Hochwasserbilanz wird zum Lehrstück

Rangendingen hatte das Hochwasser vom 1. Juni weitgehend im Griff. Dennoch kam es zu Überschwemmungen. Der Gemeinderat zog am Montag eine Bilanz, die zeigte, wo noch nachgebessert werden muss.

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Die Spuren, die das Hochwasser am 1. Juni in Rangendingen hinterlassen hat, sind noch gut sichtbar. Besonders deutlich wird die Wucht der Wassermassen am Wanderweg entlang der Starzel. Dort haben die Fluten einen Hangrutsch verursacht. Bäume, Steine und Erdreich verstopfen das Bachbett. Auf seinen neuen Wegen fließt das Starzelwasser über die Wiesen, bildet kleine Seen und Kaskaden. Bürgermeister Johann Widmaier nennt den Anblick "wild-romantisch".

Betreten sollte man die neue "Starzel-Insel" zwischen Rangendingen und Bietenhausen allerdings nicht. "Es besteht Lebensgefahr", betont Widmaier. Warnschilder wurden bereits aufgestellt.

Die wild-romatische Idylle am Starzelufer dürfte auch so bleiben, wie sie ist, hätte der Hangrutsch nicht auch den beliebten Starzel-Wanderweg zerstört. "Dieser Weg muss wieder hergestellt werden", ist die einstimmige Meinung im Gemeinderat, auf die der Bürgermeister gegenüber den Naturschutzbehörden der Landratsämter Tübingen und Zollernalbkreis und dem Regierungspräsidium beim Gesprächstermin am 20. Juni pochen wird.

Auch der neue Weg an der sogenannten "Roten Brücke" wurde am 1. Juni quasi weg geschwemmt und muss wieder hergestellt werden.

Rangendingen ist am 1. Juni mit einem blauen Auge davon gekommen. Dennoch deckte der Starkregen weitere Schwachstellen im Hochwasserschutz der Gemeinde auf. Kaum zu verhindern ist, dass ein Jahrhunderthochwasser wie am 1. Juni entlang des Dorfbachs und der Starzel zu überfluteten Kellern führt. Aber in der Weidenstraße, wo Gebäude wieder regelrecht überflutet wurden, sind weitere Sicherungsmaßnahmen angezeigt. So soll der Weg entlang des Ufers angehoben werden. Auch entlang der Starzelstraße soll ein Schutzwall für mehr Sicherheit sorgen. Der Wallbau ist schon länger geplant und jetzt im Maßnahmenkatalog des Zweckverbandes "Hochwasserschutz Starzeltal" enthalten, was der Gemeinde Fördergelder sichert. Rudolf Strobel (RB) forderte, dass die Maßnahme unverzüglich umgesetzt wird. "Es darf nicht wegen des Zweckverbands zu Verzögerungen kommen."

Erneut einsetzen will sich Widmaier für einen Rechen an der L 410 bei der Weißen Brücke. Die Vorrichtung könnte bei Hochwasser das Schwemmgut auf der Starzel abfangen und zugleich Wasser in die gemeindeeigenen Wälder und Felder leiten. Ein erster Vorstoß war aus wasserbaurechtlichen Gründen abgelehnt worden.

Viertens soll überprüft werden, ob der Kanal im Mühlweg entlastet werden muss. Ein Anlieger hatte am Montag in der Bürgerfragestunde Zweifel daran geäußert, dass die Kanalberechnungen im Bereich Mühlweg stimmen. Bürgermeister Widmaier betonte, dass das Kanalnetz in Rangendingen auf ein statistisch zweijähriges Hochwasser (HQ2) ausgelegt ist und eben nicht auf Wassermengen, wie sie die Hochwasserereignisse 2008 und 2012 mit sich gebracht haben. Obwohl die Starzel am 1. Juni um 19.45 Uhr einen neuen Höchststand von 2,23 Metern hatte, sei es in der Ortslage Rangendingen zu weit geringeren Schäden als im Jahr 2008 gekommen. Durch die getroffenen Hochwasserschutzmaßnahmen - Damm entlang der Königsberger Straße, Aufweitung der Starzel, Umbau des Kindler-Gumpens - und durch den "unermüdlichen und vorbildlichen Einsatz" der Feuerwehr Rangendingen und der Überlandhilfe der Feuerwehren aus Bitz, Rosenfeld und Erlaheim sei "das Schlimmste verhindert" worden. "Man hat wieder gesehen, wie wichtig die Feuerwehr ist", so Widmaier anerkennend.

Die größten Schäden entstanden, wie bereits berichtet, im Bereich der Sportanlagen und der Vereinsheime (siehe Info). Wasserschäden durch Hangwasser hat auch die Sägemühle davon getragen. Ebenso wurde die Kläranlage in Bietenhausen erneut schwer beschädigt (wir berichteten). Dagegen konnte der Schaden am Wasserwerk Hirrlinger Mühlen durch die nach 2008 getroffenen Umbau- und Schutzmaßnahmen deutlich minimiert werden, so dass der reguläre Betrieb nicht unterbrochen werden musste.

Soforthilfe für Sportverein und Tennisclub

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