Hechinger Mordprozess: Staatsanwältin fordert lebenslang für beide Hauptangeklagte

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Umut K. wurde am 1. Dezember 2016 an der Hechinger Staig erschossen. Für den mutmaßlichen Schützen und den Fahrer des Tatffahrzeuges fordern die Staatsanwältin und der Nebenklägervertreter eine lebenslange Haftstrafe.  Foto: 

Knaller am Vormittag im Mordprozess am Hechinger Landgericht: Staatsanwältin Andrea Keller forderte in ihrem Plädoyer nach vier 14 Verhandlungstagen, die Tötung des jungen Kurden Umut K. mit der Höchststrafe zu sühnen. Sie beantragte eine lebenslange Freiheitsstrafe für die beiden jungen Italiener aus dem Raum Burladingen, die am 1. Dezember 2016 an der Hechinger Staig im Tatfahrzeug saßen.

Andrea Keller sieht am Ende der Beweisaufnahme versuchten Mord und fahrlässige Tötung nachgewiesen. Beim Schuss aus dem roten Fiat Punto habe keine Verwechslung und kein Warnschuss vorgelegen. Ob der Schütze auf den getroffenen Umut K. oder auf seinen italienischen Freund, der neben ihm stand, gezielt habe, sei letztlich unerheblich: „Am Ende lag ein junger Mann am Boden. Für die Familie ist es gleichgültig, auf wen gezielt wurde.“ Die Mordmerkmale der Heimtücke und der Habgier sah die Staatsanwältin als gegeben an. Andrea Keller hält es aufgrund zahlreicher Indizien für erwiesen, dass der 22-jährige Beifahrer den Schuss abgefeuert hat. Der 21-jährige Fahrer sei jedoch als Mittäter zu betrachten. Die Staatsanwältin lehnte es ab, beim Jüngeren der beiden Angeklagten Jugendstrafrecht anzuwenden.

Für den dritten Angeklagten, einen 37-jährigen Italiener aus Hechingen, den die Staatsanwältin als den „Paten“ bezeichnete, forderte sie eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten wegen Drogenhandels in nicht geringer Menge.

Nebenklägervertreter Harald Stehr schloss sich in seinem Plädoyer der Forderung nach einer lebenslangen Freiheitsstrafen für die beiden Hauptangeklagten an. Stehr geht anders als die Staatsanwältin sogar von einem „vollendeten Mord“ aus. Sowohl der Schütze auf dem Beifahrersitz als auch der Fahrer des Fiat hätten einen Treffer billigend in Kauf genommen. Auf wen gezielt wurden, sei „egal“. Die beiden jungen Männer hätten „eiskalt“ und aus Habgier gehandelt: „Man hat für einen erwarteten Gewinn von 500 Euro pro Person ein Menschenleben in Kauf genommen.“

Der Schwurgerichtssaal im Hechinger Landgericht war abermals voll besetzt, als die beiden ersten Plädoyers gehalten wurden. Die vielen Angehörigen und Freunde des Opfers warnte Staatsanwältin Andrea Keller: „Es ist das ausschließliche Recht des Staates, die Verantwortlichen zur Verantwortung zu zíehen.“

Am Nachmittag um 13.45 Uhr wird der Prozess mit den Plädoyers der drei Verteidiger fortgesetzt. Das Urteil wird für kommenden Mittwoch, 18. Oktober, erwartet.

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