Hiersein von Asylbewerbern als Chance begreifen

Die Zahl der Asylbewerber steigt. Landrat Pauli empfiehlt, dies als Chance zu begreifen. Keinesfalls dürfe man die Menschen sich selbst überlassen. Der Hechinger Arbeitskreis Asyl geht hier beispielhaft voran.

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Schirmherr Günther-Martin Pauli.

Der Hechinger Arbeitskreis Asyl kümmert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich um Asylbewerber im Verbreitungsgebiet der Hohenzollerischen Zeitung. Bekanntlich fließt die noch laufende Gute-Taten-Aktion der HZ dem Arbeitskreis zu und hat Landrat Günther-Martin-Pauli die Schirmherrschaft für die Aktion übernommen. Warum das ehrenamtliche Engagement so wichtig ist, warum aber auch die Politik neue Wege gehen muss, erläuterten Pauli und einer seiner Mitarbeiter gestern der HZ.

Die Zuzüge von Asylbewerbern sind in vergangenen Jahren (auch) im Zollernalbkreis gestiegen: von 42 Personen im Jahr 2006 auf aktuell 256. Zusammen mit denjenigen, die zuvor schon hier lebten, beläuft sich die momentane Personenzahl im Kreis auf 475.

Davon sind allein 118 in der Hechinger Sammelunterkunft Aviona untergebracht, 30 in der Unterkunft in Bitz, 17 in Winterlingen, zehn in Meßstetten, der Rest verteilt sich "in der Fläche", wie Frank Maier, Leiter des Rechts- und Ordnungsamtes im Landratsamt Balingen sagt.

In den nächsten zwölf Monaten erwartet Maier 270 neue Bewerber. Die Frage ist nun: Wie geht man mit ihnen um? In der Vergangenheit, das meint Landrat Günther-Martin Pauli, sei da "vieles schief gelaufen". Die Konzentration in Sammelunterkünften sei "nicht gut". Etwa die Aviona sei eben eine alte Fabrik und nicht zum Wohnen geschaffen, schon gar nicht für Familien mit Kindern. Von Komfort und Lebensqualität ganz abgesehen - es könne gar nicht ausbleiben, dass es dort, wo unterschiedliche Ethnien, Religionen und Mentalitäten dicht aufeinander hocken, zu sozialen Reibereien kommt, ja, teils zu Übergriffen.

Das neu gefasste Flüchtlingsaufnahmegesetz ermöglicht es nun, die Bewohner schneller in Wohnungen im gesamten Landkreis zu verteilen als bisher (wobei die Kosten weiterhin der Landkreis trägt). Darin sieht Pauli mehrere Vorteile. Erstens "entspanne" sich dadurch die Situation in der Aviona und in Hechingen, zweitens sei es gerade in kleinen Gemeinden einfacher, die Flüchtlinge zu integrieren. "Dezentral haben wir bessere, weil individuelle Möglichkeiten, die Leute zu begleiten." Er fügt hinzu: "Wir müssen uns um sie kümmern." Und zwar: richtig kümmern. Sprachkurse allein seien nicht ausreichend.

Dazu sei man auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. Daneben benötige man künftig aber auch mehr Profis, geschulte Kräfte. "Das wird teuer", ist sich der Landrat im Klaren. Noch teurer sei es allerdings, die Flüchtlinge "allein zu lassen". Daraus entstehe allzu leicht Kriminalität.

Der Kreistag sei diesbezüglich mit der Dezentralisierung, die er forciert betreibt, sowie mit weiteren Maßnahmen auf dem richtigen Weg. Doch werde auch die Landes- und Bundespolitik noch einiges ändern müssen. Etwa die engen Beschränkungen lockern, unter denen Asylbewerber arbeiten dürfen.

Weiter verweist Pauli auf Beispiele, in denen vormalige Asylbewerber zu wertvollen, in jeder Form integrierten Mitgliedern der Gesellschaft wurden. Natürlich - auch das ist keine Frage - gebe es immer wieder herbe Enttäuschungen und Rückschläge. Mit "Gutmenschentum" dürfe man an die Sache nicht herangehen. Man müsse aber zumindest versuchen, "die Leute herüber zu holen" und "Talente zu fördern".

Dass die allermeisten Asylbewerber bleiben werden, davon ist auszugehen. Von daher und im Hinblick auf die Demographie in Deutschland - schwindende Bevölkerungszahl - empfiehlt der Landrat, das Hiersein der Flüchtlinge als Chance zu begreifen.

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