Kirschner verklagt Kreisbau

Während die Kreisbaugenossenschaft Hechingen bereits in die Suche nach einem neuen Geschäftsführenden Vorstand einsteigt, klagt der alte - der fristlos entlassene Jens Kirschner - gegen seinen Rausschmiss.

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Getrennte Wege - und bald ein Wiedersehen vor Gericht: Kreisbau-Aufsichtsratschef Joachim Krüger (links) und der entlassene Geschäftsführer Jens Kirschner.

Kirschner gegen Kreisbau: Die Affäre um die fristlose Kündigung des langjährigen Geschäftsführenden Vorstandes der Hechinger Baugenossenschaft bekommt jetzt doch ein juristisches Nachspiel. Dies berichtet der Zollern-Alb-Kurier in seiner Samstagsausgabe. In dieser Woche sei die Klage Jens Kirschners gegen seinen bisherigen Arbeitgeber eingegangen, bestätigte das Hechinger Landgericht unserer Balinger Partnerzeitung. Wie berichtet, hatte die Hechinger Kreisbau ihren langjährigen Geschäftsführer fristlos vor die Tür gesetzt, weil er gegen eine Reihe von vertraglichen Pflichten verstoßen habe und das Vertrauensverhältnis komplett zerrüttet sei.

Die Suche nach einem Nachfolger hat die Genossenschaft bereits eingeleitet. Die Übergangszeit unter dem Vorsitz von Karl-Heinz Bogenschütz scheint schneller zu Ende zu gehen als erwartet. Im Anzeigenteil der heutigen HZ sucht die Kreisbau einen neuen Geschäftsführenden Vorstand. Zu den skizzierten Aufgaben gehört die "vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Geschäftspartnern der Genossenschaft, ihren Mietern und den Kommunen". Genau die hielt der Aufsichtsrat im Falle Kirschners für nicht mehr gegeben. Speziell das Verhältnis zur Stadt Hechingen war am Ende der Ära Kirschner recht angespannt. Ein früherer Geschäftspartner fühlt sich von Kirschner um einen hohen fünfstelligen Betrag geprellt (die HZ berichtete). Und viele Kunden sollen sich über fehlerhafte oder verspätete Hausgeldabrechnungen beschwert haben.

Doch liegt der Schwarze Peter so eindeutig bei Jens Kirschner, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Krüger die Mitglieder und die Öffentlichkeit glauben machen wollte? Nach Recherchen des Zollern-Alb-Kurier mehren sich Zweifel an den Kündigungsgründen, wie sie der ehemalige Bisinger Bürgermeister dargelegt hatte. Tatsächlich, so erfuhr die HZ-Partnerzeitung, habe es verschleppte Abrechnungen bei der Kreisbau gegeben, bestätigt ein Insider. Ursächlich sei aber die Umstellung auf das neue EDV-System gewesen, das wiederum an das Verbandssystem angepasst werden musste. Kreisbau-Kunden mussten teilweise Verzögerungen von zwei Monaten hinnehmen. Tatsächlich war Jens Kirschner im vergangenen Jahr krankheitsbedingt ausgefallen. Nach einem bösen Sturz habe er sich lange Zeit in stationärer Behandlung und anschließender Reha befunden, bestätigt ein Mitarbeiter.

Und die Gründung einer Immobiliengesellschaft in Bayreuth, die Kirschner dem Kreisbau-Aufsichtsrat verheimlicht haben soll? "Tatsächlich", so schreibt der ZAK, " ist Jens Kirschner neben seiner Tätigkeit für die Kreisbau in Hechingen im Handelsregister des Amtsgerichts Bayreuth als Geschäftsführer eines Immobilienunternehmens geführt - der Registerauszug belegt aber deutlich, dass es sich um Kirschners höchst private GmbH handelt, deren Zweck einzig darin besteht, das eigene Immobilienvermögen zu verwalten."

Und wer ist schuld daran, dass der Hechinger Bürgermeisterin Dorothea Bachmann ein Aufsichtsratsmandat verwehrt wurde? Protokollauszüge, die unseren Balinger Kollegen vorliegen, belegen: Diese ablehnenden Bescheide gehen nicht auf den Geschäftsführenden Vorstand Jens Kirschner zurück, sondern eindeutig und einstimmig auf das Kreisbau-Aufsichtsratsgremium unter Vorsitz Joachim Krügers.

Jens Kirschner selbst gibt sich derweil betont vorsichtig und zurückhaltend und beruft sich auf seine "vertragsgemäße Verschwiegenheitspflicht". Zur Sache selbst will er sich wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern. Der Klageschrift ist immerhin zu entnehmen, dass der 36-Jährige auf eine Fortführung seines Dienstverhältnisses klagt. Kirschner, der zwölf Jahre lang die Geschäfte des Hechinger Immobilienunternehmens führte, hält sich zugute, dass sich die Kreisbau unter seiner Führung "aus einer wirtschaftlich sehr schwierigen Lage von einer kleinen Wohnungsgenossenschaft hin zu einem modernen Immobilienunternehmen mit guter finanzieller Lage entwickelt" habe.

In Bisingen kursierende Gerüchte kolportiert derweil der Zollern-Alb-Kurier: "Vielleicht will Krüger selbst an die Spitze der Kreisbau." Die Anforderungen der jetzt veröffentlichten Stellenausschreibung erfüllt der frühere Bisinger Bürgermeister freilich nicht. Gefordert wird unter anderem "Führungserfahrung in einem Unternehmen der Wohnungswirtschaft".

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