Ein Hechinger macht in Stuttgart U-Bahn-Kunst

Fahren Sie diesen Sommer oder Herbst mal nach Stuttgart? Wenn Sie in der Klett-Passage zur Decke blicken, sehen Sie das poppig-pastellfarbene Kunstwerk eines Hechingers.

|
Der in Hechingen aufgewachsene Michael Stopper vor seiner wolkigen Installation in der Stuttgarter Klett-Passage.  Foto: 

Seit 2007 gibt es in der Stuttgarter Klett-Passage regelmäßig U-Bahn-Kunst. Seit Ende 2013 werden unter dem Titel "Transition" immer im halbjährlichen Wechsel ausgewählte Kunstwerke von Absolventen der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart präsentiert.

Hier, in der oft nur flüchtig wahrgenommenen Ladenpassage zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt hängen Werke, in denen sich die Künstler mit dem öffentlichen Raum Klett-Passage auseinandersetzen und zugleich bei Passanten die bewusste Wahrnehmung dieses Durchgangsbereiches wecken. Zu sehen sind die Werke immer am Mittelabgang und an den beiden Seitenabgängen zu den Stadtbahnen auf der Königstraßen-Seite der Klett-Passage.

Bei der aktuellen Ausstellung, die noch bis in den Dezember hinein zu sehen ist, ist auch ein Künstler mit von der Partie, der in Hechingen aufgewachsen ist und sein Abitur gemacht hat: der 30-jährige Michael Stopper.

Stoppers Arbeiten, so heißt es im Pressetext der Ausstellungsmacher, entstehen oft in Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Ort, ohne dass ein vordergründiger Bezug zu ihm hergestellt würde.

Für die Klett-Passage hat Michael Stopper fünf voluminöse Scheibenelemente so zueinander positioniert, dass sie den Kubus weitgehend ausfüllen und sich zu einem spannungsreichen, von allen vier Seiten anschaulichen Objekt fügen. Ihre von Kreissegmenten bestimmten Umrissformen sind einander sichtlich verwandt.

Und wer sich für historische Architektur interessiert, mag in ihnen möglicherweise den Dreipass wiedererkennen, ein Motiv, das im Maßwerk der Gotik seinen Ursprung hat. "Kristallisationspunkt meiner künstlerischen Arbeiten sind Formen, die ich sample", erläutert der Künstler seine Vorgehensweise und meint damit, dass er sich - ähnlich wie beim Verfahren des Sampelns in der Pop-Musik - ganz bewusst "fremdes Material" einverleibt. Als Kunstkonsument ist er stets auf der Suche nach Formen und Farbgebungen, die ihn in ihrer jeweiligen eigenständigen Qualität überzeugen. Sie werden von ihm aus dem früheren Kontext isoliert und anschließend in eine neue Arbeit überführt. Skulpturen dienen dem Künstler dabei ebenso als "Fundgrube" wie etwa Gemälde oder Architekturen.

Der Dreipass, den Stopper am Beispiel der Kathedrale von Reims genauer untersuchte, überzeugte ihn aufgrund der Einfachheit der Form und ihres starken Ausdrucks - ist es doch sein Ziel, dem Betrachter zum Erleben einer möglichst "reinen", von den historischen Bezügen befreiten Form zu verhelfen.

Die kompositorische Umsetzung in der Klett-Passage folgt dabei einem weiteren aus der Musik bekannten Prinzip: der Variation eines Themas, was sich sowohl in Größe und Neigung der einzelnen Elemente als auch in den unterschiedlichen, aufeinander bezogenen Farben widerspiegelt. In der Reduktion der Formen und der insgesamt poppig-pastellige Farbigkeit lassen sich zudem Bezüge zur Minimal-Art der 1960er-Jahre herstellen, allerdings auf einer bewusst spielerischen Ebene - möglicherweise eine Reminiszenz an die Entstehungszeit der umgebenden Architektur.

Dank der farblichen Leichtigkeit und der großzügig geschwungenen Formen bildet das Objekt in jedem Fall einen stabilen Ruhepol, der den vielen kleinteiligen Reizen des Verkehrsbauwerks standhält und die Passanten zu einer die Sinne erfrischenden, wohltuenden Betrachtung einlädt.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gemeinderat appelliert an Bachmann

Der Gemeinderat Hechingen hat langsam genug: Er schreibt ein weiteres Mal an Dorothea Bachmann, dass sich die Bürgermeisterin endlich erklärt. weiter lesen