Europaweiter Protest gegen Einkaufsmeile

Der Protest gegen Pläne, das Hechinger Rathaus zur Einkaufsmeile zu machen, wird jetzt sogar europaweit. Eine Gruppe von Historikern, Architekten und Denkmalpflegern appelliert an die Bürgermeisterin.

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Das Hechinger Stadtoberhaupt Dorothea Bachmann übt sich weiterhin in Hartnäckigkeit und setzt auf eine effektive Belebung der Oberstadt. Dazu zählt die Neugestaltung des Obertorplatzes mit Tiefgarage, was bereits im August starten soll, wenn das Land seine Zuschüsse fließen lässt. Dazu zählt allerdings ebenfalls die Umgestaltung des Rathauses. Der historisch wertvolle Bau des berühmten Architekten Paul Schmitthenner aus dem Jahr 1958 soll teilweise zur Einkaufsmeile werden. Die Verwaltung bliebe trotzdem in den oberen Geschossen des Rathauses beheimatet, das einstige Apotheken- und Arztgebäude in direkter Nachbarschaft würde inbegriffen und einem Neubau weichen.

So richtig hat diesen Plan in Hechingen niemand glauben wollen. Das änderte sich, als Dorothea Bachmann ihr Projekt beim Neujahrs-Bürgertreff am 20. Januar bekräftigte und von Interessenten sprach. Plötzlich war das Thema wieder da.

Und damit auch der Protest. Denn historisch betrachtet, ist das Hechinger Verwaltungsgebäude ein Knaller, ein Kulturdenkmal von besonderer Qualität - so was hat nicht gleich jede Kommune. Nach Leserbriefen aus Hechingen und Umgebung und auch von weitersher (siehe Seite 19) erntet Bürgermeisterin Dorothea Bachmann nun die heftige Kritik einer derzeit 16-köpfigen Gruppe namhafter Architekturhistoriker, Architekten, Kunsthistoriker und Denkmalpfleger aus Deutschland, Frankreich, Irland, Österreich und den Niederlanden.

Ihre Forderung ist eindeutig: "Verlegen Sie das geplante Einkaufszentrum an eine andere Stelle, lassen Sie Paul Schmitthenners Rathaus intakt!" Die Befürchtung der Unterzeichner: Nicht nur der Baukörper und das wertvolle Innere des Gebäudes würden zerstört, sondern ebenso das an dieser Stelle "besonders fragile historische Raumgefüge der Oberstadt".

Bereits am 4. Januar, also noch vor dem erneuten Rathaus-Outing der Verwaltungschefin beim Neujahrs-Bürgertreff, hat sich der stellvertretende Direktor des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt an Dorothea Bachmann adressiert. Dr. Wolfgang Voigt gibt der Bürgermeisterin recht: Es genüge nicht, dass das schöne alte Stadtbild stimmt, es müsse Nutzungen geben, und da dürfe man erfinderisch sein. Nicht für grundsätzlich falsch hält Voigt auch die Umwandlung des Hechinger Rathauses nach Bruchsaler Vorbild in ein Einkaufszentrum.

Allerdings müsse dies auf sehr behutsame Weise gemacht werden: Es komme ganz auf das Wie an. Und das Schmitthenner-Rathaus, so unterstreicht der Vizedirektor des Architekturmuseums, sei eben kein Allerweltsbau, der eine innere Umgestaltung locker vertrage. Voigt an Bachmann: "Sie residieren in einem Kleinod, um das Hechinger zu beneiden ist. Ihr Amtszimmer liegt in einer Ikone der deutschen Nachkriegsarchitektur, die, soweit ich das aus der Entfernung mitbekommen habe, bisher angemessen gepflegt worden ist."

Der Frankfurter Baufachmann räumt ein, dass er mit sich reden ließe, wenn die Planung für die Einkaufsmeile nur auf die Untergeschosse abzielt. Die Garagen zur Kaufhausstraße hin könnten als Schaufenster genutzt werden. Wichtig jedoch sei, dass das Rathaus ein solitärer Bau bleibt, also nicht mit der Nachbarschaft verbunden wird.

Am allerbesten freilich, so bestätigt der stellvertretende Museumsdirektor, wäre es, das Rathaus komplett zu verschonen: "Genügt es nicht, wenn die Rathausmeile auf einem Nachbargelände gebaut wird?" Voigt warnt dringend davor, Hechingen mit Bruchsal zu vergleichen: Das hat doppelt so viele Einwohner, eine anders strukturierte Innenstadt, das Rathaus ist viel größer, mit anderer Bedeutung und der Platz davor ein völlig anderer.

Großer Traditionalist

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