Hexen handgeschnitzt Josef Baur fertigt auch Rangendinger Fasnetsgesichter

In seinen Händen entstehen die Gesichter der "Autchert Hexen": Der Holzbildhauer Josef Baur aus Bierlingen schnitzt Fasnetsmasken und beliefert auch die Rangendinger Narrenzunft. Jetzt ist für ihn Hochsaison.

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In seiner kleinen Werkstatt schnitzt der Holzbildhauer Josef Baur Fasnetsmasken: Neben den Rangendinger Autchert Hexen ensteht hier auch der Schalksnarr und der rote Butz von der Althistorischen Narrenzunft Narrhalla Hechingen, der Bollemer Hasawedel oder der Owinger Fuchs.

"Wie schnitzt man eine Fasnetsmaske?", das wollten am vergangenen Dienstag die Kinder des Kindergartens Schatzkiste aus Mühringen von Josef Baur erfahren, die den Maskenschnitzer zeitgleich mit der HZ besuchten. Zunächst kaufe er beim Forstamt Lindenholz, erklärte ihnen Josef Baur. Dann werde das weiche Holz in einem Sägewerk zugeschnitten. Und dann passiert erst mal nichts: Zum Trocknen der Bretter vergehen rund drei Jahre, erst dann macht Baur sich an den Rohling.

Auf einem Blatt Papier ensteht der Entwurf des Maskenmodells - je nach den Vorstellungen der Vereine. Mit dem sogenannten Geißfuß - einem v-förmigen Schnitzwerkzeug - arbeitet Josef Baur am Holz, zeichnet Furchen, gibt dem Gesicht eine Kontur. Einer der wesentlichsten Punkte bei der Herstellung der Masken sind die Augen, deshalb achte er darauf, dass diese noch besser zum Vorschein kommen. Doch die künstlerische Arbeit geht nicht immer gleich gut von der Hand: "Manchmal gelingt mir an einem Tag gar nicht viel", teilte Baur unumwunden mit. Dann lege er das Schnitzeisen einfach aus der Hand, greife zur Flasche Bier und fange erst am nächsten Tag wieder an zu schnitzen. Das Traditionshandwerk hat Josef Baur von der Pike auf gelernt - und zwar von seinem verstorbenen Vater, der es wiederum einst von seinem Vater beigebracht bekam. Die Mutter ist mit 95 Jahren noch auf dem Damm, sie kocht noch selber und "guckt a bissle Fernseh", wie Baur erklärt. Auch der 62-jähriger Bruder Reinhold Baur arbeitet in der Werkstatt mit: Der zweite "Holzwurm" hat sich ganz dem Ausmalen der Masken verschrieben.

Neben der Maskenherstellung stehen auch - meist nach den Weihnachtstagen - allerlei Reparaturen und Ausbesserungen an. Es werde ihm nie langweilig, betont der Holzbildhauer, während er sich bereits wieder mit einem Kunden unterhält. In der Schnitzerbude - so nennt Baur sein Domizil - geht es manchmal zu wie in einem Taubenschlag. Seit es im Dorf keine Wirtschaft mehr gebe, kommen tagsüber Rentner, trinken machmal ein Bier oder ein Viertele, unterhalten sich über Gott und die Welt - und Josef Baur schnitzt dabei an seinen Masken weiter.

Was so eine Maske kostet? "Es kommt immer darauf an, wie viel Arbeitet man da hinein stecken muss, bis sie tragfertig ist", antwortet Baur zurückhaltend, "aber mit rund 250 Euro muss man schon rechnen", meint er. Und wie lange muss er an einer Maske schnitzen? Zwei oder drei Tage, dann sei zum Beispiel der "Butz" oder der "Schalksnarr" fertig, so der Holzbildhauer.

Mehr Aufwand sei es übrigens, wenn die Vereine zu ihm kommen und gleich eine Idee mitbringen, wie eine Maske aussehen könnte: "Dann setze ich mich zunächst einmal mit dem Maskenmodell auseinander, überlege Schritt für Schritt wie ich vorgehen kann."

Neben den Masken schnitzt Baur in seiner Werkstatt auch Kuckucksuhren. Weihnachtskrippen gibt es im geräumigen Ausstellungsraum ebenfalls zu sehen. Jede Arbeit sei ein Original, ganz individuell nach den Wünschen des Kunden, fügt Josef Baur noch an. Und deshalb werde in der Schnitzerbude auch weiterhin mit dem Geißfuß geschafft, dabei gefachsimpelt und gesellig beisammen gehockt.

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