Königliche Nostalgie unter Dampf

Nach ihrer zweiten "Jungfernfahrt" ruht sich die 1905 erbaute Tenderlokomotive mit drei Kuppelachsen (T3) im Münsinger Lokschuppen aus. Ab März dampft sie auf der Strecke Engstingen-Schelklingen.

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  • Zweite Jungfernfahrt: Die württembergische T3 stand jetzt im Münsinger Bahnhof erstmals nach der Renovierung wieder unter Dampf. Fotos: Joachim Lenk 1/2
    Zweite Jungfernfahrt: Die württembergische T3 stand jetzt im Münsinger Bahnhof erstmals nach der Renovierung wieder unter Dampf. Fotos: Joachim Lenk
  • Ein Blick in den Führerstand der 1905 gebauten Lok T3. 2/2
    Ein Blick in den Führerstand der 1905 gebauten Lok T3.
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Die T3 ist die letzte württembergische Lok, die noch unterwegs ist. Inzwischen hat das alte Dampfross 109 Jahre auf dem Buckel. Es wurde von der Maschinenbau-Gesellschaft Heilbronn gebaut und am 21. Februar 1905 an die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen übergeben. Ihr Einsatzgebiet war der Bereich des Maschinenamtes Ulm, wo sie Personen- und Güterzüge im Schlepp hatte.

Die T3 dampfte nach Geislingen an der Steige sowie durch das Donautal nach Aulendorf bis nach Friedrichshafen auf allen Haupt- und Nebenbahnen. "Nach Münsingen fuhr sie auch", weiß Gerhard Kirchner aus Linsenhofen (Kreis Esslingen), dem es neben seinem inzwischen verstorbenen Sohn Thomas zu verdanken ist, dass die alte Dame seit dem Wochenende wieder in ihrer alten Heimat unterwegs ist.

Ein Vierteljahrhundert lang war die Tenderlokomotive mit drei Kuppelachsen im Einsatz. Zuerst mit der Betriebsnummer 930 der Königlichen Staatseisenbahn, dann von 1925 an als "89 363" für die Deutsche Reichsbahn.

Ende der 1920er-Jahre waren die Tage der T3 gezählt. Sie wurde in Tübingen ausgemustert und an das Städtische Gaswerk Stuttgart als Werklok verkauft, wo sie bis 1971 treue Dienste leistete. Ein Jahrzehnt später erhielt die Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen Stuttgart (GES) die T3. Der damalige Vorsitzende Kirchner und engagierte Mitglieder versprachen, die Lok nach ihrer Aufarbeitung wieder auf württembergische Schienen zurückzubringen.

Sie zerlegten die Maschine in ihre Einzelteile und brachten den kaputten Kessel ins polnische Pila, wo damals noch Dampfloks repariert wurden. Die Schäden waren aber so groß, dass der Verein gezwungen war, einen neuen bauen zu lassen. Jahre vergingen, bis das Geld im unteren sechsstelligen Betrag dank vieler Spenden und einem Zuschuss der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zusammen war.

Während der vergangenen fünf Jahre wurde alles in Sisyphusarbeit in der Bahnwerkstatt MaLoWa in Benndorf (Sachsen-Anhalt) wieder zusammengebaut.

Damit die Lok wieder auf württembergischen Schienen unterwegs ist, haben sich die GES und die Schwäbische Alb-Bahn (SAB) zusammengetan. In den kalten und schneereichen Tagen steht die T3 im Lokschuppen in Münsingen und ist ab und zu zwischen Schelklingen und Engstingen unterwegs. Im Sommer dampft die alte Dame dann im Stuttgarter Raum.

Vergangenen Freitag war es soweit. Nach mehr als 30 Jahren Restaurierungsarbeiten verließ die "930" das Werk in Benndorf. Auf einem Tieflader wurde sie ins 500 Kilometer entfernte Münsingen gebracht und per Kran auf die Schienen gesetzt. Tags darauf schnaufte die 109 Jahre alte Dampflok erstmals wieder auf ihrer alten Strecke zwischen Münsingen und Kleinengstingen. Im Schlepp hatte sie drei "Donnerbüchsen"-Wagen. Dort saßen rund 50 Mitglieder der GES und der SAB, die die Ehre hatten, an der zweiten Jungfernfahrt nach 1905 teilzunehmen.

Als "Winter-Märchen-Special" wird die T3 zum ersten Mal am Sonntag, 2. März, fahrplanmäßig zwischen Engstingen und Schelklingen verkehren. Wer so lange nicht warten möchte, kann sich die "930" für eine Sonderfahrt mieten.

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