Gar nicht so einig

Die Architektenkammer Baden-Württemberg will, dass ihre Zollernalb-Vertreter Stellung beziehen zum Hechinger Rathaus. Die sind sich gar nicht so einig.

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Das Rathaus sei ein öffentliches Gebäude, betonte Heinz-Peter Schetter. Sprachs und stolzierte hinein. Der seit Jahr und Tag in der Stadtplanung äußerst engagierte Architekt aus Stetten hatte sich und seine annähernd 20 Kolleginnen und Kollegen also erst gar nicht angemeldet. Die Besichtigung unter Regie des pensionierten Hechinger Architekten und langjährigen Stadtrats Herbert Selig konnte beginnen.

Die Tour rund ums Verwaltungsgebäude und der Aufenthalt in dessen Treppenhaus sollte den Mitgliedern der Kammergruppe Zollernalbkreis der Architektenkammer Baden-Württemberg die Augen öffnen: Schaut, das ist das berühmte Schmitthenner-Rathaus - und dessen Untergeschoss soll in eine Einkaufsmeile für H&M oder C&A verwandelt werden. Die Stuttgarter Architektenzentrale, ließ das Kreisvorstandsmitglied Schetter wissen, hat von ihrem Zollernalb-Ableger eine Stellungnahme erbeten. Herbert Selig sollte mit seiner Besichtigung die Grundlagen legen. Doch so sehr er sich auch ins Zeug legte, am Ende fuhr er ganz offenkundig keine volle Ernte ein: Verschiedene, vor allem jüngere Teilnehmer äußerten ganz klar die Meinung, dass sie Haltung die von Herbert Selig nicht teilten. Gegenüber der HZ wurde sogar bezweifelt, dass es überhaupt zu einer gemeinsamen Position kommt. Das berühmte Schmitthenner-Rathaus - gar kein Fall mehr für die Planer von heute? Wer weiß.

Dabei hatte Herbert Selig sämtliche Register gezogen, als er das von 1955 bis 1958 erbaute Gebäude Marktplatz 1 vorstellte. Zweifel an dessen Schutzwürdigkeit ließ der Hechinger gar nicht aufkommen: Das Klassizismus-Wunderwerk des berühmten Planers und Lehrers Paul Schmitthenner (1884-1972) müsse so bleiben, wie es seit bald 60 Jahren komplett unverändert am Ende des Marktplatzes steht. Ein "Mischmasch" von Stadtverwaltung und Einkauf sei absolut unvertretbar, so sei das "wunderbare" Gebäude schließlich nicht angelegt. Das Hechinger Rathaus habe nichts, das aus heutiger Sicht negativ bewertet werden könne, postulierte Herbert Selig. Und das dürfe nicht durch wirtschaftlich bedingte Eingriffe zerstört werden. Nicht allein das Gebäude mit seiner Lichtkuppel, die an den Berliner Reichstag erinnere, sei schützenswert, ebenso dessen Umgebung: Der Verwaltungsbau, bekräftigte Herbert Selig, müsse solitär an der Schnittstelle zwischen Ober- und Unterstadt thronen bleiben, dürfe also keinesfalls wie überlegt mit dem östlichen Nachbargebäude verbunden werden.

Seligs Fazit: Hechingen hat mit Schmitthenners Werk ein Baudenkmal, das in ganz Süddeutschland einmalig ist. Das Denkmal als solches ist allerdings, das erklärte Heinz-Peter Schetter auf Kollegenfrage, nicht im Denkmalbuch eingetragen. Wäre es das, wie zum Beispiel das alte Spritzenhaus an der Neustraße, könnte man sich Überlegungen zu möglichen Veränderungen, geschweige denn Einkaufsmeilen, komplett schenken.

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