Bloß kein Mittelmaß

Das Römische Freilichtmuseum Stein nutzt die Winterpause, um sich dem stärker werdenden Wettbewerb mit anderen Einrichtungen dieser Art zu stellen. Es ist noch Zeit, denn die neue Saison beginnt im April.

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Die Römer kommen! Im August ist im Freilichtmuseum Stein wieder zwei Tage lang historisches Fest. Mit zahlreichen weiteren Angeboten gehts in die Saison. Archivbild

Die Jahre 2012 und 2013 zeigten eindeutig, dass andere Museen nicht schlafen und mit gut ausgestatteter finanzieller Unterstützung ihre Anlagen den modernen Anforderungen an ein neuzeitliches Museum anpassen würden, sagt Gerd Schollian der langjährige Vorsitzende des Fördervereins Römisches Freilichtmuseum Hechingen-Stein. Die Konkurrenz habe zum Teil große Zuwächse bei den Besuchern zu verzeichnen, während man in Stein eher einen Rückgang feststellen müsse.

Diese Alarmzeichen waren Anlass genug, dass sich die Vorstandsgruppe des Fördervereins jetzt zu einer Dringlichkeitssitzung getroffen hat. Die aktuelle Situation wurde dabei vom Vereinsvorsitzenden "klar und ohne Schminke" vorgetragen. Mit der derzeitigen Strategie, ohne mehr Engagement der Beschäftigten und der ehrenamtlich tätigen Mitglieder, aber auch ohne mehr Unterstützung von außen, besonders in finanzieller Hinsicht, könne man das unter großen Anstrengungen in den vergangenen 35 Jahren erzielte Niveau nur schwer halten. Die Stadt und der Kreis unterstützten zwar den Verein, so Gerd Schollian weiter, aber Gelder aus Stiftungen und anderweitige Zuschüsse seien leider nicht vorzuweisen.

Man will in Stein aber nicht ins Mittelmaß zurückfallen. Museen, die schwache Besucherzahlen aufweisen, gebe es genug, und Hechingen und die Umgebung könnten durchaus mehr Touristen vertragen, sagte Schollian. Dringend notwendig sei es, die zum Teil maroden Rundwanderwege in Ordnung zu bringen. Auch die Zufahrt zur Villa sei in einem sehr schlechten Zustand und weise mehrere Schlaglöcher auf. Das sei nicht gerade ein Aushängeschild für Stadt und Gemeinde.

In der Sitzung wurden Nägel mit Köpfen erarbeitet, um nachhaltig wieder Boden gut zu machen. Bereits im Frühjahr mit Beginn der neuen Saison am 1. April soll das Angebot im Freilichtmuseum erweitert werden. Dazu wurde ein Gremium gebildet, das schnellstens neue Ideen erarbeiten und diese in die Tat umsetzen soll. Sowohl im Innenbereich des Museums wie auch in der Außenanlage soll mit geringen finanziellen Mitteln Erwachsenen wie Kindern mehr Anreiz am Museumsbesuch durch eigene Aktivitäten gegeben werden. Dazu sollen auf der Panoramaterrasse, die jeden Tag geöffnet ist und durch ihre Lage geradezu zum Verweilen einlädt, neben dem Angebot an Kaffee und Kuchen und den üblichen Getränken auch spezielle kleine römische Speisen und Getränke an die Gäste verabreicht werden. Diese können sich auch in römische Gewänder einkleiden lassen.

Erlebnistouren und Workshops für Kinder und Erwachsene, aber auch spezielle Themen zum römischen Leben vor 2000 Jahren werden Aufnahme in den Museumsbetrieb finden. Im Obergeschoss des Freilichtmuseums wird für Kinder ein "Triclinium", ein römisches Speisezimmer, eingerichtet, wo sie so richtig Römer spielen können.

In den Medien soll für diese neuen und zusätzlichen Aktionen besonders geworben werden. Um diesen erhöhten Anforderungen gewachsen zu sein, ist der Förderverein auf verstärkte ehrenamtliche Mitarbeit möglichst vieler Mitbürger angewiesen.

Veränderungen soll es auch bei der Ausstattung des Museums geben. Verschiedene Räume werden umgestaltet. Im Obergeschoss des Eckturms wird ab 10. Mai eine Sonderausstellung zum Thema "Römische Musikinstrumente, nachgewiesen durch mehrere antiken Skulpturen der Götterwelt mit Apollon, Marsias, Aphrodite", abends ab 18 Uhr stattfinden. Die Musikschule Weißenburg gibt mit den Instrumenten Kithara und Aulos ein Konzert im Atrium. Der Harfenbauer Eric Kleinmann aus Rangendingen wird dem Förderverein eine von ihm nach antiken Vorlagen gefertigte und bespielbare Kithara, ein harfenähnliches Instrument, als künftige Museumseinrichtung übergeben. Am Sonntag, 1. Juni, werden dann bis zu 400 Sängerinnen und Sänger zum Bezirkssängertreffen des Sängerbezirks Hechingen erwartet.

Zum großen Römerfest lädt der Förderverein auf den 16. und 17. August ein. Mit einem Großaufgebot an Akteuren zählt diese Veranstaltung zu den größten im süddeutschen Raum. Die römische Legion Italica I wird wieder mit 50 bis 60 Soldaten und dem dazu gehörenden Tross anwesend sein. Zum ersten Mal wird außerdem eine Gladiatorengruppe mit Kämpfern aufwarten. Keltische und alamannische Sippen sind beim Fest genau so vertreten wie Handwerker der verschiedensten Gewerbe. Unter dem Motto "Alamannen im Dienste Roms" wird die römische Villa wieder in alte Zeiten zurückversetzt.

Eine Museumsnacht ist inzwischen aus dem Programm nicht mehr wegzudenken. Trotz strömenden Regens waren im vergangenen Jahr über 200 Gäste, zumeist Familien mit Kindern, anwesend. Sie genossen ein buntes Programm inmitten der in Fackellicht gehüllten Anlage. Dieses Jahr ist als Termin der 4. Oktober vorgesehen.

Info Die Jahreshauptversammlung des Fördervereins findet statt am Freitag, 14. März, im "Lamm" in Stein.

Ab April gehts wieder in die Steinemer Erde
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