Einfach einen Stöpsel sägen

Was sitzen wir hier noch untätig herum, fragte man sich beim Energievortrag der CDU-Stadtverbände Hechingen und Burladingen. Ein Vortrag hatte für regelrechte Aufbruchsstimmung gesorgt.

|
CDU-Landtagsabgeordneter Karl-Wilhelm Röhm (links) und Hermann Schwendemann lauschen dem Votrag von Professor Eduard Heindl. Foto: Matthias Badura

Würde man Eduard Heindl in einem Bus-Wartehäuschen begegnen und mit ihm ein Gespräch über Energie und Speicheranlagen beginnen - gut möglich, dass man ihn für einen Phantasten hielte, für einen Spinner. Gar zu simpel wirkt sein Konzept der Lageenergiespeicher, zu grandios ist der Nutzen, den er in schwindelerregenden Zahlen vorrechnet.

Nun ist Eduard Heindl alles andere als ein Narr. Er ist Professor für Physik an der Hochschule Furtwangen, Träger mehrere Wissenschaftspreise, ein anerkannter und gesuchter Experte in Energiefragen.

Am Donnerstag sprach er auf Einladung der CDU-Stadtverbände von Hechingen und Burladingen im Konstantinsaal des Museums. Wer geglaubt hatte, es gehe hier erneut um Pumpspeicherbecken, um Standorten, um Regionalverbände oder die Frage, was die Kommunen des Mittelbereiches leisten müssen, um ihren Teil an der Energiewende abzugelten - der sah sich getäuscht. Thema waren neuen Techniken der Energiespeicherung: Wie lässt sich Strom bevorraten?

Das hörte sich zunächst nicht richtig spannend an. Fehleinschätzung! Diplom-Ingenieur Eduard Freiheit von der Solar Fuel Stuttgart, zweiter Gast des Abends, stellte zunächst ein Verfahren vor, mit dem sich Strom in Gas verwandeln lässt. Im Grunde höchst einfach, Grundlagenphysik. Die Überlegung, Strom auf diese Weise in großen Mengen einzulagern und mit dem darüber hinaus gewonnenen Methan Autos und Flugzeuge zu betanken, kreist schon seit einigen Jahren in den Köpfen. Das mag einer von zwei Gründen gewesen sein, warum man über dieses Konzept weniger angeregt diskutierte. Der zweite, ausschlaggebendere war das nachfolgende Referat des Professors.

Eduard Heindl geht zunächst davon aus, die Gewinnung von Solar- und Windstrom werde in den nächsten zehn Jahren (weltweit) rasant zunehmen. So rasant, dass sich Kernkraftwerke tatsächlich erübrigen. Jedenfalls wenn man von der bis dahin täglich produzierten Energiemenge ausgeht. Wie aber die Elektrizität speichern, von der ein Großteil erzeugt wird, wenn man sie gerade nicht braucht? Ganz einfach: Man nehme einen felsigen Untergrund, man säge einen überdimensionalen Stöpsel heraus (mehrere hundert Meter Durchmesser sind laut Heindl technisch kein Problem); man schaffe eine Zuleitung und pumpe mit überschüssigem Strom Wasser unter den Zylinder. Dieser hebt sich daraufhin ein paar Meter. Benötigt man die Energie, wird einfach "umgeschalten". Das vom Felsmassiv zurück gedrängte Wasser läuft über einen Generator und erzeugt Strom. Ähnlich einem Pumpspeicherkraftwerk, aber, wie der Physiker darlegte, tausendfach effizienter, kostengünstiger und dabei auch noch landschaftsschonend.

Dieser Tage hat Heindl das Patent für die Lageenergiespeicher erhalten, er steht in Kontakt mit Universitäten und Großkonzernen, die von seinem Konzept überzeugt sind. Es gebe auch bereits Anfragen aus dem Ausland. Das Bundesforschungsministerium reagiere indessen zögerlich. Anträge, das Konzept nochmals auf theoretischer Grundlage zu prüfen, wurden abgelehnt. "Sie sagen, das ist zu neu", grinste Heindl, "die stecken ihr Geld lieber in den 1000. Versuch mit irgend einer Wasserstoffzelle".

Das Publikum im Konstantinsaal war indessen beeindruckt. Auch wenn ein Zweifel blieb: Wäre das nicht zu schön, um wahr zu sein?

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Michael Knaus ist neuer Leitender Pfarrer in Hechingen

Der 42-jährige gebürtige Ebinger übernimmt im Februar 2018 sein neues Amt in der Seelsorgeeinheit St. Luzius und die Verantwortung für 8800 Katholiken. weiter lesen