Bürgermeisterin Dorothea Bachmanns Rückkehr unwahrscheinlich

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Dass sie wieder zurück ins Hechinger Rathaus kommt, wird immer unwahrscheinlicher: Bürgermeisterin Dorothea Bachmann.  Foto: 

Mehr als drei Wochen ist die Bürgermeisterin jetzt schon nicht mehr auf ihrem Posten. Dorothea Bachmann sei krankheitsbedingt „absehbar mehrere Wochen nicht im Dienst“, hatte die Stadtverwaltung am 12. Mai erneut mitteilen müssen. Vor dem 3. Mai war die Verwaltungschefin nur zwei Wochen im Rathaus gewesen, nachdem sie zuvor vier Wochen krankgeschrieben gewesen war.

Die Ursache für die Fehlzeiten ist inzwischen bundesweit bekannt: Die Trennung zweier Eheleute nach 30 Jahren Gemeinsamkeit. Manche bekommen das vergleichsweise locker hin, andere tun sich schwer damit. Lange hatte die Bürgermeisterin Vertrauten gegenüber den Eindruck vermittelt, dass sie nach Genesung sehr wohl wieder ins Gebäude Marktplatz 1 zurückkehren werde. Daran herrschte auch in der Stadt kaum ein Zweifel. Kennt man die 51-Jährige doch als höchst energisch. Ihren schweren Sportunfall im vergangenen Sommer hatte sie, mehrwöchige Auszeiten inbegriffen, ganz offenkundig gut weggesteckt.

Der Bruch kam nun mit den Boulevard-Berichten über Details des Bachmannschen Rosenkriegs vor zwei Wochen. Veröffentlichungen dieser Art steckt niemand weg, und niemand kann sagen, dass dies sein öffentliches Amt nicht beschädigt.

Die Stimmung in der Stadt  kippte anschließend. Aber wohlgemerkt nur teilweise. Denn nach wie vor wollen sehr viele Hechingerinnen und Hechinger das Privatleben der Bürgermeisterin geschützt sehen. Und sie soll nicht aufgeben: Dorothea Bachmann wurde der HZ-Artikel über die Facebook-Kommentare gezeigt. Darin wird vielfach die Meinung vertreten, dass Privates nach wie vor privat sein muss – „lasst die Frau doch endlich in Ruhe“.

Reha im Süden von Bayern

Dorothea Bachmann, die sich zur Reha in Südbayern aufhält, vermeidet mittlerweile fast alle Kontakte. Auch die dringende Aufforderung, doch zumindest mit der Hechinger Heimatzeitung zu sprechen, fruchtete nicht. Die HZ hatte die Bitte an sie gerichtet, den Hechingern ein Signal zu senden, dass sie wieder ins Amt zurückkehren wird. Eine E-Mail, die man nach sechsjähriger, intensiver Begleitung der Rathauschefin durchaus versenden kann, meint die HZ.

Sicher ist derweil eines: Im Rathaus weiß aktuell niemand, wie lange die Bürgermeisterin noch krankgeschrieben sein wird. Ebenso sicher ist, dass sie am kommenden Mittwoch bei der Eröffnung des Ruheforsts auf dem Lindich nicht dabei sein wird. Dabei hatte die Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern den Termin extra wegen Dorothea Bachmanns voriger Erkrankung so spät gelegt. Auf dem Lindich wird sie ein weiteres Mal durch den Ersten Beigeordneten Philipp Hahn vertreten. Dies gilt übrigens genauso für die Eröffnung von „Hechingen aktiv“ an diesem Sonntag.

Der wegen der Erkrankung der Bürgermeisterin in die Warteschleife geratene Vertrag über den Waldfriedhof zwischen Stadt und Sigmaringer Unternehmensgruppe ist mittlerweile unter Dach und Fach. Das Papier wurde durch den Bevollmächtigten des Fürsten und für die Stadt durch den Ersten Beigeordneten am 12. Mai in Hechingen unterzeichnet. Nicht auf Eis, so versichert das Rathaus gegenüber der HZ, liegen die Gespräche mit dem Hause Klaiber über einen möglichen Vergleichsvorschlag zum Bau der Tiefgarage unterm Obertorplatz. Dazu die Antwort der Verwaltung auf die Frage der HZ: „Der Anwalt der Stadt arbeitet nach wie vor am Vergleichsvorschlag“.

Am kommenden Donnerstag steht der Antrag der CDU-Fraktion auf neue Leitlinien für die Stadtentwicklung auf der Tagesordnung des Gemeinderates. Den Vorstoß hat die Bürgermeisterin dem Fraktionsvorsitzenden zunächst abgelehnt. Das war so aber nicht richtig, befand das Landratsamt (die HZ berichtete). Die Kreisbehörde betonte schon in der vergangenen Woche, dass sie so schnell wie möglich ein Gespräch mit der Hechinger Bürgermeisterin führen will. Darin soll es um die langen Fehlzeiten gehen, aber auch um die „Vorkommnisse mit dem Dienstwagen“, also die private Bodensee-Fahrt.

Andreas Ermantraut, der CDU-Vorsitzende im Hechinger Gemeinderat, beklagte gegenüber dem Südwestrundfunk, dass Dorothea Bachmann in einem Jahr nur eine Gemeinderatssitzung geleitet und sich das zur Chefsache erklärte Tiefgaragen-Projekt verzögert habe. Der Freie-Wähler-Vorsitzende Werner Beck sagte gegenüber dem SWR, nach den bundesweiten Boulevard-Veröffentlichungen werde eine Zukunft mit Dorothea Bachmann als Bürgermeisterin deutlich schwerer. Ihr stehe eine schwierige Zeit bevor, wenn sie in der Öffentlichkeit mit einer solchen Belastung umgehen müsse.

Zumindest teilweise scheint das Tischtuch zwischen der Verwaltungschefin und etlichen Stadträten angeritzt. Ob sich der Hechinger Gemeinderat und die amtierende Hechinger Bürgermeisterin aber überhaupt noch einmal gegenübersitzen, das wird allerdings mit jedem Tag fraglicher. Wenn das Magazin „Focus“ wie angekündigt heute mit einer großen Geschichte über Problembürgermeister an den Kiosken zu haben ist, und Dorothea Bachmann dazu gezeigt wird, dürfte die gemeinsame Zukunft ein weiteres Stück schwieriger werden.

Im Hechinger Gemeinderat geht es am kommenden Donnerstag, 1. Juni, um die Neuauflage der Leitlinien der Stadtentwicklung. Die nämlich sind seit geraumer Zeit nicht mehr aktuell. Die CDU-Fraktion hat schon mehrere Anläufe genommen, damit das Vorhaben angepackt wird. Zuletzt lehnte die Bürgermeisterin einen förmlich gestellten Antrag ab. Nach einem Wink des Landratsamtes steht das Begehren nun doch auf der Tagesordnung. Darüber muss der Gemeinderat abstimmen. Man kann ein einmütiges Ja erwarten. Ebenfalls Thema der um 18.30 Uhr beginnenden Sitzung ist das im Entstehen begriffene neue Hallenbad. Es gibt einen Bericht zum Stand der Dinge, und über die Ausstattung ist zu befinden.

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