Legionäre in der Regenschlacht

Was ist ein Vexillum und wie sah es aus? Diese Fragen standen gestern beim Ferienprogramm der Villa Rustica ebenso im Mittelpunkt wie der Versuch, solch eine Standarte der römischen Legionen zu basteln.

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  • Bedrohlich dunkel wurde es gestern Nachmittag über der Villa rustica. Fotos: Eberhard Wais 1/4
    Bedrohlich dunkel wurde es gestern Nachmittag über der Villa rustica. Fotos: Eberhard Wais Foto: 
  • Aufmerksam lauschten die kleinen Legionäre dem Fachmann und zeigten sich interessiert an der römischen Geschichte. 2/4
    Aufmerksam lauschten die kleinen Legionäre dem Fachmann und zeigten sich interessiert an der römischen Geschichte. Foto: 
  • Gerne wurde das Vexillum mit einem Löwen geschmückt. 3/4
    Gerne wurde das Vexillum mit einem Löwen geschmückt. Foto: 
  • Dietrich Mohl gab Tipps zur Gestaltung der eigenen Standarte. 4/4
    Dietrich Mohl gab Tipps zur Gestaltung der eigenen Standarte. Foto: 
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Das Wetter war gestern Nachmittag nicht unbedingt dazu angetan, ein Freilichtmuseum wie das in Stein zu besuchen und zu besichtigen. So war der Besucherandrang in Stein auch überschaubar.

Doch die Verantwortlichen des Fördervereins sind erfindungsreich und so wurde im Rahmen des Ferienprogramms etwas ganz Seltenes angeboten: die eigene Gestaltung eine Vexillums, einer Standarte, wie sie die römischen Legionen in Friedens- und Kriegszeiten vor sich hertrugen. Der schöpferischen Phantasie waren dabei keine Grenzen gesetzt und wer wollte, konnte sich angesichts des pünktlich einsetzenden Unwettersturms zurück versetzt fühlen in die Zeiten eines Publius Quinctilius Varus.

Bekanntlich erlitt der römische Feldherr um 9. n. Chr. eine der schlimmsten römischen Niederlagen in einer Regenschlacht. Hermann der Cherusker, oder römisch Arminius, nutzte die Wetterunbillen, um den römischen Legionen gnadenlos zuzusetzen. Dabei sind sicherlich auch jede Menge Standarten, eben die Vexilla, verloren gegangen, die freilich heute wegen ihrer stofflichen Beschaffenheit nicht mehr aufzufinden sind.

Denn dieses römische Feldzeichen bestand aus Stoff und ist daher Vorläufer heutiger Fahnen und Flaggen. Abgesehen von ganz seltenen Exemplaren, die die Jahrhunderte im ägyptischen Wüstensand überstanden haben, sind die Fachleute auf steinerne Reliefs für dieses Vexillum angewiesen. In ihrer Fahnenwerkstatt, dem domus supra locum, konnten dabei gestern Dietrich und Hella Mohl acht kleine Legionäre begrüßen, die sich an die Gestaltung ihrer eigenen Standarten machten.

Bei früheren Angeboten dieser Art, etwa dem Bau eines Scutum (Schildes) oder als Archäologen, waren es deutlich mehr. Das Vexillum ist aber auch etwas für Spezialisten, dabei sind Genauigkeit und handwerkliche Fertigkeiten gefragt, welche aber Adrian (neun Jahre), Samuel (zehn), Emil (neun), Jonas, Lelia (neun), Marcel (zehn) und Jan (zwölf) durchweg hatten.

Das viereckige Stück Stoff hängt von einem Querstab an einer Tragestange herab, die oben eine metallene Spitze hat. Historisch war das Vexillum gewöhnlich rot gefärbt, gestern in Stein jedoch waren es gelbe Standarten. Auf den im Original nur 35 mal 35 Zentimeter großen Fahnen sind die Bezeichnung der Legion, etwa "Leg VIII Augustus" zu sehen und ein Tierkreiszeichen. Bei den Originalen aber auch andere Abbildungen, je nachdem welcher Einheit es gehörte.

Es war praktisch ebenso wertvoll wie der Legionsadler und sein Verlust bedeutete eine große Schande für die ganze Legion. Deshalb war der Träger, ein Vexillarius, auch ein wichtiger Posten in der Legion.

Solches und ähnliches Wissen vermittelten die Fachleute in Stein, zu denen auch Bodo Koentop gehörte, sozusagen spielerisch. Als die verschiedenen Standarten, meist mit Stier, Löwe oder Krebs geschmückt, fertig waren, war auch die Wetterschlacht zu Ende und die römischen Legionen konnten ihre Standarten wieder zeigen.

Info Am Sonntag, 6. September, ab 14 Uhr gibt es das nächste Angebot dieser Art, dann wird ein römisches Mosaik gelegt. Das darf man

dann ebenso wie die Legionsfahne getrost mit nach Hause tragen. Wichtig sei es, so Dieter Mohl,

dass die Kinder sich für das Thema römische Geschichte interessieren, um ein schönes Ferienerlebnis zu haben.

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