Hoch, höher, Rottweil

In gut zwei Jahren soll der 235 Meter hohe und etwa 40 Millionen Euro teure Testturm von Thyssen-Krupp im Rottweiler Gewerbegebiet Berner Feld, direkt an der B 27 in Richtung Balingen, stehen.

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Der Rottweiler Turm wird mit 220 Metern die höchste Aussichtsplattform in ganz Deutschland bekommen. Bisher hält der Berliner Fernsehturm mit 207 Metern vor dem Frankfurter Main Tower (200 Meter) diesen Rekord. All das hat Alexander Keller, Europa-Chef der Aufzugssparte im Essener Konzern, jetzt angekündigt.

Im ersten halben Jahr, so die Pläne, wird für Besucher zunächst freitags, samstags und sonntags geöffnet sein. Danach soll eine Bestandsaufnahme - auch über die Vereinbarkeit mit dem Testbetrieb - Aufschluss darüber geben, ob weitere Öffnungszeiten möglich beziehungsweise nötig sind. Klar ist, dass es einen 360-Grad-Rundblick geben und Eintrittsgeld kosten wird; die Höhe ist noch offen. Eines macht Keller aber auch deutlich: "Der Turm ist in erster Linie ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt. Es ist einzigartig in det Welt, dass ein Testturm öffentlich zugänglich ist."

Der Rottweiler Gemeinderat, für den die Aussichtsplattform eine zentrale Forderung ist, zeigte sich nach Angaben von Oberbürgermeister Ralf Broß in nicht öffentlicher Sitzung mit dem Konzept einverstanden. "Das Echo war positiv." Es werde auch eine umfassende Bürgerbeteiligung geben. Alexander Keller hebt hervor, die Einbindung eines kommunalen Gremiums in die Planungen eines Unternehmens sei bundesweit ohne Beispiel.

Das Bieterverfahren ist bereits in vollem Gang. Von vier Konsortien, die sich jeweils mit hochqualifizierten Fachbüros, Ingenieuren und Architekten um den Großauftrag beworben haben, sind zwei in die engere Auswahl gekommen. Sie müssen sich jetzt einer weiteren umfassenden Prüfung unterziehen. Die Entscheidung fällt dann im April. Vorher, am 26. März, wird der Rottweiler Gemeinderat erneut über den Zwischenstand informiert. "Wir wollen größtmögliche Transparenz", betont Keller. Andererseits habe man die verschiedenen Entwürfe anonymisiert, auch damit die Bieter nicht gegenseitig Ideen kopieren könnten. Deshalb will der Manager auch nichts zum Design des Turms verraten, nur so viel: "Er soll das neue Wahrzeichen Rottweils werden und für Ingenieurskunst und Transparenz stehen."

Das größte Risiko ist ausgeräumt: Weitere Tiefenbohrungen haben nach Angaben von Thyssen-Krupp die Tragfähigkeit des Geländes eindeutig bestätigt.

Bleibt nur noch eine Unsicherheit: Kann und will sich der wegen seiner Stahlgeschäfte angeschlagene Konzern diese Investition, die auch in Zukunft weitere hohe Kosten erfordern werden, noch leisten? "Wir sind mehr als zuversichtlich", sagt Alexander Keller. Die Aufzugssparte sei ein Wachsrumsmarkt und die ertragsstärkste Gruppe im Konzern. Ihr Umsatz sei zuletzt von 5,7 auf 6,1 Milliarden Euro der Jahresüberschuss um 15 Prozent auf 675 Millionen Euro gestiegen. Das der Rottweiler Turm im Budget enthalten sei, habe Konzernchef Heinrich Hiesinger bei der Hauptversammlung ausdrücklich bestätigt. Auch außenstehende Experten sprechen von einer "Perle des Konzerns".

Das alles kann Ute Bott, die Sprecherin der Bürgerinitiative, nicht überzeugen. Sie kritisiert mangelnde Transparenz der Stadt, glaubt den Äußerungen von Broß und Keller nicht, will weiter gegen den Turm kämpfen und warnt: "Wir werden alles kritisch beleuchten."

Alexander Keller ist fest entschlossen: "Wir wollen so schnell wie möglich anfangen", sagt er. Als Baubeginn nennt er den Spätsommer 2014 und als Fertigstellungstermin Ende 2016.

Das höchste Bauwerk in Baden-Württemberg

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