Bedarf für mehr Zimmer Suche nach Investor für Hotel an der Reutlinger Stadthalle

Zweiter Anlauf für das Hotel an der Reutlinger Stadthalle: Der Gemeinderat hat bei sieben Gegenstimmen der Eröffnung des Bietverfahrens zugestimmt. Für die Projekteckpunkte gibt es fixe und variable Vorgaben.

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Hannah Tiesler (links), Reutlinger Projektleiterin für das Hotel im Bürgerpark, und Baubürgermeisterin Ulrike Hotz zeigen am Modell das veränderte städtebauliche Umfeld mit GWG-Neubau und Hochhaus am Hamburg-Mannheimer Areal.  Foto: 

Grundlagen für die Bewertung des Hotelanbaus an die Reutlinger Stadthalle liefern die von der Symbios Beratungsgesellschaft erstellte Hotelstudie zur Ermittlung des Bedarfs und eine Kostenschätzung der Firma Drees & Sommer. Mit dem Bietverfahren, das am Freitag eröffnet wurde, startet die Suche nach einem - "im Idealfall", so Baubürgermeisterin Ulrike Hotz, "gemeinsamen" - Investor und Betreiber.

Dieser muss die städtebaulichen und gestalterischen Qualitäten des prämierten Wettbewerbsentwurfs beachten, trifft im Gegenzug aber auf gültiges Baurecht und kann damit rasch mit der Umsetzung beginnen. Zudem kann der Investor die Planungen des Architekturbüros Max Dudler verwenden, muss dies aber nicht tun. Im Falle eines komplett neuen Entwurfs muss der Investor jedoch eine neue Mehrfachbeauftragung veranlassen. "Es gibt klare Eckpunkte bei den Eignungs- und Auswahlkriterien, darüber hinaus sind wir aber flexibel", betont Hotz. Entscheiden muss der Investor. "Große Hotelbetreiber haben fertige Konzepte für die Innengestaltung", erklärt Dr. Thomas May von Symbios. Ein Ergebnis: "Der Bedarf für eine weiteres Hotel ist vorhanden". Und die Realisierung eines Stadt- oder Tagungshotels neben der Stadthalle lässt zudem noch Spielraum für ein weiteres Budget-Hotel, wie es auf dem Postareal realisiert werden könnte. Demgegenüber sind Pläne für ein Hotel am Stuttgarter Tor nicht mehr aktuell.

Der Hotelmarkt in der Achalmstadt ist aufnahmefähig: In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Anzahl der Übernachtungen um 37 Prozent und die Zahl der Ankünfte um 21 Prozent erhöht. Im Schnitt blieben die Gäste, im Zeitraum von 2003 bis 2010, 1,9 Tage in der Achalmstadt, die Aufenthaltsdauer ist inzwischen auf 2,1 Tage gestiegen. 20 Prozent der Besucher kommen aus dem Ausland - ein positiver Faktor, da diese im Regelfall mehr Geld ausgeben.

Ebenfalls überdurchschnittlich fällt die Zimmerauslastung aus, 2014 lag sie bei 75 Prozent - das entspricht 480 Zimmern, die jeden Tag gebucht werden. Werden die drei vorangegangenen Jahre dazugezählt, liegt der Wert bei 70 Prozent. Bundesweit sind es im Schnitt 60 Prozent in Städten mit weniger als 250 000 Einwohnern. Bei einem Blick auf die Region findet sich für Reutlingen mit 9,6 Gästebetten pro 1000 Einwohner in 16 Beherbergungsbetrieben an letzter Stelle. Tübingen weist 33 Übernachtungsbetriebe mit 19,5 Gästebetten pro 1000 Einwohner auf.

Selbst bei einem zusätzlichen Hotel auf dem Postareal ist für Reutlingen laut May "kein Angebotsüberhang zu erwarten". Als ein wichtiges Kriterium für die Wirtschaftlichkeit eines Hotels an der Stadthalle gilt dessen Grundauslastung im Umfang von rund zehn Prozent durch mehrtägige Kongresse und Tagungen in der Stadthalle. Davon gab es bislang im Schnitt 14 pro Jahr.

Zudem betrachtet die Stadthalle das Hotel als Zugpferd für mehrtägige Veranstaltungen und erwartet deren Anstieg auf 20 bis 30 in Verbindung mit dem Hotel. Nicht zuletzt bietet der Standort attraktive Rahmenbedingungen am Eingangstor zur Stadt und in der Nachbarschaft des Bürgerparks.

Die zum jetzigen Zeitpunkt naturgemäß nicht konkret bezifferbaren Kosten liegen irgendwo zwischen 15 bis 25 Millionen Euro und sind nicht zuletzt vom Bau der Tiefgarage für die gesetzlich geforderten 25 bis 35 Stellplätze abhängig. Kostenpunkt dafür laut Analyse von Drees & Sommer allein 1,6 Millionen Euro.

Für ein Stadthotel werden Baukosten von 800000 bis 100 000 Euro pro Zimmer kalkuliert, für das höherwertige Tagungs- und Kongresshotel liegt dieser Wert bei 120000 bis 150 000 Euro. Laut Hotz ist von rund einem Dutzend potenzieller Investoren auszugehen, die ganz unterschiedliche Vorstellungen und Schwerpunkte genannt hätten.

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