Der Turm hat Bodenkontakt

Fachmänner mehrerer Firmen angelten gestern den Turm vom Hechinger Eugenienstift, das demnächst abgerissen wird. Teils eine kitzelige Angelegenheit, aber die Experten vom Bau haben's hingekriegt.

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  • Der Turm des Eugenienstifts auf großer Luftreise. 2,7 Tonnen hängen am Kran der Firma Futschik. Fotos: Matthias Badura 1/4
    Der Turm des Eugenienstifts auf großer Luftreise. 2,7 Tonnen hängen am Kran der Firma Futschik. Fotos: Matthias Badura Foto: 
  • Sicher am Boden angelangt. 2/4
    Sicher am Boden angelangt. Foto: 
  • Blick ins Dachgebälk. 3/4
    Blick ins Dachgebälk. Foto: 
  • Beim Abnehmen der Gurte. 4/4
    Beim Abnehmen der Gurte. Foto: 
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Das Eugenienstift in der Gammertinger Straße, zuletzt städtisches Altersheim, dann leer stehend, wird Ende des Monats abgerissen, dem Erdboden gleichgemacht.

Schade wäre das im Falle des Turmes auf dem Dach - sagte sich der beauftragte Abbruchunternehmer Albert Hipp. Und startete eine Rettungsaktion. Als Partner für das Unternehmen begeisterte er Michael Tietz, Chef der gleichnamigen Hechinger Zimmerei. Wie Hipp brachte auch Tietz Zeit und Arbeitskraft unentgeltlich ein. Zusammen engagierten sie dann das Zimmernner Kranwagenunternehmen Futschik.

Gestern früh bereiteten die Zimmerleute den Turm für die Luftreise vor, nachmittags rückten Jochen und Thomas Futschik mit ihrem Kran an. Es dauerte, bis die Balken, die unter der Turmzwiebel heraus schauten, angegurtet waren. Die Männer ließen sich bewusst Zeit. "So was macht man nicht Hauruck", so Michael Tietz. Dann der große Moment. . . in dem sich erst mal gar nichts bewegte. Obwohl man deutlich gehört hatte, dass die Zimmerleute die Balken im Turm abgesägt hatten und die Verankerung gelöst war, rührte sich das Bauwerk kaum, zitterte nur ein bisschen. Also wieder hinauf, sehen wo's klemmt. "Das kann eine Kleinigkeit sein", wusste Michael Tietz. Aber allzu sehr dürfte man nicht zerren, der Turm könnte sonst einen regelrechten Satz machen und es könnte ein Unglück geschehen. Man hörte es im Inneren Klopfen, jetzt schwankte der Turm vielversprechend, löste sich. Halt! Der Blitzableiter hängt noch. Abklemmen. Jetzt fuhr das Gebilde in die Höhe, die Balken, auf denen es stand, wurden sichtbar, schließlich löste es sich und schwebte sanft zur Erde.

2,7 Tonnen schwer, insgesamt zwölf Meter hoch - wahrlich alles andere als ein "Türmchen", für das man das Bauwerk von unten angesehen hatte - so senkte es sich auf die Ladefläche eines wartendenTiefladers. Auch hier gab es noch technische Schwierigkeiten, aber auch das haben die Bauleute zuletzt hinbekommen. Nun wacht der Turm, der um die 160 Jahre alt sein dürfte, auf dem Firmengelände von Albert Hipp. Wo er endgültig hinkommt, steht noch nicht fest. Denkbar wäre ein Platz auf dem Heiligkreuz-Friedhof. Oder vor dem Landesmuseum. Apropos Heiligkreuz-Friedhof. Die Glocke, die in der dortigen Kapelle hängt, stammt wohl ursprünglich aus dem nämlichen Turm. Albert Hipp möchte, dass beides wieder zusammenkommt. Bis über seine Zukunft entschieden ist, bleibt genug Zeit, das Bauwerk zu sanieren. Dabei soll aber keinesfalls das Blech komplett erneuert werden. Hipp will, dass der Stiftsturm sein wettergegerbtes Antlitz behält. Dafür gebe es spezielle Lacke.

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