Großes Migrationsprojekt an der Alice-Salomon-Schule

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    „Die Welt ist klein und wir sind groß“: Schülerinnen und Schüler aus sieben Nationen stehen beim Migrationsprojekt an der Hechinger Alice-Salomon-Schule gemeinsam auf der Bühne. Foto: 
  •  Flüchtlingsprojekt Alice-Salomon-Schule Hechingen 2/4
    Flüchtlingsprojekt Alice-Salomon-Schule Hechingen Foto: 
  • Schulleiter Karl-Heinz Rauch würdigte Alice Salomons Lebensleistung anlässlich ihres 145. Geburtstages. 3/4
    Schulleiter Karl-Heinz Rauch würdigte Alice Salomons Lebensleistung anlässlich ihres 145. Geburtstages. Foto: 
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    Die fortgeschrittene Flüchtlingsklasse servierte leckere Häppchen. Foto: 
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Alice Salomon wäre am 19. April 145 Jahre alt geworden. Mitten in den Osterferien. Kein Problem für die Berufliche Schule am Hechinger Schloßberg, die sich nach der Frauenrechtlerin benannt hat. Feierte man den Geburtstag eben zusammen mit dem gestrigen Pädagogischen Tag und gab gleichzeitig einen Vorgeschmack auf das große Schülerprojekt „Migration – Hoffnung für Europa“, das im Juni die ganze Schulgemeinde beschäftigen wird.

Karl-Heinz Rauch hielt am Freitagmittag vor großem Publikum in der Aula eine Laudatio auf die Jubilarin, deren Namen zu tragen die Schule stolz sein dürfe. Rauch führte dem Publikum vor Augen, dass die Themen, für die Alice Salomon steht, „extrem aktuell“ seien und in der Summe ein fast komplettes Wahlprogramm für 2017 ausmachen würden. Angefangen bei den Frauenrechten: Alice Salomon habe schon vor mehr als 100 Jahren gefordert, dass Frauen dieselben Chancen auf Ausbildung und Berufsausübung haben müssten wie Männer – und denselben Lohn verdienten („Manuela Schwesig lässt grüßen“). Und mit Bezug zu einem der Schulprofile: Soziale Arbeit und Pflege bräuchten eine hochqualifizierte Ausbildung, besseren Lohn und bessere gesellschaftliche Anerkennung.

In einem anderen Politikfeld stellte Rauch die Schulpatronin als eine Art Anti-Trump vor: Alice Salomon habe jedem Nationalismus abgesagt, internationale Netzwerke eingefordert, die Bedeutung des Miteinanders und des Austausches betont. Schon am Anfang des 20. Jahrhunderts habe sie Europa vorgelebt. In ihrer europaweit angelegten Sozialarbeit habe sie auf Weiterbildung und Hilfe zur Selbsthilfe gesetzt statt auf Almosen: „Ja, der aufrechte Gang jedes Menschen war ihr wichtig: arm, reich, krank und gesund.“

In vielerlei Hinsicht, so Rauch, könne Alice Salomon als Vorbild dienen, in einem Punkt sei ihr Vermächtnis aber auch ein mahnendes: Obgleich sie überzeugte Pazifistin gewesen sei, habe sie sich im Ersten Weltkrieg von populistischen Emotionen und nationalen Gefühlen anstecken lassen und sich „einen glorreichen Sieg Deutschlands“ gewünscht. Heute sei die Gefahr der nationalen Emotionen angesichts der Globalisierung und der Flüchtlingswelle wieder groß. Von Alice Salomon könne man lernen: „Leute, passt auf! Es geht verdammt schnell. Lasst euch nicht verführen!“

Apropos Flüchtlinge: Rauch erinnerte daran, dass Alice Salomon selbst ein solcher gewesen sein. Vor den Nazis musste sie Hals über Kopf in die USA fliehen, wo sie allein und vereinsamt 1948 in New York starb. Mit diesem Schicksal sei sie Mahnung und Vorbild zugleich: „Kümmert euch um die Geflüchteten und lasst sie nicht allein.“

Die Alice-Salomon-Schule, so schlug Rauch den Bogen zur schulischen Arbeit, habe sich zum Ziel gesetzt, die Geflüchteten, aber auch alle anderen, die am Weg des gesellschaftlichen Lebens zu stranden drohten, zu unterstützen. Deshalb auch das große Schülerprojekt „Migration – Hoffnung für Europa“, das aller Welt zeigen solle, dass ein Miteinander Spaß mache und für alle fruchtbar sei. Einen Vorgeschmack auf das Projekt, das in einer großen Theaterpremiere im Juni gipfeln wird (siehe Kasten), gaben Schüler aus Deutschland, Gambia, Guinea, Ghana, Somalia, Syrien und Afghanistan am Freitag mit Szenen aus ihrem Bühnenstück mit dem Titel „Mein Gestern – unser Heute“. Unter der Regie der Lehrerinnen Monika Weber und Kornelia Maas probt die multikulturelle Schauspieltruppe seit einem Jahr und macht deutlich, dass Sprache nur ein Ausdrucksmittel von vielen ist. Andere sind Körpersprache, Choreographie, Trommelrhythmen – und der Schuhplattler in Lederhosen, den der aus dem Kongo geflüchtete Steve Bimamisa auf die Bretter legen will, wenn er im Juni mit seiner Profimusikergruppe mit den Alice-Salomon-Schülern arbeiten wird. „Da freuen wir uns schon heute drauf“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Leonie Schneider-Loye.

Vom 19. Juni an dreht sich an der Alice-Salomon-Schule alles um das Thema „Globales Lernen“. Es gibt professionell begleitete Workshops und einen Spendenlauf. Die multikulturelle Theatertruppe hat am 29. Juni in der Stadthalle „Museum“ ihren Premierenabend. Am 1. Juli eröffnet sie in Reutlingen das Theaterfestival „Gewaltige Spiele“.

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