Die Seele hinkt hinterher

Seit den 80er-Jahren "kontinuierlich zunehmend" beschreibt Pegasus-Begründer Dr. Michael Wagner die Zahl der psychischen Erkrankungen. An Nummer eins der diskutierten Gründe: die Informationsflut.

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Seit 20 Jahren bietet Pegasus in Hechingen seinen Kunden eine Rundumversorgung im Bereich der Arbeitsmedizin und des Gesundheitsmanagements. Seit eineinhalb Jahren beschäftigt Firmengründer Dr. Michael Wagner auch einen ärztlichen Psychotherapeuten - und geht davon aus, dass dieser nicht der letzte seiner Fachrichtung im Unternehmen bleiben wird. Denn: "Pegasus wird mit dessen Wissen ein Kompetenzzentrum mit dem Schwerpunkt ,Burnout in Betrieben installieren."

Das nicht von ungefähr: Von der Begrifflichkeit her sei der Burnout (der den Zustand des Ausgebranntseins beschreibt) die häufigste der psychischen Erkrankungen. Diese wiederum seien seit den 80er-Jahren "kontinuierlich zunehmend" in unserer weltweiten Industriegesellschaft.

Die Gründe hierfür sieht Michael Wagner allem voran in der unaufhörlich steigenden Informationsflut. Anders als früher werde der Mensch heute pausenlos "zugepflastert" mit Informationen; würde dem Gehirn kaum noch eine Ruhezeit gegönnt. Und das nicht nur im verdichteten beruflichen Alltag, sondern auch im privaten Bereich. Im weitesten Sinne, ergänzt der Arzt, sei die (nicht genetisch bedingte) psychische Erkrankung eine Umweltkrankheit. Eines ihrer Symptome: die Vereinsamung. Und was ist mit den so genannten sozialen Netzwerken? "An denen ist doch rein gar nichts Soziales dran", macht Wagner deutlich - oder können sie den Menschen etwa sozial abstützen? Nein. Dafür brauche es die Familie, die Freunde, die Arbeit.

Der Pegasus-Chef wird noch deutlicher: Des Menschen Gehirn und Seele "haben den Übergang vom Muskel- ins Nervenzeitalter noch nicht vollzogen". Zur Verdeutlichung: Der Körper wisse sich wirksam gegen Schmerzen zu schützen; das Gehirn habe dafür noch keine natürlichen Barrieren entwickelt. Zum eigenen Schutz sei es aber wichtig, die modernen Medien intelligent und selektiv zu nutzen, sich Schubladen zu schaffen, auf die es wirklich ankommt.

Wem das nicht gelingt, drohe "auszubrennen". Wobei der Burnout gegenüber der klassischen Depression den "sozialen Vorteil" habe, nicht stigmatisiert zu sein. Das erleichtere es, sich zu outen und die Verantwortung für die Erkrankung ein Stück weit abzugeben - an die Gesellschaft, den Arbeitgeber, den Vorgesetzten. . . Apropos: Letzterer müsse nicht unbedingt der Beste seines Fachs sein, sondern "ein guter Menschenführer". Das heißt? "Der Choleriker ist die klassische Fehlbesetzung. Die Führungskraft muss empathisch sein."

Ist der Burnout heilbar? Ja, sagt Wagner. Den Patienten aus seinem Alltag herauszunehmen sei der erste Schritt in Richtung Genesung.

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