Gebets-App und Glaubensfragen bei HZ-Leseraktion

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„Warum tragen so viele Muslime Vollbärte?“ – „Hören die Frauen im Nebenzimmer die Gebete überhaupt?“ und „Dürfen Imame heiraten?“ Diese Fragen – und noch einige mehr – stellten die HZ-Leser beim Besuch in der Hechinger Süleymaniye-Moschee. 27 Interessierte waren der Einladung von Baykan Akdogan und der HZ gefolgt, um das muslimische Gotteshaus und die Gemeinde kennen zu lernen. „Mein Name ist Baykan Akdogan, ich bin 34 und gebürtiger Hechinger, habe eine vierjährige Tochter und eine Frau und wie die meisten Hechinger und Bollemer arbeite ich bei Gambro.“ Schon die Begrüßung des Dialogbeauftragten der Hechinger Moschee war dazu angetan, möglicherweise vorhandene Vorurteile auszuräumen. In seiner Moscheeführung erklärte Baykan Akdogan den HZ-Lesern den Alltag eines Muslims, Gebete und Gebetszeiten, die Einrichtung der Moschee und ihre Funktionen. Dass der Teppich immer rein sein muss, weil man ihn mit der Stirn beim Beten berührt, kam dabei ebenso zur Sprache wie der Unterschied zwischen Predigten von der Kanzel („Minber“) und Beiträgen am Vortragspult („Kürsü“). Von der Minber wird beim Freitagsgebet die Predigt gesprochen, an der Kürsü soziale, wissenschaftliche und kulturelle Themen behandelt. Dass sich die im Koran vorgeschriebenen fünf Gebete pro Tag in den Alltag integrieren lassen, erstaunte einige Gäste. Doch Akdogan erklärte: Eine Digitaluhr im Gebetssaal zeigt die Zeiten, bis zu denen das jeweilige Gebet gesprochen werden muss. Übrigens ist sie auf 30 Jahre im Voraus programmiert und richtet sich nach dem Mondkalender. Zwischen diesen Zeitpunkten ist man flexibel. Praktische Helfer gibt es auch: „Ich habe eine App auf dem Telefon – da wird mir vorrezitiert und ich bekomm’ auch eine Erinnerung“, erklärt Akdogan pragmatisch. Wie ein Gebet aussieht und vor allem klingt, bekamen die Moscheebesucher vom Religionsgelehrten Hasan Hüseyin Arisoy vorgesungen – eine fast schon mystisch anmutende Erfahrung – und von Akdogan vorgemacht. Sie erfuhren, dass die rituelle Waschung „ähnlich kreislauffördernd wie kneippsche Güsse“ sei und nach jedem Toilettengang vor dem Gebet wiederholt werden muss. Ein ganz alltagsbezogener Einblick in die Gemeinde und in den Glauben war es also, den die HZ-Leser bekamen. Und die Rückmeldung dürfte die Gemeinde, der aktuell 175 eingetragene Mitglieder – nur eine Person pro Familie wird angemeldet – angehören, freuen. Denn das Ziel der Veranstaltung war es, Vorurteile abzubauen und auch die Toleranz des Islam zu zeigen. Akdogan zitierte dazu aus dem Koran: „Dir deine Religion – mir meine Religion.“ Außer dem Dialogbeaufrtragten und dem Imam war auch der Jugendgruppenleiter Yunus Cakir gekommen. Leider waren viele andere Gemeindemitglieder schon im Urlaub. Und trotzdem war die Sommeraktion ein Erfolg, das zeigte die Rückmeldung einer Besucherin.Das ist gelungen, wie die Abschiedsworte einer Leserin zeigten: „Das Wichtigste ist doch, im Gespräch zu bleiben – und festzustellen, dass die Gemeinsamkeiten die Unterschiede überwiegen.“ Der Vollbart ist übrigens nach Vorbild des Bartträgers Mohammed die „Pracht des Mannes“ und erinnert dadurch an religiöse Pflichten. Die Gebete werden per Lautsprecher zu den Frauen übertragen, die aus Schutz vor anzüglichen Blicken während des gebückten Gebets im eigenen Raum beten. Und unverheiratete Imame sind nicht so angesehen wie verheiratete.
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