Erbe investiert in beide Standorte

38,3 Millionen Euro investiert die Firma Erbe Elektromedizin in ihren Standort in Tübingen. Der innovative Neubau wurde gestern offiziell eingeweiht. Im Werk II in Rangendingen ist die nächste Investition geplant.

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  • Die Geschäftsführer Christian Erbe (links) und Reiner Thede vor dem innovativen Neubau der Erbe Elektromedizin GmbH in Tübingen. Es beherbergt unter anderem die "Erbe Akademie" und eine große moderene Firmenkantine. Fotos: Andrea Spatzal 1/2
    Die Geschäftsführer Christian Erbe (links) und Reiner Thede vor dem innovativen Neubau der Erbe Elektromedizin GmbH in Tübingen. Es beherbergt unter anderem die "Erbe Akademie" und eine große moderene Firmenkantine. Fotos: Andrea Spatzal
  • Bürgermeister Johann Widmaier wird von Erbe-Chef Reiner Thede begrüßt. 2/2
    Bürgermeister Johann Widmaier wird von Erbe-Chef Reiner Thede begrüßt.
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Mit der Fertigstellung des größten Bauprojektes in der 164-jährigen Firmengeschichte hat die Erbe Elektromedizin GmbH einen großen Schritt in Richtung Zukunft getan und den Standort Tübingen gestärkt. "Ein Statement", nannten die Geschäftsführer Christian Erbe und Reiner Thede den innovativen Neubau in der Waldhörnestraße, der gestern mit einem Festakt offiziell eingeweiht wurde. Es soll Schluss sein mit schwäbischem Understatement. "Wir müssen sichtbarer werden." Man will Flagge zeigen, als High-Tech-Unternehmen, als Global Player und als attraktiver Arbeitgeber für erfahrene Mitarbeiter und für junge Talente. Stichwort Fachkräftemangel.

Mit dem 6300 Quadratmeter großen, fünfstöckigen Neubau auf dem Firmenareal, der 2012 gestartet wurde, hat das Familienunternehmen eine moderne Infrastruktur für Verwaltung, die "Erbe Akademie" und eine moderne Betriebsgastronomie geschaffen. Rund 30 Millionen Euro wurden investiert. Weitere 8,3 Millionen Euro fließen in die energetische Sanierung der Bestandsgebäude.

Investiert (etwa 3,3 Millionen Euro) wird auch am Standort Rangendingen. Das Werk II im früheren Abbott-Werk ist seit 2012 Produktionsstandort für die beiden Produktgruppen "BiCision" (für die Thermofusion von Gefäßen und Gewebe) und "Hybridknife" (eine Multifunktionssonde für Hochfrequenz- und Wasserstrahlchirurgie). Jetzt soll bis Juni die Entwicklungsabteilung für sterile Einweginstrumente von Tübingen nach Rangendingen verlagert werden, was in der 5000-Einwohner-Gemeinde im Zollernalbkreis neue Arbeitsplätze schaffe. Die Umbauarbeiten sind bereits im Gange. Man arbeite an einem "ganzen Fächer von neuen Einmalprodukten", sagt Reiner Thede. Derzeit beschäftigt Erbe in Rangendingen rund 100 Mitarbeiter. Annähernd 900 Mitarbeiter hat das boomende Medizintechnikunternehmen weltweit, davon 600 in Deutschland und 45 Auszubildende in elf verschiedenen Ausbildungsgängen.

Rangendingens Bürgermeister Johann Widmaier war einer der vielen geladenen Gäste bei der gestrigen Eröffnungsfeier in Tübingen. Nach der Eröffnungsrede von Christian Erbe sprachen unter anderem die Parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz, und der Tübinger OB Boris Palmer dem Traditionsunternehmen ihre Anerkennung für die zukunftsweisende Investition und das Bekenntnis zu Tübingen und zur Region aus.

Die Erbe-Gruppe mit ihren 13 Tochterunternehmen weltweit fährt einen "ambitionierten Wachstumskurs", stellen die Geschäftsführer fest. Das Jahr 2014 werten sie als "herausfordernd, aber erfolgreich", den Reingewinn als "auskömmlich". Da ist es wieder, das schwäbische Understatement, denn Tatsache ist, dass 2014 mit 187 Millionen Euro (ein Plus von 4,4 Prozent) das umsatzstärkste Jahr in der Firmengeschichte war. Und: "2015 wollen wir weiter wachsen", kündigt Christian Erbe an. "An der 200-Millionen-Marke kratzen." Konkret ist ein Umsatzplus von sechs Prozent auf 196 Millionen Euro anvisiert.

Die größten Absatzmärkte für Erbe-Produkte sind die USA (26 Prozent), gefolgt von Deutschland (15 Prozent), China (elf Prozent) und Japan (sechs Prozent). Zukunftsmärkte sieht die Geschäftsführung in aufstrebenden und bevölkerungsreichen Ländern wie Indien und Indonesien, während in politisch instabilen Ländern wie Russland Umsatzeinbrüche zu verkraften seien.

Herausforderungen für die Zukunft gibt es reichlich, stellt Christian Erbe fest. An erster Stelle stehe die Innovation. "Die Entwicklungszyklen werden kürzer, wir müssen schneller werden." Zweitens werde das Zulassungswesen und die Qualitätssicherung verschärft. "Bei fünf Jahren bis zur Zulassung einer neuen Technologie braucht man einen langen Atem", verdeutlicht Reiner Thede, wie stark Med-Tech-Unternehmen "unter Aufsicht" stehen. Punkt drei sei die erstklassige Dienstleistung, die Kunden im Zusammenhang mit Erbe-Produkten erwarten dürften. "Wir müssen das medizinische Fachwissen unserer Mitarbeiter auf ein höheres Level bringen und gleichzeitig das medizinische Personal im Umgang mit unseren Produkten schulen", beschreibt Christian Erbe den Kurs. 2014 haben in der "Erbe Akademie" 180 Seminare stattgefunden, in denen über 3600 Personen aus einer Vielzahl medizinischer Berufsgruppen geschult wurden. Diese Angebote würden weiter ausgebaut. Die neuen Räume stünden auch für öffentliche Veranstaltungen, etwa der Universitätsstadt Tübingen, zur Verfügung.

Der Neubau mit seinem ansprechenden Raumangebot für die Belegschaft und modernen Technologien für das Training von Kunden und Mitarbeitern habe sich das Unternehmen auf diese Herausforderungen der Zukunft vorbereitet. Ausdrücklich lobten die Geschäftsführer gestern das Architekturbüro Schmitt-Dannien-Hofmann aus Tübingen für die Einhaltung des Kostenbudgets und Zeitrahmens. Architektin Maren Dannien machte besonders auf die Umsetzung des neuen Energiekonzeptes aufmerksam: Das mit Kraft-Wärme-Kopplung, Kälteabsorption und Photovoltaik ausgestattete Gebäude sei "ein Musterbeispiel für die Nutzung regenerativer Energiequellen". Auch den "New Look" von Erbe mit den Farben Silber und Blau und eleganten Baumaterialien wie Alu und Glas spiegele der Neubau wider.

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