Kaum Kritik an Fusionsplänen

Ein Aufstand der Mitglieder sieht anders aus. Die Vertreterversammlung der Volksbank Hohenzollern hatte kaum Einwände gegen die Fusionspläne. Nur die Sorge um den Standort Hechingen treibt einige um.

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  • Stimmkarten nach oben: Einstimmig billigten die Vertreter den Jahresabschluss, die Gewinnverwendung, die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat und die Wahlen zum Aufsichtsrat.Über die Fusion wird erst 2015 abgestimmt. Foto: Hardy Kromer 1/2
    Stimmkarten nach oben: Einstimmig billigten die Vertreter den Jahresabschluss, die Gewinnverwendung, die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat und die Wahlen zum Aufsichtsrat.Über die Fusion wird erst 2015 abgestimmt. Foto: Hardy Kromer
  • Franz Steinhart, Vorstandsmitglied der Volksbank Hohenzollern, warb für die Fusion. 2/2
    Franz Steinhart, Vorstandsmitglied der Volksbank Hohenzollern, warb für die Fusion.
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Gar so eilig wie die Kollegen in Albstadt haben es die Volksbänker in Hohenzollern und Balingen nicht mit ihrer Ehe. Während die Ebinger und Tailfinger Mitgliedervertreter die Fusion ihrer Volksbanken schon durchwinken mussten (was sie mit großer Mehrheit taten), lässt man sich in Hechingen und Balingen viel Zeit zur gründlichen Vorbereitung der genossenschaftlichen Verschmelzung.

Die Vertreterversammlung der Volksbank Hohenzollern am Dienstagabend in der Hechinger Stadthalle "Museum" bot die erste Gelegenheit, gut vier Monate nach Bekanntgabe der Fusionspläne ein erstes öffentliches Stimmungsbild einzuholen. Und das dürfte den Bankvorständen durchaus gefallen haben. Kaum kritische Worte, nur ein paar Nachfragen und die eine oder andere spitze Bemerkung kam aus den Reihen der hohenzollerischen Mitgliedervertreter, nachdem Vorstandsmitglied Franz Steinhart mit Verve für den Zusammenschluss mit der Volksbank Balingen geworben hatte. Zeug zum Politikum hat fraglos die Standortfrage. Obwohl die Volksbank Hohenzollern als der größere der beiden Partner in spe das "aufnehmende Institut" ist, soll der Sitz der Genossenschaft in der Kreisstadt Balingen liegen. Verwaltungssitze soll die künftige Volksbank Hohenzollern-Balingen eG dagegen in Hechingen und in Balingen haben.

Der Erste Beigeordnete der Stadt Hechingen, Philipp Hahn, hatte dazu in seinem Grußwort eine "Anregung" parat: Kein Zweifel, sagte er, die Fusion sei der richtige Weg. Doch sollte über den Sitz der Genossenschaft "noch Gesprächsbedarf bestehen", wären die anwesenden (hohenzollerischen) Bürgermeister offen.

Aber wie lange wird überhaupt der Verwaltungssitz in Hechingen Bestand haben? Heinz Peter Schetter warf die Frage auf, ob der zweite Verwaltungssitz in Hechingen "nicht nur ein Bonbon an die Stadt" sei, das "wie alle Bonbons früher oder später gelutscht sein wird". Vorstandsmitglied Arndt Ständer versuchte diese Sorgen zu vertreiben. "Was wir 2011 in Hechingen geschaffen haben, wird Bestand haben", sagte er mit Blick auf das neue, repräsentative Bankgebäude in der Hospitalstraße. Hechingen werde einen starken Verwaltungssitz haben, stellte er in Aussicht. Allerdings, so schränkte Ständer ein und ließ einige im Saal wissend schmunzeln: "Ich kann keine Garantie auf zehn, 20 oder 25 Jahre geben." Die Antwort auf die Frage, was aus der Geschäftsstelle der Volksbank Balingen am Obertorplatz wird, hatte Franz Steinhart vorweggenommen: eine Selbstbedienungsfiliale.

Mit welchen Veränderungen die Mitarbeiter rechnen müssten, fragte der Gammertinger Alfred Tritz, der von "unterschwelligen Unsicherheiten über den Arbeitsort" wusste. Allen Mitarbeitern werde die Übernahme garantiert, sagte Arndt Ständer. Über Raumkonzepte sei allerdings noch nicht entschieden. "Manche werden weitere Wege in Kauf nehmen müssen." Man versuche aber, alles möglichst verträglich zu gestalten.

Eine andere Frage von Tritz galt den Geschäftsanteilen der Mitglieder, die bei der Volksbank Hohenzollern 150 Euro, bei der Volksbank Balingen 50 Euro wert sind. Hier erfuhren die Mitglieder, dass über Details der Harmonisierung noch zu beraten sei. Den Anteilseignern der Volksbank Hohenzollern würden jedoch keine Nachteile entstehen.

Eine Beschlussfassung der Vertreterversammlungen beider Banken über die Fusion ist erst für den Mai 2015 angestrebt. Jetzt ist erst einmal eine externe Beratungsgesellschaft am Zug, die den Fusionsprozess begleitet. Auch ohne die Aufsichtsräte ist selbstredend nichts zu machen. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volksbank Hohenzollern, Karl Gillhart aus Hettingen, signalisierte jedoch bereits grünes Licht: "Der Aufsichtsrat steht einstimmig hinter den Fusionsplänen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand."

Durch die "Fusion auf Augenhöhe", für die Franz Steinhart warb, sollen die genossenschaftlichen Kräfte in der Region gebündelt werden, um den sich verändernden Rahmenbedingungen auf dem Bankenmarkt rechtzeitig und wirksam begegnen zu können. Es entsteht eine Bank mit gut 1,1 Milliarden Euro Bilanzsumme, knapp 75 000 Kunden, gut 37 000 Mitgliedern, 287 Mitarbeitern und 32 Geschäftsstellen zwischen Jungnau und Bad Imnau, Melchingen und Roßwangen.

4,5 Prozent Dividende für die Mitglieder

Solide Zahlen 599,9 Millionen Euro betrug die Bilanzsumme der Volksbank Hohenzollern im Jahr 2013. Auch der Jahresüberschuss bewegte sich mit 1,5 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Urteil des Vorstands: "zufriedenstellend".

Dividende 607 000 Euro aus diesem Gewinn werden als Dividende in Höhe von 4,5 Prozent an die Mitglieder ausgeschüttet.

Eigenkapital Erneut verbessert hat sich die Eigenkapitalbasis. Laut Jahresabschluss ist sie um vier Millionen auf 46,1 Millionen Euro gewachsen.

Wahlen Einstimmig wiedergewählt hat die Vertreterversammlung die Aufsichtsratsmitglieder Gregor Biesinger, Roman Dehner, Dietmar Eger, Meinrad Hirlinger und Dr. Michael Wagner.

 

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