Kinderhäuser sind überfüllt

Rumänien bleibt ein Land mit vielen Problemen. Mit diesem Eindruck kehrte die 1. Vorsitzende des Vereins Kinderhilfe Rumänien, Edith Kirchmann, wieder aus dem Osten Europas zurück.

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    Edith Kirchmann mit einem jungen Akademiker, der mit Hilfe des Vereins Kinderhilfe Rumänien ein Studium absolviert hat.
  • Zwei kleine Neuzugänge in einem der Kinderhäuser schlafen sich aus. 2/2
    Zwei kleine Neuzugänge in einem der Kinderhäuser schlafen sich aus.
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"Geldmangel zeigt sich in Rumänien überall", stellte Edith Kirchmann auf ihrer jüngsten Reise erneut fest. Vor allem in sozialen Einrichtungen, Universitäten, Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern oder Altersheimen mache sich die finanzielle Not negativ bemerkbar. "Da staatliche Gehälter im Mindestlohnbereich angesiedelt sind, blüht die Korruption", so Kirchmann.

Die Hechingerin schildert konkrete Fälle: Ein Junge aus einem Familienhaus der Kinderhilfe wurde mit Blinddarmdurchbruch als Notfall eingeliefert. Die Taxe beträgt 100 Euro. Jeder Patient weiß, dass er vor der erforderlichen Behandlung sein Bakschisch zu zahlen hat - und so zahlt man. Ein Pflegevater musste vor kurzem am Herzen operiert werden. Der Arzt forderte indirekt für diesen lebensnotwendigen Eingriff 2000 Euro. "Ohne Geld gibt es keine Operation, nicht einmal eine Untersuchung", berichtet Edith Kirchmann. Auf persönliche Anfrage bei der Krankenhausleitung wurde dieses "under-table-payment" strikt geleugnet. Nach dem Gesetz würden sowohl die Fordernden als auch die Zahlenden bestraft.

Wie immer hat Edith Kirchmann auf ihrer Reise, begleitet von zwei Besuchern aus Deutschland, alle zehn Einrichtungen der Kinderhilfe besucht. Der Eindruck sei sehr positiv gewesen. Man sehe und spüre, dass es den Kindern in diesen Familienhäusern gut geht, auch wenn sie nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen können. Ein Jugendlicher habe zu ihr gesagt: "Hier im Familienhaus haben wir es besser im Vergleich zu vielen Kindern, die bei ihren Eltern leben. Wir werden gut versorgt und man kümmert sich um uns". Ein ähnliches Echo erhielt auch eine Verantwortliche der Familienhäuser: "Im Vergleich zu Kindern aus Familien sind eure Kinder besser erzogen."

Momentan gebe es in einem Bezirk Probleme mit der Lebensmittelversorgung in den Kinderhäusern des Kinderhilfe-Vereins. Die Kinderschutzbehörde habe es versäumt, rechtzeitig die Verträge mit den Firmen abzuschließen. Momentan fehle es an Speiseöl und Zucker. Es müsse improvisiert werden - worin die Angestellten seit Jahren geübt seien. Alle Kinderhäuser im Kreis Arad seien überfüllt. Um die Fleischversorgung zu sichern, sollen mehrere Schweine gekauft werden, die gemeinsam mit den Jugendlichen der vier Kinderhäuser in Lipova versorgt werden sollen.

Natürlich fehle den Kindereinrichtungen auch das Geld für Ferienangebote. Aber hier könne der deutsche Verein mit einem großzügigen Ferienangebot aufwarten: In diesem Jahr finden mehrere Sommerfreizeiten - dieses Mal mit allen Kindern (50) im Kreis Arad - unter Leitung von Edith Kirchmann statt. Auf einem eigens dafür erworbenem Gelände mit drei renovierten Bauernhäusern in einem verlassenen Dorf im Mittelgebirge der Karpatenausläufer können sich bald die Kinder nach Herzenslust in unberührter Natur tummeln. Vielseitige Aktivitäten sind vorgesehen, neben Spaß aber auch pädagogische Angebote: Brotbacken, Kochen, Vorlesen, themenorientierte Diskussionen, Theaterspiel und Geschicklichkeitsübungen, Meditation und Sportangebote.

Besonders erfreulich für Edith Kirchmann war, dass zwei Studenten in diesem Jahr ihr von der Kinderhilfe finanziertes Studium abgeschlossen haben. Sie selbst war bei der Abschlussfeier anwesend.

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