegt, der kehrt im Fecker bei Live-Musik ein oder bummelt durch die Läden.

Rund 5000 bis 8000 Menschen – schätzt Organisator Sigfried Wischke – sind beim Hechinger Lichterglanz unterwegs. Im Vergleich zum Vorjahr – Wischke schätzt, dass es damals 10 000 Besucher waren, – ist das angesichts von Wind und Regen keine schlechte Bilanz.

Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht Wischke von einem „sehr gelungen Lichterglanz“. „Ich habe gemerkt, dass die Hechinger immer kommen,“ sagt er. Gleich welches Wetter. Gerade die Baustellenillumination der Staig und der Live-Maler auf dem Schloßplatz „kam hervorragen an“, so der Koordinator vom Stadtmarketing-Verein. Seine Bilanz: „Ich bin rundum zufrieden.“ Was er sich lediglich noch wünsche: Dass einige Geschäfte mehr wagen. In den Läden sei zwar etwas los, dort jedoch, wo man sich nach draußen verlagere, „passiere etwas“, so der Organisator.

Ein Ende findet an dem Abend die Schuhsammel-Aktion von Kinder brauchen Frieden. Unterstützer konnten pauschal für 50 Euro ein Paar Schuhe in den Hechinger Schuhhäusern Rainer Weith und Schuh Schoy kaufen. Die Schuhe gehen im Dezember an Kinder in Waisenheimen in Bulgarien. „Ein paar Winterschuhe sind für ein bulgarisches Kind ein Luxusartikel“, meint Jürgen Müller. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins und leitet das Bulgarien-Projekt.

5000 bis 8000 Besucher

94 Paar für 94 Kinder waren das Ziel der Aktion, bis zum Wochenende wurden im Schuhgeschäft Weith 32 und im Schuhhaus Schoy 48 Paar gekauft. Die restlichen Schuhe wird nun der Verein finanzieren. Über nachträgliche Spender würden sich die Engagierten jedoch freuen. Die Bilanz der Beteiligten lautet: Von der Aktion haben sowohl der Verein als auch die Geschäfte profitiert, es war eine sogenannte Win-Win Situation. Stadtmarketing-Koordinator Wischke verspricht deshalb auch: „Wir sind für solche Aktionen immer offen.“

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