Hechinger Sternlesmarkt verzichtet auf Albkamele

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Schöne Bescherung: Kamele wird man auf dem Hechinger Sternlesmarkt dieses Jahr vergeblich suchen. Dem Stadtmarketingverein sind die Kosten zu hoch. Rolf Müller von den Albkamelen ärgert sich über diese späte Erkenntnis und die kurzfristige Absage.  Foto: 

Der Countdown zum „Märchenhaften Sternlesmarkt“ läuft. So ein Mega-Event, das jedes Jahr tausende Besucher in die Stadt zieht, will gut vorbereitet sein. Schon seit Monaten zieht Koordinator Sigfried Wischke die Fäden. „Wir wurden schon im Frühjahr vom Stadtmarketing für den Sternlesmarkt gebucht“, sagen Dajana Walz und Rolf Müller von den „Albkamelen“. Ihre Tiere sollten, wie schon letztes Jahr, wieder die zentrale Attraktionen auf dem Weihnachtsmarkt sein.

Aber plötzlich machen die Organisatoren einen Rückzieher. „Jetzt, eine Woche vor der geplanten Veranstaltung, haben wir eine mündliche Absage bekommen“, berichtet Rolf Müller. „Auf einmal heißt es, wir seien zu teuer.“ Der Gründer und Geschäftsführer des Tier- und Erlebnishofes „Albkamele“ ist über das Geschäftsgebaren des Hechinger Stadtmarketing „mehr als enttäuscht“. Man habe die vor Monaten getroffene Vereinbarung mit der „schwachen Ausrede“, es gebe ja „nichts Schriftliches“ praktisch vom Tisch gewischt. „Sehr schade, dass man sich auf ein Wort eines gestandenen Mannes in so einer Position heutzutage nicht mehr verlassen kann“, kommentiert Rolf Müller die unerwartete Kehrtwende des Stadtmarketing-Koordinators Sigfried Wischke. „Unpassend“ findet es Müller, dass trotz der Absage an die Albkamele mit Fotos von der letztjährigen lebendigen Krippe für den Hechinger Sternlesmarkt am kommenden Wochenende geworben wird. Denn er wäre es ja gewesen, der die Krippe vor dem  Rathaus wieder mit Kamelen, Esel, Ziegen und Schafen zum Leben hätte erwecken sollen. Nun macht’s offenbar ein anderer. Von Alpakas war vor kurzem in einem Pressegespräch die Rede. „Es freut uns, dass Sie ein anderes Programm haben“, postet Rolf Müller auf Facebook, „und es sieht ganz danach aus, dass dies schon lange geplant war, aber das hätten Sie uns ja am Anfang des Jahres schon mitteilen können“.

Vorstandsmitglieder des Hechinger Stadtmarketing betätigen die Absage. 2. Vorsitzender Herbert Lindner weiß, dass sich der Preis für die Mitwirkung der Albkamele im Vergleich zum Vorjahr „fast verdoppelt“ habe. Auch Ingrid Burger erklärt: „Die Kosten für die lebendige Krippe wären um ein Vielfaches höher gewesen, vor allem in Anbetracht dessen, dass der Sternlesmarkt erstmals an drei Tagen stattfindet und auch das Adventsdorf länger als sonst stehen bleiben soll“. Darüber hinaus stellt sie klar, dass man die Albkamele nicht gebucht, sondern lediglich „ein Angebot eingeholt“ habe. Darauf verweist auch Koordinator Sigfried Wischke: „Wir hätten uns das nicht leisten können, allenfalls die Hälfte der von Herrn Müller geforderten Summe.“ „Es geht“, betont Wischke, „schließlich um das Geld unserer Mitglieder“.

Auf Facebook wird die Absage an die Albkamele kräftig diskutiert und kommentiert. Zirka 20 Einträge gibt es. Mit nur einer Ausnahme, die andeutet, dass „die Angelegenheit auch eine ganz andere Seite hat“,  bedauern die Kommentatoren die „Bescherung“: „Superschade und in der Entwicklung nicht nachzuvollziehen“, findet Jochen. „Es ist sehr schade, dass ihr dieses Jahr nicht dabei seid, somit wird auf dem Sternlesmarkt das Tollste fehlen“, bedauert Jasmin. Teilweise werfen die Kritiker den Stadtmarketingverein und die Stadt Hechingen wahllos in einen Topf und holen weit aus: „Leider zählt auch in der besinnlichen Weihnachtszeit für die Gemeinde Hechingen nur das Geld“, schimpft Stefanie. Thilo geht noch einen Schritt weiter: „Die Stadt Hechingen macht ja im ganzen Kreis und darüber hinaus seit geraumer Zeit Furore. Ob private Probleme von führenden Politikerinnen und Politikern, die letztlich auf Kosten der Bürger ausgetragen werden, oder eben Schwächen in der Organisation.“ Sascha wertet die kurzfristige Absage als „eine richtige Sauerei“. Und Nicole bringt schließlich das Unvermeidliche zur Sprache: „Da sieht man mal wieder: kein Geld für Tiere, aber die kranke Bürgermeisterin bezahlen.“ Alexander hat offenbar schon selbst negative Erfahrungen mit dem Hechinger Stadtmarketing gemacht: „Ich kenne das zu gut. Ich sag nur: Lichterglanz mit Mittelaltermarkt. War auch nur Theater mit denen. Naja, so vergrault man Leute“. Ins selbe Horn bläst Markus: „Auch sehr viele Probleme mit dem Stadtmarketing gehabt, bis auch wir unser Geschäft in Hechingen aufgeben mussten. Keine Hilfe, viele Versprechungen…“.

Rolf Müller erhält viel Zuspruch. Es sei richtig gewesen, sich und die Tiere nicht unter Wert zu „verkaufen“, schreibt Nadine. Der enorme Aufwand, der hinter so einer Veranstaltung steckt, werde „leider nur den Veranstaltern angerechnet und nicht den Mitwirkenden“. Das sieht der Tierhofbesitzer ähnlich. 900 Euro pro Tag wäre sein Preis gewesen. Dafür hätten die Sternlesmarkt-Macher aber nicht nur die Tiere für eine lebendige Krippe bekommen. In dem Preis seien auch die Kosten für drei ausgebildete und permanent anwesende Tierpfleger, der Tiertransport und die Brandwache in der Nacht enthalten.

Man habe fest mit den Einnahmen gerechnet, sagt Rolf Müller. „Das ist Geld, das uns über den Winter bringt und das uns jetzt fehlt.“ Es wäre leicht gewesen, die Albkamele für einen anderen Weihnachtsmarkt buchen zu lassen. Anfragen habe es gegeben. „Aber wir haben diesen Termin für den Sternlesmarkt geblockt“, sagt Müller. Wie die Dinge jetzt stehen, sei nicht sicher, ob es je wieder einen Hechinger Weihnachtsmarkt mit den Albkamelen geben wird.

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