Glasfaser geht in Bisingen und Gauselfingen ans Netz

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Der Netzbetreibervertrag zwischen Komm.Pakt.Net und NetCom BW wurde unterzeichnet: Hinten stehen Bisingens Bürgermeister Roman Waizenegger, Dotternhausens Bürgermeisterin Monique Adrian, Dormettingens Bürgermeister Anton Müller, Gauselfingens Ortsvorsteher Rudi Kanz, sein Stellvertreter Michael Eisele, vorne sitzen Dezernatleiter Karl Wolf, Landrat Günther-Martin Pauli, Jens Schilling, Vorstand von Komm.Pakt.Net, und Bernhard Palm, Geschäftsführer der NetCom BW (von links).  Foto: 

Netflix, Youtube, Amazon, Foto-Sharing: Heute wird über das Internet gestreamt, was das Zeug hält. Der Bedarf wächst rasant, laut Netzanbietern hat er sich allein im letzten halben Jahr verdoppelt. Streamen ist schon lang kein Fremdwort mehr. Die Nutzer: Vor allem junge Menschen, die dorthin gehen, wo schnelle Internetverbindungen bestehen. Denn Glasfaser ist das einzige Material, das zuverlässig Daten in der Geschwindigkeit transportiert. Breitband ist also ein wichtiges Kriterium, um junge Menschen und qualifizierte Arbeitskräfte für einen Betrieb und Wohnstandort, gerade auf dem Land, zu gewinnen. Das unterstrich auch Landrat Günther-Martin Pauli am Dienstag im Landrats­amt, wo der Netzbetreibervertrag zwischen dem interkommunalen Verbund Komm.Pakt.Net und NetCom BW für vier Kommunen unterzeichnet wurde.

Ein Grund, warum Telekommunikationsanbieter in ländlichen Gebieten nicht investiert haben, ist die fehlende Rentabilität. In Städten erreichen sie mit weniger Kabel mehr Kunden. Deshalb wurden die Kommunen im Zollernalbkreis selbst aktiv und investieren in den Ausbau der Breitbandinfrastruktur. „Das gehört zur Grundversorgung in den Haushalten wie Elektrik und Wasser“, erklärte Pauli. Das Backbone-Netz – Einstiegsring ins Internet und Verbindung zu den Ortsnetzen – erstreckt sich im Zollernalbkreis über eine Länge von rund 300 Kilometern. Davon müssen derzeit noch rund 100 Kilometer neu gebaut werden. Das Industriegebiet Nord in Bisingen, Gauselfingen und die Gewerbegebiete in Dormettingen und Dotternhausen können nun als Prototyp für alle weiteren Kommunen im Zollernalbkreis in Sachen schnelles Internet durchstarten. In den Gemeinden wurde das kommunale Glasfasernetz an die NetCom BW verpachtet, die mit über 10 000 Kilometer das zweitgrößte Netz in Baden-Württemberg betreibt. Der Netzbetreibervertrag hat eine Laufzeit von sieben Jahren.

Bisingens Bürgermeister Roman Waizenegger drückte seinen Dank bei der Vertragsunterzeichnung aus. „Das Internet könnte ein bisschen schneller sein“, habe er bei den Gewerbetreibenden gehört, als er bei seinem Amtsantritt vor über drei Jahren fragte, ob irgendwo der Schuh drückt. Heute kämen die Firmen mit der Datengeschwindigkeit von 6Mbit/s im Upload, der für Unternehmen viel wichtiger sei als der Download, nirgendwo mehr hin.

Infoveranstaltung ist geplant

Wie sehnsüchtig die Gauselfinger seit sieben Jahren auf schnelles Internet warten, verdeutlichte Rudi Kanz, Ortsvorsteher des Burladinger Ortsteils. Die Gemeinde sei selbst nicht weitergekommen, und Schuld sei immer der Ortsvorsteher gewesen, erinnerte er sich. „Aber die Vorleistungen sind nun abgeschlossen und wir wollen so schnell wie möglich aus dem Tal der Ahnungslosen herauskommen“, sagte er. Das griff Landrat Pauli gleich auf und spielte süffisant auf den Wahlerfolg der AfD in der Fehlastadt an: „Der Sonntag hat ja gezeigt, wie wichtig es ist, dass Burladingen aus dem Tal der Ahnungslosen herauskommt.“

Licht sehen können die Gauselfinger in Sachen Internet, so kündigte es Komm.Pakt.Net-Vorstand Jens Schilling an, im ersten Quartal 2018. Vorab wird die Netze BW aber noch eine Infoveranstaltung in Gauselfingen organisieren, in der alle Fragen zu Geschwindigkeiten, Verträgen und weiterem Vorgehen geklärt werden sollen. Netze-Geschäftsführer Bernhard Palm wies die Bürger darauf hin, vorerst nichts in Sachen Verträgen zu unternehmen. Tarife wird es mit 25 und 50 Mbit/s im Down- und fünf und zehn Mbit/s im Upload geben. Wer von den 900 erschlossenen Haushalten in Gauselfingen einen FTTB-Anschluss hat, also Glasfaser bis zum Gebäude, kann die Geschwindigkeit nach oben anpassen.

Zuwachs Der Bandbreitenbedarf im privaten und gewerblichen Sektor steigt rapide: Galten vor wenigen Jahren Bandbreiten mit 16 Mbit/s noch als gut, werden heute 50 Mbit/s als Mindeststandard gefordert. In absehbarer Zeit werden auch 100 Mbit/s nicht mehr genügen. Der Upload spielt dabei eine immer größere Rolle. Intelligente Systemsteuerungen, vernetzte Dienste und Anwendungen halten Einzug im gewerblichen und privaten Bereich und erfordern symmetrische Verbindungen, also gleiche Geschwindigkeiten für Down- und Uploads. Langfristig zukunftsfähig sind deshalb nur glasfaserbasierte symmetrische Breitbandanschlüsse. Mittelfristiges Ziel ist es deshalb, jedes Gebäude an Glasfaser anzuschließen (FTTB).

In Rangendingen wird ab 4. Oktober die Haigerlocher Straße erneuert. In diesem Zuge greift auch in Rangendingen der Ausbau des kreisweiten Backbone-Glasfasernetzes. Im Verbund mit acht Landkreisen mit mehr als 200 Städten und Gemeinden treibt der Zollernalbkreis mit seinem „Modellprojekt Breitbandausbau“ auch den innerörtlichen Ausbau von gemeindeeigenen Glasfasernetzen innerhalb der Modellregion voran. Die Planung für die Gemeinde Rangendingen steht bereits, die Haigerlocher Straße ist der erste von mehreren Ausbauabschnitten. spa

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