Im Zaubergarten des Roland Doschka

Das Interesse an einem Besuch des "schönsten Privatgartens Deutschlands" war so unerwartet groß, dass das deutsch-französische Partnerschaftskomitee Hechingen gar nicht alle Interessenten mitnehmen konnte.

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    Wunderbare Bronzestatue eines Liebespaares. Fotos: Ruth Birmann-Maier Foto: 
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Der emeritierte Freiburger Romanistik-Professor Roland Doschka, vielen noch als Kurator international bedeutender Kunstausstellungen in Balingen in Erinnerung, holte seine ehemaligen Tübinger Kommilitonen Erika Paulsen und Gerhard Henzler sowie 80 Interessenten, die der Einladung des deutsch-französischen Partnerschaftskomitees gefolgt waren, persönlich am Eingang seines Anwesens in Rottenburg-Dettingen ab und führte sie durch seinen Garten, der 2006 mit dem Gartenschöpfungspreis der Europäischen Kulturstiftung Pro Europa ausgezeichnet wurde.

Schon als Junge habe sich bei ihm die Liebe zur Natur entwickelt, erzählte Doschka den Vertretern des Partnerschaftskomitees bei ihrer ersten Kontaktaufnahme. Später hätten ihn seine Studienjahre in England und Südfrankreich sowie seine intensive Beschäftigung mit den französischen Malern der klassischen Moderne bei der Gestaltung seines Gartens inspiriert. 1980, als an dem Steilhang gerade einmal zwei Apfelbäume standen, begannen er und seine Frau mit den Arbeiten. Heute ist der Garten vier Hektar groß und gliedert sich in drei französische Terrassenbereiche und in einen englischen Landschaftsgarten. Die insgesamt 14 Gartenräume weisen jeweils einen eigenen Charakter auf und fügen sich harmonisch zu einem Gesamtkunstwerk.

Besonders beeindruckend war gleich zu Beginn der Bereich, den Doschka dem Maler Claude Monet widmet. In Anspielung auf Césannes Ausspruch "Monet ist nur ein Auge, aber was für ein Auge!", gestaltet Doschka das Auge als einen kleinen Seerosenteich in der Form einer Iris. Die weiße Augenhaut um sie herum wird durch weißen Kies symbolisiert, auf dem eine Frauengestalt aus schwarzem Marmor eines unbekannten Künstlers liegt. Im Hangbereich sind Pflanzen und Stauden, die in den Farben der französischen Tricolore blühen.

In allen Gartenbereichen gehen Natur und Kunst eine glückliche Symbiose ein. Auf perfekten Rasenflächen stehen ausgefallene Bäume und Kunstgegenstände sowie Sitzgelegenheiten, von denen der Besucher den besonderen Zauber des Ensembles genießen kann.

Die Gäste bewundern so seltene Gehölze wie eine großblättrige kalifornische Magnolie - die einzige in Deutschland -, einen hundertjährigen japanischen Ilex-Großbonsai, einen spanischen Maulbeerbaum, eine mediterrane Sonnenschirm-Kiefer oder einen hundertjährigen Buchsbaum von der Krim, der einmal den Boulevard zur Staatsresidenz der ehemaligen Sowjetführer schmückte. Alles wächst und gedeiht im milden Dettinger Mikroklima im Schutz des Rammert.

Gesteinsbrocken von der schwäbischen Alb, Tongefäße und Brunnen aus Frankreich, Quadersteine aus Elbsandstein und Skulpturen wie zum Beispiel eine aus weißem Marmor geschlagene schlanke Frauengestalt oder eine gemütlich im Gras sitzende Dame, ein Sonnenanbeter, ein Panflötenspieler oder ein sich umarmendes Paar - letztere alle aus Bronze - zieren die einzelnen Gartenbereiche.

Sind die französischen Gärten alle jeweils geschlossene Bereiche, öffnet sich der Blick im englischen Teil in die Ferne und auf das umliegende Landschaftsschutzgebiet. Auf der obersten Ebene dominiert eine Magerwiese mit Obstbäumen, die von Schafen kurz gehalten wird. In einem Lavendelfeld pflanzte Doschka Sorten, die er von einer englischen Spezialgärtnerei kommen ließ. Eine Allee aus Buchskugeln, flankiert von trapezförmig geschnittenen Hainbuchen, führt zu einer großen kugelrunden Eibe. Sichtachsen lassen den Blick zu den Kirchtürmen von Dettingen und Hirrlingen schweifen.

Von der Terrasse eines am Hang stehenden Licht durchfluteten Flachdach-Pavillon aus sieht der Besucher auf einen Rasen mit abgerundeten Ecken herab, der von weißen Kieswegen in seinen Hauptachsen durchschnitten wird und an dessen Längsseiten zwei sogenannte Border Pavillons stehen. In der Mitte befindet sich ein Springbrunnen, der von acht in Zypressenform geschnittenen Thuja umgeben ist. In den Blumenrabatten in der Art der englischen Mix-Border blühen vom Februar bis November jeweils zwei Monate lang immer wieder andere Blumen an den Längsseiten.

Nach der eineinhalbstündigen Führung hatten die Besucher Gelegenheit, Bücher von Doschka über seine Gartenanlage zu kaufen: "Mit Goethe durch das Gartenjahr" oder "Einen Spaziergang durch meinen Garten", die er signierte.

Roland Doschka verlangte weder vom Partnerschaftskomitee noch von den Besuchern einen Eintritt beziehungsweise ein Honorar. Wer wollte, konnte für die Tübinger Krebshilfe spenden.

Nach dem Besuch reifte der Gedanke, dass die Wiederherstellung des Hechinger Fürstengartens im Stile eines englischen Landschaftsparks eine ungeheure Magnetfunktion für den Tourismus ausüben und die Hechinger Oberstadt beleben würde. Eine Tiefgarage unter dem Obertorplatz würde es ermöglichen, dass Fürstengarten, Zollerstrasse und der neu gestaltete Obertorplatz wieder zu einer Einheit werden.

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