Einer fühlt sich geprellt

Der Scherbenhaufen, den der entlassene Geschäftsführer Jens Kirschner hinterlassen hat, ist bei der Kreisbau noch nicht zusammengefegt. Ein früherer Geschäftspartner will jetzt auf Schadenersatz klagen.

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Der Zankapfel: das Mehrfamilienhaus Stettener Straße 7 in Burladingen. Die Kreisbau hatte es einem Reutlinger Immobilienkaufmann 2005 für 220 000 Euro verkauft - und es dann 2014 für 157 000 Euro zurückersteigert. Um die Differenz fühlt sich der Beschwerdeführer geprellt, auch wegen eines "dubiosen" Gutachtens.  Foto: 

Eine gute Nachricht glaubten der neue Kreisbau-Geschäftsführer Karl-Heinz Bogenschütz und Aufsichtsratsvorsitzender Joachim Krüger den Kreisbau-Mitgliedern vor gut zwei Wochen übermitteln zu können: Immerhin sei durch das Gebaren des fristlos gekündigten bisherigen Kreisbau-Geschäftsführers Jens Kirschner wohl kein materieller Schaden entstanden - weder der Kreisbau selbst noch Kunden, Mietern oder Geschäftspartnern.

Diese Darstellung wird jetzt von zumindest einem früheren Geschäftspartner der Hechinger Kreisbaugenossenschaft angefochten: Ein Reutlinger Immobilienkaufmann fühlt sich von Jens Kirschner um einen hohen fünfstelligen Euro-Betrag geprellt - und fordert von der jetzigen Kreisbau-Führung entsprechenden Schadenersatz. Pikanterweise handelt es sich dabei um den Mann, der dem Kreisbau-Aufsichtsrat in den vergangenen Monaten geholfen hat, Kirschners Heimlichtuereien aufzudecken, und der maßgeblich dazu beitrug, den Bayreuther zu Fall zu bringen. Jetzt fühlt sich der Reutlinger von der Kreisbau im Stich gelassen: "Ich habe das Gefühl: Die haben mich nur gebraucht, um Kirschner loszuwerden, und jetzt bleibe ich auf dem Schaden sitzen", sagte er im Gespräch mit der HZ.

Worum ging's? Kurzfassung: Der Reutlinger, der sich selbst als "ehemaliger Freund Jens Kirschners" bezeichnet, kaufte 2005 das Mehrfamilienhaus Stettener Straße 7 in Burladingen. Er tat dies, wie er sagt, auf Anraten des damaligen Kreisbau-Geschäftsführers Kirschner, der den 50er-Jahre-Bau loswerden wollte, weil er angeblich nicht ins Portfolio der Kreisbau passe. Den Kaufpreis von 220000 Euro habe ihm Kirschner als "Schnäppchen" angepriesen. Schließlich gebe es ein Wertgutachten über 287000 Euro. Dieses Gutachten sollte vom Vorstand einer anderen Baugenossenschaft stammen. Der Reutlinger, gutgläubig, ließ es sich nicht zeigen - und als er es später zu Gesicht bekam, war es nicht unterschrieben - "eine dubiose Geschichte". Mehr als 30 000 Euro habe er in der Folgezeit in die Immobilie investiert, um drei Wohnungen zu sanieren.

Als er 2013 in eine finanzielle Schieflage geriet und das Kreditinstitut, das ihm den Kauf finanziert hatte, die Zwangsversteigerung des Hauses betrieb, kam für den Reutlinger das böse Erwachen: Ein neues Wertgutachten bewertete das Gebäude nur mit 163 000 Euro. Im Juli 2014 kam das Mehrfamilienhaus unter den Hammer. Und wer sicherte sich das Haus? Die Kreisbau - immer noch unter der Führung von Jens Kirschner - für gerade mal 157000 Euro.

Der Reutlinger verstand die Welt nicht mehr: Er musste das Haus für 63 000 Euro weniger hergeben als er einst bekommen hatte - und ausgerechnet an Kirschners Kreisbau, die es neun Jahre davor unbedingt loswerden wollte - "und das, obwohl ich viel Geld in die Sanierung investiert habe und die Immobilienpreise in Burladingen im letzten Jahrzehnt nicht gefallen sind".

Für den Immobilienkaufmann stand fest: "Ich bin abgezockt worden." Zwar ließ er sich von seinen Anwälten bestätigen, dass am Rückkauf des Hauses durch die Kreisbau rein rechtlich nichts auszusetzen sei. Was die Umstände des Kaufgeschäfts vor zehn Jahren angeht, fühlt er sich im Rückblick jedoch über den Tisch gezogen. Der ganze Vorgang, so klagt der Reutlinger, zeuge von einem "dubiosen Geschäftsgebaren" der Hechinger Kreisbau.

Deshalb beklagte er sich im vergangenen August mit Vehemenz bei Kirschner - und wurde zunächst beharrlich ignoriert. Den Rest der Geschichte hat die Kreisbau kürzlich selbst publik gemacht: Erst als der Reutlinger sich in seiner Not an die Hechinger Bürgermeisterin Dorothea Bachmann wandte, erfuhr der Aufsichtsrat um Joachim Krüger auf Umwegen von der massiven Beschwerde. "Dadurch war unser Vertrauen in Herrn Kirschner endgültig zerstört", sagte Krüger Anfang Februar. Zur Sache selbst hatte Krüger nur gesagt, der Beschwerdeführer habe "halt ein schlechtes Geschäft gemacht".

Genau das sieht der Reutlinger anders: "Ich habe nicht einfach nur ein schlechtes Geschäft gemacht. Ich bin betrogen worden." Und wenn die Kreisbau ihn nicht entschädige, werde er den Schadenersatz einklagen. "Ich dulde nicht, dass die neue Führung jetzt so weitermacht, wie die alte aufgehört hat."

Bogenschütz: Wir streben eine gütliche Einigung an

Was sagt die Kreisbau? "Wir streben eine gütliche Einigung an", sagte Karl-Heinz Bogenschütz, Kirschner-Nachfolger als Kreisbau-Geschäftsführer, gestern auf Nachfrage der HZ zu dem Fall. Nächste Woche sei ein Gesprächstermin mit dem Beschwerdeführer vereinbart: "Wir wollen uns nochmal an einen Tisch setzen und zu einer Lösung kommen."

Keine Bewertung

Eine Bewertung des Falles wollte Bogenschütz zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeben. Der Kreisbau sei freilich bekannt, dass sich der Reutlinger benachteiligt fühle. Allerdings müsse er erst konkrete Forderungen stellen. "Fünfstellig", so

Bogenschütz, "ist eine mächtige Summe."

HY

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