Jetzt ist der Liederkranz endgültig Geschichte

Bei der Neujahrssitzung des Ortschaftsrates ist der Kassenrest des aufgelösten Weilheimer Gesangvereins der Allgemeinheit zugeführt worden.

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Peter Beck, der letzte Vorsitzende des Weilheimer Liederkranzes, sein Stellvertreter Josef Beck und Kassierer Alfred Beck übergaben im Rahmen der Neujahrssitzung des Ortschaftsrates je einen Scheck über 1666 Euro an die Ortschaftsverwaltung für die Sanierung der Urbanskapelle und für den katholischen Kindergarten. Als einziges Andenken an den Verein hängt die 1963 angeschaffte Vereinsfahne weiterhin im ehemaligen Schulhaus und man hofft, dass sie nicht so spurlos verschwindet wie die Fahne des früheren Militärvereins nach 1945, die ebenfalls im Schulhaus hing. In sechs Chronikbänden, zwei Festschriften (von 1963 und 1989) sowie unzähligen Farbdias des Chronisten Anton Wolf ist das Vereinsleben zur Erinnerung für die Mitglieder und die Bevölkerung festgehalten.

Die Geschichte des Gesangvereins Liederkranz soll für die interessierte Bevölkerung und Sangesfreunde auch an dieser Stelle nochmals kurz zusammengefasst werden. Die erste Erwähnung eines Gesangsauftrittes der Weilheimer Sänger liegt lange zurück: Es war wohl bei einem "ländlichen Gesangsfest auf dem Lindich" am 13. Juli 1884 unter der Leitung und Festorganisation von Lehrer Remigius Pfeffer. Darüber informiert ein Artikel im "Zoller" vom 15. Juli 1884, über den der Heimatforscher und Journalist Karl Werner Steim, Sigmaringen, in der Hohenzollierschen Zeitung vom 24. August 1984 schrieb. Bis dahin hatte man 1898 als Gründungsjahr angenommen, das Jahr der Primizfeier von Pfarrer Constantin Speh aus Sigmaringen im Weilheimer Pfarrgarten.

Dieser Verein bestand dann bis zum Jahr 1929. Das Vermögen wurde hernach an die Mitglieder verteilt, die Chorliteratur einem Sänger zu treuen Händen übergeben, der sie später der Ortschaftsverwaltung übergab. Die Gründung eines Chores oder eines Vereins nach dem Ersten Weltkrieg bereitete unter der Federführung der Lehrer Remigius und Franz Xaver Pfeffer enorme Schwierigkeiten. Auch Lehrer Hermann Eh aus Sigmaringen, konnte keine weiteren Sänger gewinnen, so dass man sich zur Auflösung entschloss.

Die zweite Gründung erfolgte nach 24-jähriger Pause am 17. Januar 1953 im oberen Schulsaal unter Lehrer Lothar Häusel und Bürgermeister Albert Beck. Sogleich zählte der Verein 40 Sänger und 36 passive Mitglieder. Das "Lamm" wurde zum Probelokal. Viele Auftritte bei Weihnachts- und sonstigen Feiern, bei runden Geburtstagen oder bei geselligen Anlässen wurden absolviert. Das 65-jährige Gründungsfest im Juli 1963 mit Fahnenweihe und auch das 100-jährige Vereinsjubiläum - verbunden mit dem 15. Stadtsängertreffen "Singende Zollerstadt" - im Mai 1989 sind unvergessen. Ebenso die zahlreichen Bergfeste auf dem Weilheimer Bleichberg mit vielen befreundeten Gesangvereinen aus der Nachbarschaft.

Mit der Einweihung der Turn- und Festhalle 1983 fanden fortan jährlich Sängerfeste und Fasnetsveranstaltungen statt. Jedes Jahr wurde für die Vereinsmitglieder außerdem ein Ausflug organisiert. Viele auswärtige Chorleiter wie Simon Guhl, Michael Grüber, Manfred Klein, Martin Metz und Fritz Schoder fühlten sich in der Sängerfamilie wohl. Die Vorsitzenden Albert Beck, Johann Holocher, Johann Stauß, Josef Beck und zuletzt Peter Beck führten den Verein stets mit Schwung und Vertrauen.

Das Sterben des Vereins war dennoch nicht mehr aufzuhalten. Auch die Gründung eines Sängerstammtisches verlief im Sande. In der letzten Mitgliederversammlung am 30. März 2012 wurde die Auflösung beschlossen. Die Löschung aus dem Vereinsregister zog sich hin, die Kasse konnte, wie erwähnt, erst zu Beginn dieses Jahres aufgelöst werden.

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