Anwohner der Tübinger Straße in Hechingen stinksauer

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Achthundert Fahrzeuge sind heute im Tagesdurchschnitt auf der rumpeligen Tübinger Straße im Hechinger Norden unterwegs. Wenn in einem starken Jahrzehnt der darüber liegende Stadtteil Killberg IV von 1000 neuen Hechingern bewohnt sein wird, dann steigt die Verkehrsdichte in der Tübinger Straße auf 2900 Fahrzeuge an. So lautet die Prognose von Verkehrsplaner Andreas Weber, dem Chef der Planungsgruppe Kölz.

Zahlen wie diese lösten am Finalabend der Killberg-Bürgerbeteilung in der Stadthalle „Museum“ heftige Diskussionen aus. Die wieder vielköpfig präsenten Anwohner der Tübinger Straße schimpften über eine „Verdreifachung“ des Verkehrs. Der Planer wollte dagegen nicht auf prozentuale Zuwächse schauen, sondern nur auf die absoluten Zahlen: 800 Fahrzeuge am Tag seien eine „sehr geringe Ausgangsbelastung“, knapp 3000 in Zukunft noch immer nicht unzumutbar. Die Tübinger Straße sei schließlich „keine reine Wohnstraße“, sondern eine Verbindungsstraße in Richtung B 27.

Alle Vorschläge abgeschmettert

Hintergrund des Disputs: Die Anwohner der Tübinger Straße drängten wie schon an den beiden ersten Bürgermitwirkungsabenden massiv darauf, dass es eine zweite Zufahrt zum Killberg braucht. Doch sämtliche Vorschläge für eine zusätzliche Erschließungsstraße wurden von Verkehrsplaner Weber abgeschmettert: „Die Kosten und die Eingriffe in die Natur sind unverhältnismäßig für die Wirkung, die erzielt würde.“

Als nicht realisierbar verworfen wurde etwa die vorgeschlagene Achse vom hinteren Killberg ins Etzental. Die Eisenbahnbrücke, die dafür benötigt würde, müsste mindestens 70 Meter lang sein und würde bestimmt über eine Million Euro kosten, sagte Weber. Und ihr Entlastungseffekt für die Tübinger Straße wäre gering: Nur 400 Verkehrsteilnehmer pro Tag würden sie nutzen. Stadtbaumeisterin Helga Monauni bestätigte darüber hinaus, was die Tübingersträßler schon vor Monatsfrist behauptet hatten: Die Stadt besitzt im Etzental überhaupt kein Grundstück mehr, auf der solch eine Brücke ankommen könnte. Was im Gemeinderat allenfalls noch diskutiert werden könnte, wäre die von vielen Seiten gewünschte Fuß- und Radwegverbindung ins Etzental.

Doch auch mit neuen Trassenvorschlägen kamen die Anwohner nicht durch. Auch eine Zufahrt im Osten des Killbergs Richtung Gammertinger Straße oder mit B 27- oder B 32-Anschluss beim „Kaufland“ wurde als „unverhältnismäßig“ verworfen. Hörbar frustriert über die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung in Sachen Verkehr suchte eine Anwohnerin einen Schlussstrich: „Macht es überhaupt noch Sinn, Vorschläge zu machen?“

Kein Straßenausbau 2017

Ganz beendet war das Thema Verkehr damit aber doch noch nicht. Schließlich deckten die Tübingersträßler noch auf, dass der schon lange fällige Ausbau ihrer Straße auf der Streichliste des Gemeinderates für 2017 steht. Die anwesenden Stadträte Jürgen Fischer und Almut Petersen bestätigten dies und begründeten die Verschiebung mit finanziellen Zwängen der Stadt. Das Projekt stehe aber in der mittelfristigen Finanzplanung für die Jahre 2018 bis 2020. Unterstützt von Heinz-Peter Schetter drängten die Anlieger darauf, dass die Tübinger Straße auf keinen Fall später als der erste Killberg-Abschnitt in Angriff genommen und nach einem Ausbau für den Schwerlastverkehr gesperrt wird.

Weniger umstritten als der Verkehr waren die städtebaulichen Aspekte. Berücksichtigt wurde die Anregung aus der Bürgerschaft, die Kindertagesstätte schon in den ersten Bauabschnitt aufzunehmen und damit näher an die Tübinger Straße heranzurücken, wo öffentliche Nutzungen (Bushaltestelle, gewerbliche Einrichtungen wie Ärztehaus oder Bäcker) verdichtet werden sollen. Auch das erklärte Ziel, mit Hilfe eines Nahwärmenetzes einen CO2-neutralen Stadtteil zu schaffen, wird an den Gemeinderat
herangetragen.

Die Bürgerbeteiligung ist beendet. Wie geht’s jetzt weiter mit der Killberg-IV-Planung? Stadtbaumeisterin Helga Monauni informierte:

Die Ergebnisse der Bürgermitwirkung sollen im Januar oder Februar dem Gemeinderat in öffentlicher Sitzung präsentiert werden. Später hat dann der Gemeinderat über das städtebauliche Gesamtkonzept zu beraten und zu beschließen.

Im Aufstellungs­beschluss für den ersten Abschnitt des Bebauungplans klopft der Gemeinderat die
Rahmenbedingungen für die weitere Killberg-Bebauung fest. „Dann“, so Monauni, „weiß man: Was wird tatsächlich gemacht?“

Wenn die Erschließung beginnt (aus heutiger Sicht wohl 2018), sollte auch die Tübinger Straße ausgebaut werden. Darauf legen jedenfalls die Anwohner größten Wert. Der Gemeinderat hat sich bislang noch nicht festgestellt. Der Straßenausbau steht bislang in der mittelfristigen Finanzplanung für die Jahre 2018 bis 2020. hy

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