Armut am Rand der EU

Die CSU hat die sogenannte Armutseinwanderung aus Rumänien und Bulgarien zum Thema gemacht. Edith Kirchmann, die Vorsitzende der Kinderhilfe Rumänien, bezweifelt, dass dieses Szenario eintreffen wird.

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Edith Kirchmann hat die erste Januarwoche in Rumänien verbracht, einem Land, das ihrer Ausage nach immer wieder Anlass zum Verwundern gibt. Nachdem einige wichtige Punkte wie die Planung 2014, die Feriengestaltung der Kinder, eine Unterredung mit der Kinderschutzbehörde und die Vorbereitung einer Fachtagung zum Thema Heimerziehung abgehakt werden konnten, verbrachte die Vorsitzende der Kinderhilfe den letzten Abend vor ihrer Abreise im Kinderhaus des Vereins im Kreis Timis.

Das 100 Jahre alte ehemalige katholische Pfarrhaus liegt im Zentrum eines kleinen Dorfes udn war früher ausschließlich von Deutschen bewohnt. Noch immer spürt man im Haus einen Hauch von Wohlhabenheit mit wunderschönen Jugendstil-Kachelöfen, herrschaftliche Türen und hohe Decken. Neben dem Pfarrhaus sind die Kirche, heute von der kleinen griechisch-katholischen Gemeinde genützt, und die Schule. Am Ortsrand steht ein Gedenkstein mit deutscher Inschrift auf einem alten vollkommen verwahrlosten katholischen Friedhof.

Ein ausgedehnter Spaziergang zum nächsten Dorf über einen Feldweg gibt Einblick in Rumäniens allgemeine Situation. Durch das ehemalige Sumpfgebiet ziehen sich Wassergräben, die voll mit Müll bestückt sind: Plastikflaschen, Kleiderfetzen, Dosen, Haushaltsmüll, Autoreifen, Bauschutt, Plastikwindeln, Knochen. Auch außerhalb dieser Gräben häuft sich der Müll überall. Am nächsten Dorf angekommen, entdeckt man neben einem recht ansehnlichen Neubau eine private Müllhalde auf einem Grundstück mit einer Hausruine, die man aus der Ferne als Zirkuszelt bezeichnen könnte. Auf die Frage, warum in Rumänien überall so viel Dreck ist, gibt es eine einfache Antwort: Viele Bewohner sind zu arm, um die Müllgebühren zahlen zu können.

Am Ortsrand spielen Kinder, und eine etwa Fünfjährige schiebt einen Kinderwagen. Dort leben 14 Kinder, das Jüngste kam gerade zur Welt. Das Mädchen streckt die Hand aus. Unklar ist, ob sie etwas haben möchte oder nur grüßt.

Im Ort hütet der rumänisch-orthodoxe Priester seine Ziegenherde, bevor er etwas später in seiner kleinen Kirche am Rande des Ortes einen Abendgottesdienst hält. Anwesend sind zwei verhüllte Frauen, die in der Dunkelheit kaum wahrzunehmen sind. Die Kirche ist schwach beleuchtet und eisig kalt. Gestrenge Heilige grüßen stumm von den bunt ausgeschmückten Wänden. Ein Jugendlicher aus dem benachbarten Familienhaus des Vereins wurde als Kirchensänger ausgebildet und gestaltet nun mit dem Priester die Abendandacht.

In der orthodoxen Kirche spielt der Gesang eine wichtige Rolle. Priester und Sänger wechseln sich ab oder der Sänger untermalt den Gesang des Priesters. Vor kurzem lernte der junge Mann seinen um ein Jahr älteren Bruder kennen. Dieser besucht das theologische Lyzeum in Temeswar und ist kurz vor dem Abi. Nebenbei singt er in der dortigen katholischen Kirche, weil auch er eine außerordentlich gute Stimme hat.

Streunende Hunde auf der Straße. Für Rumänien sind sie nur in den Städten problematisch, wo sie in Horden besonders nachts gefährlich werden können. Dass sie wegen der Überzahl vergiftet werden, ist selbstverständlich. Es gibt wichtigere Themen wie Arbeitslosigkeit, zu niedriger Lohn, Korruption der Ärzte, fehlende Facharbeiter.

Abends sitzt die "Familie" - Pflegeeltern mit ihren 6 Schützlingen - gemütlich vor dem Fernseher. Anstehende Probleme wurden bereits vorher diskutiert. Was geschieht zum Beispiel mit den behinderten Zwillingen, die gerade 18 Jahre alt wurden und demnächst die Sonderschule verlassen werden? Sie leben seit 16 Jahren in diesem Haus, können zwar lesen und schreiben, sind aber nicht in der Lage, sich in Zukunft selbst zu versorgen. Beschützende Werkstätten gibt es in Rumänien noch nicht.

Die Jüngste im Hause, gerade mal vier Jahre alt, unterhält in der Fernsehrunde die Gesellschaft. Ein Älterer beschwert sich und möchte, dass sie mal den Mund hält. Sie babbelt unbeirrt weiter, bis dann die Erwachsenen schlafen gehen und sie zu sich ins Bett nehmen, denn dort ist ihr Platz. In der Morgendämmerung herzliche Verabschiedung und Aufbruch zum Flughafen und der Sprung in eine andere Welt.

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