Freiheitsstrafen für Hauptangeklagte im Drogenprozess

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Das Urteil im Hechinger Drogenprozess ist gefallen.  Foto: 

Nach etlichen Verhandlungstagen fiel am Mittwoch vor dem Hechinger Landgericht das Urteil im Drogen- und Waffenprozess, der großer Nebenschauplatz im Mordfall Umut K. war. Der 26-jährige Italiener, der am Tatabend neben dem Opfer stand, bekam wegen Drogenhandel und Waffenbesitz eine Freiheitsstrafe von vier Jahren mit Therapie in einer Entziehungsanstalt. Für den zweiten Hauptangeklagten, den 23-jährigen Kroaten, gab es vier Jahre und sechs Monate. Auch er soll zur Therapie in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden.

Die jungen Frauen kamen mit Bewährungsstrafen davon. „Sie hatten beide unter dem Verfahren zu leiden“, sprach Richter Dr. Hannes Breucker die Verfahrensdauer an. Die Verhandlung des Tatvorwurfs gegenüber der 18- und der 23-Jährigen hätte maximal zwei Tage gedauert, wenn sie nicht in den großen Prozess miteingebunden gewesen wäre. „Sie hatten nur zwei Möglichkeiten: die Drogen entfernen oder den Hauptangeklagten mit den Drogen rauswerfen“. Das haben Sie aber nicht gemacht, sagte der Richter zu der 23-Jährigen, die dem Kroaten Unterschlupf gewährt hatte. Für die Beihilfe bekam sie ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung. Zudem muss sie 1200 Euro an die Evangelische Kirche Stuttgart zahlen.

Auf falsche Freunde eingelassen

„Sie haben trotz konstanter Drohungen Ihre Frau gestanden und nicht versucht, sich Ihrer Verantwortung zu entziehen“, sagte Breucker zu der 18-Jährigen, die die Sporttasche mit Drogen und Waffen nach dem Mord versteckt hatte. Der Richter sprach die wichtige Rolle als Zeugin an, die sie im Verlauf des Mordprozesses hatte. Auf der Suche nach Anerkennung habe die Angeklagte sich naiv und unerfahren auf die falschen Freunde eingelassen und sei so in die Sache hineingeraten. Im Rahmen des Jugendstrafrechts muss sie sich nun ein Jahr bewähren, ohne Straftaten, Drogen und Alkohol leben. „Sie müssen zeigen, dass Sie es verstanden haben“, warnte sie Breucker, dass ihr, wenn sie dies nicht schaffe, eine Inhaftierung drohe. Zusätzlich muss sie eine Geldstrafe über 450 Euro an die Einrichtung Mariaberg zahlen.

Den Besitz scharfer Waffen konnte das Gericht den beiden Hauptangeklagten nicht nachweisen, wohl aber den Besitz einer Makarow mit fehlendem Schlagbolzen. „Es wäre leicht gewesen, einen Schlagbolzen zu erwerben und die Waffe funktionstüchtig zu machen“, merkte Breucker zur Bemessung des Strafmaßes an. Dieser Umstand, die Vorstrafen und der Besitz von einem Kilogramm Marihuana sei ein „ganzes Schwergewicht“, sagte er zu dem 23-jährigen Hauptangeklagten, der vier Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe bekam. „Wir wollen Ihnen trotz dieser Strafe einen Neustart geben“, zeigte der Richter eine Perspektive mit der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt auf. Hoffnung des Gerichts sei es, dass der Kroate ohne Sucht nicht mehr straffällig werde. „Die Therapie ist ein steiniger Weg, aber bewahrt die Gesellschaft vor weiteren Straftaten und ermöglicht Ihnen ein drogenfreies Leben“, sagte Breucker. Kritischer sah das Gericht den Fall des 26-jährigen Italieners, Hauptzeuge im Mordprozess. Er hat bereits einen abgebrochenen Entzug hinter sich. Allerdings war das Gericht der Meinung, dass der Mord an seinem Freund Umut so prägend war, dass der Angeklagte „heute nicht mehr der gleiche ist“. „Wir glauben, dass Sie nicht schauspielern. Das Erlebnis wird Sie ein Leben lang begleiten. Mit Ihrer Schuld müssen Sie selbst klarkommen“, erklärte der Richter den Vertrauensvorschuss. „Beweisen Sie es für Umut, für die Gesellschaft und sich selbst, dass Sie es schaffen, sonst werden Sie lebenslang kriminell bleiben“, warnte ihn der Richter.

Der 23-jährige Kroate erklärte sofort nach dem Urteil seinen Rechtsmittelverzicht. „Ich freue mich über dieses Zeichen und hoffe, dass wir uns hier nie wieder sehen“, sagte Breucker dazu. Die restlichen Angeklagten haben nun eine Woche Zeit, um Revision einzulegen.

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