Er würde die EU noch einmal erfinden

Michael Theurer, FDP-Landesvorsitzender und Kandidat für die Europawahl sprach mit der HZ über seine Visionen von der EU - und von der Notwendigkeit, dass die FDP darin eine maßgebliche Rolle spielt.

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Am Ball: Siegfried Rall, FDP-Kreisvorsitzender, Dr. Bernd Leweke, Europakandidat für Reutlingen und die Zollernalb, FDP-Landesvorsitzender Michael Theurer und FDP-Ortsvorsitzender Matthias Linckersdorff besuchten gestern die HZ. Foto: Badura

Das Bekenntnis zur EU, sagt der vormalige Horber Oberbürgermeister, der seit einer Legislaturperiode die Brüsseler Politik mitgestaltet, sei derzeit "nicht populär". Unbehagen habe sich in der Bevölkerung breit gemacht. Theurer kann die Vorbehalte einerseits wohl verstehen, es gebe Grund zur Kritik: Bürokratismus und Überregulierung seien zwei Erscheinungen, denen man tatsächlich entgegen wirken müsse. Andererseits seien viele Ängste unbegründet. "Man macht die EU oft für Dinge verantwortlich, für die sie gar nichts kann."

Er hingegen sieht in der EU weiterhin eine Notwendigkeit - nur große Einheiten seien wirtschaftlich und politisch überlebensfähig. Und er sieht in ihr noch immer eine große Chance. Der deutsche Wohlstand der letzten Jahre sei allein durch den Euro und die Exportfreiheit geschaffen worden. "2013 hat Baden-Württemberg einen Wert von 173 Milliarden Euro an Gütern, Waren und Dienstleistungen ausgeführt. Wenn es die EU nicht gäbe, müssten wir sie nochmal erfinden." Es komme eben darauf an, die EU davor zu bewahren, dass sie sich "in die kleinen und kleinsten Lebensbereiche einmischt." Dies, so der 47-Jährige habe sich die FDP zur Aufgabe gemacht. Wobei sie gleichzeitig ihren klassischen Werten treu bleibe. Man stehe für Freiheit, Fairness und einen starken Mittelstand.

Sich selbst hält Theurer zugute, dass er als ehemaliger Oberbürgermeister und Kreistagsmitglied die direkte Verbindung zur Basis hält. Er fühlt sich als Moderator, Bindeglied, Vermittler. Das war mit ein Grund, warum er sich auch wieder für den Kreistag in Freudenstadt und als Stadtrat bewirbt. Grundsätzlich fordere er von seinen FDP-Mitgliedern, Präsenz zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen. Von daher sei es nur folgerichtig, wenn auch er im kommunalpolitischen Bereich antrete - und Mitstreiter wie den FDP-Wahlkreiskandidaten im Zollernalbkreis, Dr. Bernd Leweke, unterstütze..

So wie Theurers europäisches Fernziel eine dezentrale und föderale Bundesstaatlichkeit mit einer gemeinsamen Außenpolitik ist, so weiß er, was ihm in Bezug auf die FDP vorschwebt. Nämlich langfristig die Rückkehr in den Bundestag. Der FDP-Einzug ins Europaparlament mit angestrebten fünf Prozent sei der "Klassenerhalt", von dort an müsse der Weg über die Landtagswahl schließlich 2017 in den Bundestag führen.

Michael Theurer - politische Stationen in Kürze

Michael Theurer, Jahrgang 1967, ist Diplomvolkswirt, war von 1995 bis 2009 Oberbürgermeister von Horb. Von 2001 bis 2009 gehörte er dem Landtag von Baden-Württemberg an, seit 2009 ist er Mitglied im Europäischen Parlament.

Parteipolitisch trat Theurer 1983 in die FDP/DVP ein. Er war unter anderem von 2001 bis 2006 Rechts-, Medien-, Europapolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion sowie stellvertretender Vorsitzender des Europaausschusses des Landtages. Von 2006 bis 2009 hatte er das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden der FDP/DVP im Landtag inne. Seit 2013 ist er FDP-Landesvorsitzender.

Kommunalpolitisch war der gebürtige Tübinger von 1989 bis 1994 als Stadtrat in Horb tätig und agierte als Vorsitzender der dortigen Fraktion der Freien Demokraten/Freien Wähler. 1999 gehört er erstmals dem Kreistag Freudenstadt an, für den der 47-Jährige auch bei der jetzigen Kommunalwahl wieder kandidiert.

Im EU-Parlament gehörte Theurer unter anderem dem Ausschuss für Haushaltskontrolle als Vorsitzender an und ist Mitglied der Europäischen Gruppe für Rohstoffe.

Privat fügt Theurer hinzu, er sei "bekennender Spätzlefan". Weitere Infos im Internet: www.michaeltheurer.eu

SWP

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