Ein schöner Weg des Gedenkens

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Einen Serenadenabend bot der Posaunenchor am evangelischen Gemeindehaus.  Foto: 

Fünfhundert Jahre, seit Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg genagelt hat. Und welch gewaltige Folgen: eine Kirchenspaltung, die bis heute anhält, Religionskriege über Jahrhunderte, deren Schrecken noch immer nicht verblasst sind. Der Streit ums Abendmahl, der noch heute viele Familien zerreißt. Wie soll man jenes fernen und doch bis in unsere Tage wirkenden Datums von Wittenberg gedenken?

Einen schönen und verträglichen Weg fand der Hechinger Posaunenchor mit seinen Jung- und Altbläsern, Jungen und Mädchen, Männer und Frauen von zehn bis 80 Jahren, eine leidenschaftliche Musikergemeinschaft unter der Leitung von Hartmut Ostermann, moderiert von der jungen Theologiestudentin Xenia Ramich.

Das Ensemble spielte geistliche Lieder der Reformationszeit, und alle waren zum Mitsingen eingeladen, die sich am Samstagabend in der lauen Sommerluft auf den Terrassen im Garten des evangelischen Gemeindehauses niedergelassen hatten.

Eröffnet mit einer Spielmusik von Giovanni Gastoldi begaben sich die Besucher auf eine musikalische Reise durch das 16. Jahrhundert, die von den Lutherliedern „Nun freut euch liebe Christen g‘mein“ über „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort“, „Es wolle Gott und gnädig sein“ hin zu Elisabeth Cruciger führten, eine der ersten Frauen, die eigenständige Lieder schrieben. Insbesondere der Schönheit und dem Klangreichtum ihres Liedes „Herr Christ, der einig Gottes Sohn“, gespielt in der Fassung von Johann Sebastian Bach, konnte sich niemand entziehen.

Doch war dies noch nicht das Ende: Es folgten liturgische Lieder: „Allein Gott in der Höh sei Ehr“, „Im Frieden dein, o Herre mein“, bis dann das Schlusslied kam: „Die Nacht ist kommen“, ein Werk von Petrus Herbert, dem böhmischen Pfarrer, der 1566 das große deutschsprachige Brüdergesangbuch herausgegeben hat.

Was man an diesem Abend verstand und erspürte, war der tiefe Glaube an das Evangelium, ausgedrückt und bekannt von Menschen, die sich in einer Gemeinde vereint sahen. Sie lobten Gott und dankten. Mehr hat die Reformation nicht gewollt. Man ging nachdenklich auseinander an diesem Abend, aber auch ein wenig glücklicher – und in Frieden.

Der Reigen der Veranstaltungen zum Luther-Jahr in Hechingen ist noch nicht geschlossen. Ein Höhepunkt wird naheliegenderweise der Reformationstag, 31. Oktober, der von 14 bis 18 Uhr auf der Burg Hohenzollern gefeiert wird – mit Theater, Kreativem, Lesungen, Buchdruck, Musik und einem katholisch-orthodox-evangelischen Gottesdienst, mitgestaltet vom Gospelchor Bisingen.

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