Keine Zukunft im "Mohren"

Gehen im Hotel-Restaurant "Mohren" wieder die Lichter aus? "Es sieht ganz danach aus", sagt Mohren-Wirt Rolf Hocke. Appelle an den Eigentümer, die Mängel am Haus zu sanieren, haben nichts gebracht.

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Rolf Hocke und Silke Wolf und die beiden Töchter des Paares sagen schon mal Tschüs. Die beiden Gastro-Profis haben das Hotel-Restaurant "Mohren" im März 2011 übernommen und mit großem Engagement geführt. Jetzt ziehen sie einen Schlussstrich. Das Haus weise zu viele Mängel auf, sagen sie und vermissen die Kooperationsbereitschaft von Seiten des neuen Hauseigentümers. Foto: Andrea Spatzal

Rolf Hocke und Silke Wolf, die das traditionsreiche Hotel-Restaurant "Mohren" in der Hechinger Oberstadt seit Frühjahr 2011 mit großem Engagement und Erfolg betreiben, sind enttäuscht. Der neue Eigentümer hat dem Gastronomen-Paar den Pachtvertrag gekündigt. In ein paar Wochen gehen im "Mohren" wohl wieder die Lichter aus. "Was will ich machen?", fragt Rolf Hocke. Gern hätte er das begonnene Werk fortgeführt. Aber dafür sei ein gutes Einvernehmen zwischen Pächter und Verpächter eine Grundvoraussetzung. Doch der Haussegen hängt schief.

Das Gastronomen-Paar hat den Hauseigentümer auf Mängel am Gebäude aufmerksam gemacht. Rolf Hocke verweist auf sichtbare Feuchteschäden im Mauerwerk, im Keller in der Pächterwohnung. "Auch die Fremdenzimmer sind betroffen", sagt er. Das Haus sei schlecht gedämmt, die vielen Fenster alle alt. "Die Energiekosten sind enorm." Aber alle Appelle an den Eigentümer, das Haus energetisch zu sanieren oder zumindest Vereinbarungen zu treffen, die im "Mohren" ein auch betriebswirtschaftlich auskömmliches Arbeiten ermöglichen, hätten nichts gebracht. Das einziges Ergebnis der Auseinandersetzung war von seiten des Gebäudeeigentümers die Kündigung des Pachtvertrages "mit sofortiger Wirkung". Um die weitere Abwicklung kümmern sich inzwischen Rechtsanwälte.

Für die Zukunft des "Mohren" sieht Rolf Hocke schwarz. "Das Haus wird leer stehen, wenn nichts daran gemacht wird", prophezeit der 47-Jährige, der auf 32 Jahre Gastronomieerfahrung verweisen kann. Dabei steckt seiner Ansicht nach viel Potential in dem zentral gelegenen Hotel-Restaurant. Dieses Potential wollten der gelernte Koch Rolf Hocke und die Restaurantfachfrau Silke Wolf ausschöpfen, als sie den alteingesessenen Hechinger Gastronomiebetrieb im Frühjahr 2011 übernommen haben. Den kulinarischen Schwerpunkt setzte das Gastronomenpaar auf gutbürgerliche, schwäbische und deutsche Küche und kam damit gut an. Der Tatendrang der Pächter bezog sich aber nicht nur auf Küche und Service, auch baulich wurde einiges in Angriff genommen. So wurde die Ausstattung der Fremdenzimmer verbessert und der Hinterhof in ein einladendes Gärtchen verwandelt. "Das war viel Arbeit", sagt Hocke. die ihm aber unter dem früheren Verpächter Rainer Müller, der auch selbst in die Gebäudeinstandhaltung investiert hat, noch lohnenswert erschien. Jetzt ärgert er sich über das Engagement und das Geld, dass er und seine Partnerin in den "Mohren" gesteckt haben.

Das Paar hat sich wohl gefühlt in der Schlossstraße. In der Schlossstraßen-Initiative, einer Interessensgemeinschaft der anliegenden Einzelhändler und Gastronomen, haben sich Rolf Hocke und Silke Wolf gern und kräftig engagiert. "Das hat richtig Spaß gemacht" sagen sie. Auch wenn sie den "Mohren" aufgeben müssen, in Hechingen möchten sie bleiben. "Wir wollen hier nicht weg", bekräftigt Rolf Hocke, der seit 19 Jahren im Zollernalbkreis lebt. Das Paar hat zwei Töchter im Alter von drei und zweieinhalb Jahren. Sie sollen aus ihrer gewohnten Umgebung nicht herausgerissen werden. So ist der nächste Schritt für die kleine Familie, in Hechingen eine geeignete Wohnung zu finden. Die Wohnungssuche läuft. Ausgelotet wird bereits der nächste berufliche Schritt. Die beiden Gastro-Profis dürften schnell ein geeignetes Objekt finden. Ihr Tatendrang ist ungebrochen. An den Zukunftsplänen wird schon geschmiedet. "Wir haben viele Ideen", sagen sie.

Info Der "Mohren" hat 100 Plätze, neben dem Gastraum das Kaminzimmer und eine Terrasse. Im Hotelbereich gibt es acht Doppel- und vier Einzelzimmer. Das Haus ist zirka 120 Jahre alt. Ein genaues Erbauungsdatum ist nicht bekannt.

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