Die Liebe macht, was sie will

Hätte Shakespeare über das gallische Asterix-Dorf geschrieben und die Handlung ins Schwäbische verlegt, dann wäre sowas wie die Komödie "Romm und nomm" herausgekommen. Viel Beifall gab's bei der Premiere.

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Quicklebendig und aufmüpfig - so ist es und so bleibt es wohl auch, das Hayinger Naturtheater: hier bei der Premiere von "Romm ond nomm".  Foto: 

Ein kleines Dorf auf der Schwäbischen Alb. Alles könnte so friedlich sein, wenn nicht die Frau des Fürsten und ihr Handlanger Sebastian Jemand den Fortschritt stramm vorantreiben würden. Demnächst, so will es die Geschichte von Sabine Scholz und Jürg Schlachter, soll der König vorbeikommen, auf dessen infrastrukturelle Maßnahmen man hofft, unter anderem ist eine Handelsstraße auf Landeskosten im Gespräch.

Frau Fürstin lässt deshalb ihr marodes Schloss renovieren, samt der Einrichtung eines hochmodernen Wasserklosetts. Aber die Handwerker trödeln: Sie machen am liebsten Pause in der örtlichen Bierschenke. Und so ist auch die Hayinger Naturbühne voller Rohre, es wird geklopft, gehämmert, gesoffen und die guten Zeiten besungen, wo niemand mehr hungern muss und man sich ein wenig Widerstand gegen die Obrigkeit leisten kann. Damit's weiter vorangeht, will die Fürstin ihre eigensinnige Tochter Emilie (Sandra Stoll) mit dem schön reichen Grafen-Sohn Ferdinand (Daniel Knorr) verheiraten, was nebenbei den stark belasteten Fürstenhaushalt sanieren würde. Ferdinand kommt grad von einer Bildungsreise zurück, zitiert Schillersprüche und verliebt sich Knall auf Fall in das knorke Schreinermädchen Lenchen (Helen Gramlich).

In der Kneipe herrscht derweil jede Menge Trank, Zank und Tumult. Der prollige Schreinersohn Josef (Manuel Kalmus) steht meistens zeternd auf dem Fass, schüttet Bier nach und weigert sich standfest, die Zofe Magda (Ramona Rink) zu heiraten. Überhaupt weigert sich die Jugend, den jeweils aus standes- und ökonomischen Gründen Auserwählten zu heiraten. Auch das schöne Lenchen will auf keinen Fall den grabschigen Jemand ehelichen. Und so verfügt Regisseur Jürg Schlachter dieses Mal (es ist seine letzte Saison in Hayingen) über jede Menge Stoff für allerlei Liebeswirren, Verwicklungen, Gesellschaftssatire und Widerstandsaktionen, die er mit effektvollen Massen- und Volksszenen ins Bild setzt. Das Volk stürmt gerne mal in die Kneipe, um miteinander zu "diskutieren", durchaus auch handgreiflich. Die Kinder springen immer mit viel Gejuchze durchs Dorf und suchen den Räuberschatz, von dem eine Legende weiß. Und die jungen Frauen stampfen meist trotzig auf, weil sie nicht den heiraten wollen, den die dörfliche Ordnung und Planung der Eltern vorhergesehen haben.

Hier ist jeder im Widerstand gegen alles. Und so sind die Rollen wieder superstimmig auf das boden- und widerständige Ensemble zugeschnitten, das die charakterstarken Typen wieder mit viel charmanter Bockigkeit, betörendem Liebreiz und sehr lustiger Ironie zum Besten geben. Mit sehr viel Wortwitz und Slapstick - so bricht der Fürst ständig unter lauter Geschrei durchs zukünftige Klosettrohr.

Eine schöne Rolle hat auch Gitta Schwörer als Erzählerin und Bänkelsängerin (Musik: Johannes Tress), die den Fortgang der Handlung ganz nach Belieben beschleunigt und ausbremst. Immer wieder friert sie das muntere Treiben ein, um die Standbilder zu besingen.

Und so wäre aus dem Dorf vielleicht noch ein geordnetes Dorf mit lauter Vernunftehen und toller Infrastruktur geworden, und die Intrigen von Jemand hätten Erfolg gehabt - hätte die Jugend nicht ihren Dickkopf durchgesetzt. Die Liebe macht eh' was sie will. Der König rauscht auch noch mit der Kutsche glatt am Dorf vorbei. Das Dorf bleibt, wie es ist: ein abgeschiedenes, schwäbisches Widerstandsnest.

Spieltermine - Tickets

Was? Wo? "Romm ond nomm" im Naturtheater Hayingen (Tiefental).

Wann? Bis 6. September wird immer samstags um 20 Uhr und sonntags um 14.30 Uhr gespielt.

Karten gibt es beim Kassen-Telefon Telefon: 0 73 86/97 53 75 - es ist aber nur an Aufführungstagen zwei Stunden vor Spielbeginn erreichbar. Zudem können Tickets online bestellt werden - auf www.naturtheater-hayingen.de.

SWP

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