Lena Schuler klärt Frauen in Burma mit Workshops auf

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Sie hätte auch einfach ein Plakat für eine Hilfsorganisation gestalten können, aber das war Lena Schuler ein bisschen zu langweilig. Die 22-Jährige, die ursprünglich aus Bodelshausen kommt, studiert an der Ostfalia-Hochschule für angewandte Wissenschaften in Suderburg Soziale Arbeit. Teil ihres Studiums ist es, im sechsten Semester ein Projektstudium zu absolvieren. Da kam ihr die Idee, sich über ihre Mitgliedschaft bei der Hilfsorganisation „Projekt Burma“ hinaus für die Menschen in Myanmar zu engagieren. „Die Vorsitzende war sofort Feuer und Flamme. als sie von meiner Idee hörte“, erzählt Lena Schuler. Ein Projekt, das die gemeinnützige Organisation schon lange anpacken, aber noch nicht umsetzen konnte, war die Sexualaufklärung.

„Das war für mich eine Herausforderung“, erzählt die 22-Jährige. Alles, was sie wusste, war, dass das Thema Sex in den Dörfern Burmas ein Tabuthema ist. Intensive Unterstützung bekam sie aber von den Mitarbeitern von Projekt Burma. Informationen sammelte sie über das Internet – über das Studienprojekt „Mit Sicherheit verliebt“, die Aids-Hilfe und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Schließlich stand ihr Workshop, und ihre knapp zweimonatige Reise in das Dorf MagyiZin im Irrawaddy-Delta konnte losgehen. An ihrer Seite: ihr Freund Franz Schünemann – ursprünglich aus Burladingen –, mit dem sie in Celle lebt. Der 25-Jährige nahm für das Abenteuer Myanmar unbezahlten Urlaub.

Nach der Ankunft in der Hauptstadt Yangon folgten eine vierstündige Busfahrt, eineinhalb Stunden Fahrt mit dem Motorrad, drei Stunden Fahrt mit dem Boot über einen Fluss und nochmal eineinhalb Stunden mit dem Motorrad. Der Empfang nach dieser Strapaze war dafür umso herzlicher. Für den Kontakt mit den Dorfbewohnern stand den beiden eine Übersetzerin zur Seite, einige Worte auf Englisch waren auch möglich. Doch schnell war klar: Die Männer wollen sich von einer Frau nichts zum Thema Sex erzählen lassen. „Die haben nur gelacht und wollten mit Franz über ,Männerthemen’ wie Politik und Verkehrsmittel sprechen“, erzählt Lena Schuler und schmunzelt. Zwar wäre es wichtig gewesen, auch die Männer in die Workshops einzubinden, „weil sonst die Verantwortung nur auf den Frauen lastet“. Aber der Zuspruch der Frauen war so groß, dass in den für 25 Frauen angedachten Workshops meist zwischen 30 und 40 saßen und gar keine Zeit für mehr blieb. „Ich war begeistert, wie viel Informationsmaterial die Frauen mitnehmen. Das ging weg wie warme Semmeln“, sagt die 22-Jährige. Wenn sie an einem Modell aus Holz demonstriert habe, wie ein Kondom benutzt wird, hätten die Reaktionen zwischen Entsetzen und Gekicher geschwankt. Selbst testen durften die Frauen natürlich auch. Einige hätten sogar gehamstert, als sie die Verhütungsmittel kostenlos verteilte. Viele Frauen hätten auch Fragen zu Aids und zu ihrem Körper gestellt. Negative oder abwehrende Reaktionen habe sie nicht erlebt, erzählt Lena Schuler. Die Frauen dort seien oft die Leidtragenden, verbluten bei unprofessionellen Abtreibungen, weil Krankenhäuser weit weg sind. Durch die Aufklärungsarbeit hätten sie mehr Selbstbewusstsein und die Möglichkeit zur Selbstbestimmung.

Und was bleibt von der Erfahrung in Myanmar? „Die burmesische Gelassenheit, da muss man sich daran gewöhnen, aber die sollten wir auch in Deutschland ein bisschen mehr haben“, sagt die 22-Jährige. Gerne würde sie wieder für das Hilfsprojekt arbeiten. Eine Idee hat sie auch schon: Burmesische Frauen sollen als Co-Trainer ausgebildet werden, die dann ihr Wissen an andere Frauen in den Dörfern vermitteln.

Projekt Burma ist ein Verein, der seit 2008 humanitäre Hilfe in verschiedenen Gebieten Myanmars leistet. Entstanden ist der Verein, nachdem der Zyklon Nargis das Delta zerstört hatte. Erste Hilfeleistung war es, dort die Dörfer wiederaufzubauen. Heute setzt sich der Verein darüber hinaus für Bildung, Gesundheit, Lebensunterhalt und Öffentlichkeitsarbeit ein.

Spenden kann man auf folgendes Spendenkonto der Kreissparkasse Esslingen: DE 7361 1500 2001 0128 1371.

Ein Benefizkonzert findet am Donnerstag, 27. April, 19 Uhr, im Club Voltaire in der Haaggasse in Tübingen mit der australischen Sängerin und Songwriterin Toby Beard statt. Der Eintritt kostet 15 Euro, der Erlös geht an Projekt Burma.

Weitere Informationen zu den einzelnen Projekten gibt es unter www.projekt-burma.de.

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