Baxter Hechingen setzt neue Maßstäbe in der Blutreinigung

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Solch eine Innovation in der Dialysebehandlung – der Blutreinigung außerhalb des Körpers von Nierenpatienten – habe es weltweit seit 20 Jahren nicht gegeben, sagt Dr. Thomas Ertl, der Chef des Hechinger Baxter-Standortes mit berechtigtem Stolz. „Und jetzt kommt sie aus Hechingen.“

Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Medizintechnikunternehmens in der Ermelesstraße hat eine neue Therapie entwickelt, bei der sich Gitftstoffe deutlich wirksamer aus dem Blut der Patienten entfernen lassen als bei den herkömmlichen Verfahren. Von einem „Meilenstein in der Dialyse“ spricht Thomas Ertl. Im Mai wurde der neue Dialysator namens „Theranova“ (hier klingt die neue Therapie durch) erstmals beim Fachkongress der Branche in Wien vorgestellt, Ende Oktober hat der US-Konzern Baxter mit der weltweiten Markteinführung begonnen. Wenn „Theranova“ die hohen Erwartungen erfüllt, dann winkt Dialysepatienten nichts weniger als ein längeres Leben in besserer Qualität.

Die Hämodialyse, ein Verfahren zur Blutwäsche, das bei Patienten mit Nierenschwäche eingesetzt wird, ist seit mehr als vier Jahrzehnten die Kernkompetenz der Firma Gambro in Hechingen, die seit drei Jahren zum US-amerikanischen Baxter-Konzern gehört. In Hechingen entwickelt und hergestellt werden Dialysatoren, die außerhalb des Körpers des Patienten die Nierenfunktion übernehmen und schädliche Moleküle aus dem Blut entfernen. Bei den bisher üblichen Verfahren gelingt es, Harnstoff, Kreatinin und andere kleine Moleküle recht wirksam zu eliminieren. Schwächen zeigen die herkömmlichen Therapien jedoch bei der Entfernung größerer Mittelmoleküle, wie Myoglobin oder Beta-2-Mikroglobulin. „Und gerade die Mittelmoleküle“, sagt Thomas Ertl, „sind oft für die Entstehung chronischer Entzündungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich“. Diese Erkrankungen senken die Lebenserwartung von Dialysepatienten maßgeblich. Ertl macht es anschaulich: „Die Lebenserwartung eines 25-jährigen Dialysepatienten entspricht der eines 70-jährigen Gesunden.“

Dank der Baxter-Innovation winkt Rettung: Der neue Filter „Theranova“ kann ein breites Spektrum von Mittelmolekülen wirksam entfernen. Damit verbindet sich zumindest die begründete Hoffnung, dass sich die Lebenserwartung der Patienten erhöhen wird. Ertl: „Darauf deuten klinische Studien hin, die seit Jahren laufen und die sich Baxter sehr viel Geld kosten lässt.“ Der Beweis ist freilich erst zu erbringen, wenn Langzeiterfahrungen vorliegen.

Ein anderer Vorteil des neuen Verfahrens ist jedoch schon heute erkennbar: Kliniken, die „Theranova“ anwenden, können ihr bestehendes Hämodialyse-Equipment samt Zubehör nutzen und müssen nicht in teure neue Gerätschaften investieren.

Für den Bisinger Thomas Ertl, der seit anderthalb Jahren beim mit Abstand größten Unternehmen der Zollernstadt das Sagen hat, ist die neue Hämodialyse-Therapie ein weiterer Beweis für das Know-how und die Schlagkraft des Baxter-Standortes Hechingen. Der bahnbrechende neue Blutfilter ist nämlich nicht nur in Hechingen entwickelt worden, er wird bislang auch ausschließlich in Hechingen hergestellt.

„Die erste Produktionslinie für Theranova steht bei uns“, sagt Ertl. Eingerichtet wurde sie im Werk I in der Holger-Crafoord-Straße, dem allerersten Gambro-Werk von 1974. Von hier aus wird das neue Produkt noch in diesem Jahr in Deutschland, Belgien, der Schweiz, in Frankreich, Australien und Neuseeland auf den Markt gebracht. „Dass wir Innovationen so schnell in den industriellen Produktionsprozess umsetzen können, das zeichnet unseren Standort Hechingen aus“, so Ertl. Sollte „Theranova“ das erhoffte Erfolgsmodell werden, so wird der Filter künftig freilich auch an anderen
Baxter-Standorten produziert
werden.

Von den gut 1300 Hechinger Baxter-Beschäftigten gehören etwa 100 dem Forschungs- und Entwicklungsteam in der Ermelesstraße an. Die interdisziplinär arbeitende Mannschaft hat das neue Hämodialyse-Verfahren entwickelt. Zu ihr gehören unter anderem Chemiker, Biologen, Verfahrenstechniker, Ingenieure, Juristen (die sich um das Patentwesen kümmern) und Mediziner (die sich mit Therapien befassen). Die Baxter-Entwickler kooperieren mit verschiedenen Hochschulen im Südwesten, unter anderem mit den Universitäten Tübingen, Stuttgart und Konstanz sowie mit der Hochschule Furtwangen, aber auch mit renommierten Kliniken wie der Charité in Berlin. Für die Entwicklung des „Theranova“-Verfahrens kooperierten die Hechinger auch eng mit Forschern aus Au­stralien. hy

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