Bunte treffen Bunte - und bleiben unter sich

Sie verstehen sich als Querdenker, denen CDU und SPD zu unbeweglich und die Grünen zu "brav" sind. Die Bunte Liste will das zumindest auf Kreisebene aufbrechen. Doch bislang ist das Interesse eher gering.

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Buntes Kennenlernen: Die beiden Neuen der Bunten Liste Zollernalb, Volker Oertel und Jochen Lang, diskutieren mit den Bekannten der Bunten Liste aus Stetten, Birgit Kruckenberg-Link und Johannes Reis (von links). Foto: Eberhard Wais

Wie schon in Albstadt, fand sich zum Vorstellungstermin der Bunten Liste Zollernalb - das sind Volker Oertel aus Bisingen und Jochen Lang aus Balingen - in Hechingen niemand ein, wären da nicht zwei andere "Bunte" gewesen: Johannes Reis und Birgit Kruckenberg-Link, die für eben eine Bunte Liste in Stetten seit fünf Jahren im Ortschaftsrat sitzen und überlegen, als Bunte Liste bei den Kommunalwahlen im Mai auch für den Hechinger Gemeinderat zu kandidieren - wie Johannes Reis ankündigte.

Gekannt haben sich die vier bis dato nicht, deshalb waren die Stettener "aus reiner Neugier" zum Infoabend in den "Hechinger Hof" gekommen. Dabei hat man einige Übereinstimmungen für eine zukünftige, "querdenkende" Kommunalpolitik festgestellt. Das reicht von mehr Transparenz in den kommunalen Gremien über eine sozialere Nahverkehrs- und umweltfreundlichere Energiepolitik bis zu einem kreisweiten Schulkonzept.

Während aber Johannes Reis erst einmal an eine Kandidatur der Bunten Liste Stetten auf städtischer Ebene denkt und seine Mitstreiterin Kruckenberg-Link auf Kreisebene wieder bei den Grünen antreten will, beschränken sich Lange und Oertel, wohl auch aus Mangel an Mitstreitern, auf die Kreisebene. Ob sie aber dafür ausreichend Kandidaten finden, um überhaupt eine Aufstellungsversammlung einberufen zu können, scheint äußerst fraglich.

Warum sich also nicht zusammentun? Nun, zunächst ging es ums Kennenlernen. So wie sich die Bunte Liste vor fünf Jahren als Alternative im kommunalen Stettener Rahmen präsentieren wollte, sehen sich auch Oertel und Lang als Querdenker auf Kreisebene, wobei Lang ehedem von den Linken kommt und Oertel bis heute Mitglied bei den "Piraten" ist.

In ihrem kürzlich vorgelegten Positionspapier legen sie den Schwerpunkt auf das Soziale in allen Lebensbereichen. Dabei wollen sie bewusst keine Partei sein, sondern eine "mitgliedschaftlich organisierte Wählervereinigung". Oertel hat schon mal hochgerechnet: Mit einem Prozent der Stimmen im Kreis gibt es einen Sitz. Er sieht die Chancen auf bis zu drei Sitzen durchaus realistisch, vorausgesetzt man kann überhaupt antreten.

Eines der kommunalpolitischen Schlagworte ist mehr Transparenz in der Kreistagsarbeit: "Warum die Sitzungen nicht als Stream im Internet" nachverfolgbar machen? Oder eine insgesamt ergebnisoffenere soziale Politik, die sich vom stark "verwaltungshörigen" Tun der etablierten Parteien unterscheide. Selbst die Grünen seien ihnen viel zu brav. Sie sind gegen die weitere Privatisierung öffentlicher Einrichtungen, fordern sowohl eine militärfreie Zollernalb wie eine flächendeckende Einführung von Gemeinschaftsschulen. Auch auf Kreisebene mahnen sie einen menschenwürdigeren Umgang mit Flüchtlingen und eine sozialere Wirtschaftspolitik an: "Die öffentlich-rechtlichen Banken sollten den Dispozins generell auf unter fünf Prozent senken."

Viele schöne Ideen, die sich aber in der realen Kommunalpolitik erst einmal umsetzen lassen müssen, wie Johannes Reis aus eigener Erfahrung zu bedenken gab: "Kommunalpolitik ist wie hartes Brot."

Info Die Thesen der Bunten Liste sind im Internet unter www.bunte-liste-zollernalb.de abzurufen.

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