GEDANKEN ZUM SONNTAG: Selig sind, die verfolgt werden

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Dramatische Flüchtlingsschicksale ereignen sich derzeit im Nahen Osten. Millionen Menschen brechen gegen ihren Willen von zuhause auf, um dem todbringenden Kriegstreiben zu entfliehen. Bei den Scharen von Flüchtlingen, von denen uns die Medien berichten, nehmen wir Einzelschicksale kaum wahr. Wie etwa das Leiden des jungen Paares Yusuf und Mariam aus der Kleinstadt Al-Nasira. Politische Willkür zwang sie zum Verlassen ihrer Heimat südwestlich von Damaskus. Zehn Tagesmärsche waren sie unter großer Entbehrung unterwegs, als fern von zuhause in einem Notquartier ihr erstes Kind zur Welt kam. Nur durch die großherzige Hilfe von fremden Besuchern konnten sie diese schwere Zeit überstehen.

Aber ein Leben in friedlichem Familienidyll war nicht in Aussicht. Politische Machtkämpfe im bislang sicheren Süden zwangen sie abermals zur Flucht. Unter größter Gefahr konnte Yusuf seine junge Familie über die Grenze bringen, in ein Land, dessen Sprache er und seine Frau nicht kannten, dessen Kultur und Religion sie nicht verstanden und dessen Klima ihnen zu schaffen machte.

Sicher erkennen Sie spätestens hier die Parallelen zum Schicksal von Josef, Maria und dem Jesuskind. Auch heute suchen Millionen von Flüchtenden zuerst im eigenen Land eine sichere Bleibe. Doch der Krieg treibt viele dann doch ins Ausland. Fast zwei Millionen Flüchtlinge haben Syrien verlassen. Im Nachbarland Jordanien mit seinen sechs Millionen Einwohnern kommt derzeit eine halbe Million Flüchtlinge unter. Nur den wenigsten gelingt eine Ausreise in ein sicheres Drittland, zum Beispiel Deutschland. Doch kaum kommen die ersten Syrer bei uns an, beginnen schon die Aufschreie. Von Flüchtlingsströmen ist die Rede und von Grenzen der Aufnahmefähigkeit.

Auch in den Zollernalbkreis kommen syrische Flüchtlinge. Nun liegt es an uns: Werden wir wie König Herodes nur Gefahren wittern, oder werden wir wie die Hirten von Bethlehem die Ankommenden bei uns so gut es eben geht aufnehmen? Ja, Yusuf und Mariam stehen bald auch vor den Toren unserer Stadt und bitten um Herberge.

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