GEDANKEN ZUM SONNTAG: Befreit zum Handeln

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Pfarrer Frank Steiner, evangelisches Pfarramt Rangendingen/ Hechingen- Nord  Foto: 

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Kind verändert durch seine unbekümmerte Naivität eine schwierige Situation. Viele würden angesichts der Naivität des Kindes die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und es mit seiner unrealistischen Ideen abweisen und fortschicken. "Was ist das für so viele?", entfährt es Andreas, einem der Freunde von Jesus, als er die fünf Brote und zwei Fische sieht, die ein Junge bringt. Der Junge will dabei helfen, den Hunger einer Menge von mehr als 5000 Menschen zu stillen, indem er teilt, was er hat. Jesus lässt sich auf den Jungen ein. Nimmt Brot und Fisch an. Betet und lässt sie austeilen. Alle werden satt und es bleibt noch übrig.

Ein Wunder ist geschehen! Doch was ist das Wunder? Im ersten Moment erscheint es als Wunder, dass 5000 Menschen durch zwei Fische und fünf Brote satt werden. Mir scheint, das Wunder hat früher sattgefunden: Das Wunder geschieht, als Jesus sich auf diesen Jungen einlässt. Wir bestimmen und bewerten unser Handeln und das Handeln anderen an Hand der Kategorien "realistisch - unrealistisch", "vernünftig - unvernünftig", "naiv - reflektiert".

Was realistisch, vernünftig und reflektiert ist, ist gut und sinnvoll. Was naiv, unvernünftig und unrealistisch ist, ist sinnlos und schlecht. So einfach ist die Welt. So einfach machen wir uns die Welt. Jesus nimmt diesen Kategorien ihre beherrschende Macht. Er führt den Menschen vor Augen: So schnell und leicht lässt sich die Welt nicht einteilen.

Paulus macht deutlich: Der christliche Glaube und christliches Leben sind nach den Maßstäben dieser Welt eine Torheit. Als Christinnen und Christen sind wir aufgerufen, nach den Maßstäben dieser Welt unvernünftig, naiv und unrealistisch zu handeln. Wenn wir das tun, gehen wir das Risiko ein, uns zum Gespött der Menschen zu machen. Die Menschen werden die Augen verdrehen, so wie vielleicht der eine oder andere der Freunde Jesu zunächst die Augen verdrehte, als der Junge ankam und Brot und Fische anbot.

"Was ist das für so viele?" ist die Frage des Realisten. Er wird angesichts der fünf Brote und zwei Fische sagen: "Ein Tropfen auf den heißen Stein!" Wirkungslos werden Brot und Fische verschwinden. Dem Realisten sind in diesem Augenblick die Hände gebunden. Realismus und Vernunft werden ihm zur Fessel.

Der Realist möchte am liebsten alle mit seiner Vernunft und Reflektiertheit fesseln. Haben wir den Mut, diese Fesseln abzuschütteln? Haben wir den Mut, diese Fesseln abzuschütteln! Denn die vermeintlich Naiven und Unvernünftigen haben die Möglichkeit zu handeln, es auf einen Versuch ankommen zu lassen und zu sehen, was passiert. Schlimmer, schwieriger, als sie im Moment ist, kann die Situation sicherlich nicht werden.

Jesus ist frei zu handeln. Er befreit uns zu handeln. Jetzt ist es an uns, von dieser Freiheit zu handeln Gebrauch zu machen, indem wir etwas tun und wagen. Ich bin gewiss: Wir werden erleben, wie sich etwas zum Guten hin verändert. In der Rubrik "Was mein Leben reicher macht" der "Zeit" am 16. Juli 2015 berichtete ein Frau von einem Flüchtling, der im Zug ohne Fahrschein angetroffen wurde. Er schämte sich und war gegenüber Zugbegleiter und Polizeibeamten hilflos. Spontan bezahlte die Frau die Fahrkarte - immerhin 131,50 Euro.

Im ersten Augenblick halten viele Menschen dies wohl für naiv und unvernünftig. Was soll das? Die Frau hat das Leben dieses Flüchtlings verändert. Sie hat ihn aus seiner Scham befreit. Doch sie hat noch mehr getan. Andere Fahrgäste haben erlebt: Es lässt sich etwas tun und Menschen in ihrer Not helfen. Spontan steckten andere Fahrgäste der Frau Geld zu, so dass sie die Hälfte des Geldes bekam.

Lassen sie uns unbekümmert und naiv sein und handeln und so die Welt verändern. Möge Gott uns dazu in der neuen Woche Kraft und Mut geben.

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