Erst im Kloster – dann am Bodensee

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Im Hafen vor wehenden Fahnen endete die Stadtführung, die der Hechinger Stiftschor in Überlingen erlebte.  Foto: 

Sehr abwechslungsreich gestaltete sich der Jahresausflug des Hechinger Stifts­chores: Stand zum Auftakt beim Besuch im Kloster Habsthal eher Besinnliches im Vordergrund, so erlebten die Sängerinnen und Sänger anschließend einen Frühsommertag im lebendigen und geschichtsträchtigen Überlingen am Bodensee.

Kloster als Strafanstalt

Schwester Kornelia empfing die Chorsänger von St. Jakobus in der Klosterkirche. Sie begann mit einem geschichtlichen Abriss zum Kloster Habsthal. Von Dominikanerinnen bereits 1259 aufgrund einer Schenkung gegründet, entwickelte sich vor allem in der Barockzeit eine rege Bautätigkeit, was das Erscheinungsbild der Kirche noch heute prägt. Große Probleme ergaben sich im Zuge der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Kloster Habs­thal mit seinem ansehnlichen Besitz an den Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen fiel.

Die anschließende Nutzung als Lehrervorbereitungsschule, Blinden- und Taubstummenanstalt und sogar als Strafanstalt (!) vermochte den Zerfall des Gebäudes nicht aufzuhalten. Nur aufgrund der erneuten Nutzung als Kloster durch schweizerische Benediktinerinnen konnte der Abbruch am Ende des 19. Jahrhunderts verhindert werden. Als sich die schweizerischen Nonnen vor nunmehr 30 Jahren wieder zurückzogen, ging die Zahl der Schwestern stetig zurück – auf heute nur noch drei Benediktinerinnen, die – über Gebete, Gottesdienste und Mesnerdienste hinausreichend – noch Haus und Garten versorgen sowie Gäste aufnehmen, die sich eine Auszeit gönnen wollen.

Die Hechinger Besucher zeigten sich beeindruckt von der besonderen klösterlichen Atmosphäre, und die Zuhörer aus dem Hohenzollerischen konnten sehr gut nachvollziehen, wenn Schwester Kornelia am Ende ihrer Ausführungen feststellte: „Wir leben eigentlich das, was den Menschen heute oft fehlt: einen Rhythmus und eine Ordnung, verbunden mit Reizarmut.“

Anschließend begab sich der Chor zu einem kirchlichen
Morgengebet, der Laudes, auf die Empore. Unter der Leitung von Stiftskantor Mario Peters und Diakon Dr. Karl Heinz Schäfer wurde im Wechsel gesungen und gebetet. Gewiss passte das „schlicht“ vorgetragene „Vater unser“ von Nicolai Kedrov in besonderer Weise zu diesem Ort. Das abschließende „Sancta Maria“ von Johann Schweitzer widmeten die Sängerinnen und Sänger vor allem den Benediktinerinnen von Kloster Habsthal, denen die Marienverehrung ein besonderes Anliegen darstellt.

Wohlstand durch Wein

In Überlingen erwartete die Fremdenführerin die Gruppe aus Hechingen bereits im Hafen. Schon der erste Eindruck legte nahe, dass die ehemals Freie Reichsstadt – damit nicht einem Landesherren, sondern direkt dem Kaiser unterstellt – eine offensichtlich an Erfolgen reiche Vergangenheit hinter sich haben musste und vieles herüberretten konnte in die Gegenwart: Prächtige Bauten und schmucke Fachwerkhäuser präsentierten sich allesamt im besten Zustand. Ursächlich für diesen Wohlstand sei, so die Expertin, der Anbau und der Vertrieb von Wein gewesen – in einem Ausmaß, das das heutige um ein Vielfaches übertroffen habe.

Die Führung endete im Hafen, am nicht zu übersehenden Brunnen, den Peter Lenk gestaltet hat. Lenk arbeitet nicht gerade zimperlich, sondern durchaus drastisch in seiner Ausdrucksweise. Dichter werden ebensowenig erhaben dargestellt – Martin Walser soll das Betrachten seines Portraits anfangs verweigert haben – wie Bankdirektoren, die nach Auffassung des Künstlers nicht oder zu wenig für den Brunnen gespendet haben.

Nach Beendigung der Führung begaben sich die Besucher aus Hechingen in Gruppen in die Stadt. Auf der Heimfahrt wurde noch ein Halt eingelegt, um miteinander zu Abend zu essen. Hans Häring bedankte sich abschließend im Namen aller Teilnehmer bei Stiftskantor Mario Peters und bei Diakon Dr. Karl Heinz Schäfer für die würdige Gestaltung der Laudes im Kloster Habsthal sowie bei Ilse und Wilhelm Weith, die den Jahresausflug überaus umsichtig geplant und betreut hatten.

Liter für die Männer, 1,2 Liter für die Frauen: Das war die Tagesration an Wein, die den Überlingern einst zugestanden wurde – erfuhren die Hechinger während der Stadtführung.

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