Altstadtbrand: Die Kripo in der Kritik

Wären nicht Menschenleben in Gefahr gewesen und hätte der Altstadtbrand nicht eine solch klaffende Wunde im Herzen Hechingens hinterlassen - es wäre zum Lachen, wie sich Staatsanwalt und Verteidiger beharken.

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Mehr als an den zurückliegenden Verhandlungstagen ließ der gestrige Prozessmarathon den neutralen Beobachter in Phasen vergessen, worum es eigentlich geht: um den Vorwurf der fahrlässigen Brandstiftung. Derer angeklagt sind der Eigentümer des beim Altstadtbrand am 6. Februar 2012 abgebrannten Gebäudes Marktstraße 1 und dessen Freund. Doch sowohl die beiden Verteidiger Thorsten Zebisch und Hans-Christoph Geprägs wie auch Staatsanwalt Markus Engel lassen kaum eine Gelegenheit aus, einander zu rügen. Am Vormittag gipfelte ihr zunehmend respektloser Umgang miteinander in einem erörternden Gespräch des Richters Patrick Bader mit den Herren sowie den beiden Sachverständigen Karl-Heinz Simon und Martin Ströbele hinter verschlossenen Türen. Gebracht hats leider nicht sehr viel. Erstmals heftig aneinander geraten waren die Parteien ob des Wissensrückstands des auf Wunsch der Staatsanwaltschaft neu hinzugezogenen (zweiten) Sachverständigen Ströbele. Kurz wurde von Verteidigerseite die Überlegung laut, nochmals alle (!) Zeugen zu hören. Selbst der Richter äußerte leise Zweifel, ob der neue Mann am Ende der Beweisaufnahme zur Erstattung eines aussagekräftigen Gutachtens in der Lage sein wird. Seis drum. Jetzt werden ihm erst einmal sämtliche Gerichtsakten zur Verfügung gestellt - zum Einlesen.

Am Nachmittag - inzwischen war die Verhandlung in ein anderes Gebäude und damit in einen anderen Gerichtssaal verlegt worden - wurde es dann heftig. Am Beginn stand die Vernehmung jenes Kriminalbeamten, der noch am Abend des Großbrandes den Hauseigentümer vernommen hatte - nachdem dieser sich ihm als solcher zu erkennen gegeben hatte. Der Angeklagte habe, schilderte der Beamte, unaufgefordert darüber informiert, dass er, gemeinsam mit einem Freund, schon mittags vor Ort gewesen sei, um eingefrorene Wasserleitungen aufzutauen. Dazu habe er schon in der Woche zuvor zwei Frostwächter gekauft und aufgestellt - einen im Erdgeschoss und einen im ersten Obergeschoss. Am Tag des Brandes allerdings sei der Frostwächter aus dem ersten Obergeschoss verschwunden gewesen, weshalb er einen vorrätigen Ölradiator aus dem Keller dort aufgestellt habe - und, so meinte sich der Kripomann zu erinnern, den Frostwächter aus dem Erdgeschoss noch dazu. Beide seien wohl parallel in Betrieben gewesen.

Zum Zeitpunkt dieser Aussage habe er, der Kriminalbeamte, sich veranlasst gesehen, den Hauseigentümer über seine Rechte zu belehren - und ihn folgend als Beschuldigten zu vernehmen. Weil er nicht mehr habe ausschließen können, dass eine fahrlässige Brandstiftung vorliegt. Der Angeklagte habe - darum wissend - aber weitere Aussagen gemacht, schließlich habe er es nur gut gemeint mit seinen Mietern. Soll er gesagt haben. Später allerdings machte er keine Angaben mehr - und tut es bis heute nicht.

Sein mitangeklagter Freund äußert sich seit Prozessbeginn ebenfalls nicht. Seine Vernehmung am Tag nach dem Großbrand stand gestern, am späten Nachmittag, im Zentrum des Interesses. Weil sie, so die Überzeugung der beiden Verteidiger Zebisch und Geprägs, erfolgte, ohne ihn über seine Rechte als Beschuldigter zu belehren. Und als solcher sei er de facto vernommen worden - wenn ihm von den vernehmenden Kriminalbeamten auch versichert worden sei, lediglich als Zeuge gehört zu werden. Vor diesem Hintergrund widersprachen beide Verteidiger der Verwertung seiner Vernehmung. Der Richter nahms zur Kenntnis.

Die verantwortlichen Kriminalbeamten werden vom Gericht zu einem späteren Zeitpunkt vorgeladen; gestern nahm zunächst ihr Vorgesetzter, der Erste Kriminalhauptkommissar Welte, als Leiter der Ermittlungen auf dem Zeugenstuhl Platz. Er führte aus, dass die beiden genannten Beamten von ihm kurzfristig zur Vernehmung des Angeklagten abgestellt worden waren - und zu diesem Zeitpunkt nicht über die am Abend zuvor vom Hauseigentümer gemachte Aussage informiert gewesen seien. Zunächst, betonte Welte, sei die Vernehmung des Mitangeklagten seiner Meinung nach "nicht im Beschuldigtenstatus" zu führen gewesen. Vielleicht aber später, wollte er nicht ausschließen: Als er seine Mitarbeiter über die Aussage einer Zeugin informierte, die am Brandtag in den Räumen der ehemaligen Wäscherei einen Mann mit einer offenen Flamme hantieren gesehen haben will - und die beiden Beamten den Freund des Eigentümers damit konfrontierten. Und ihn drängten einzuräumen, dieser Mann gewesen zu sein.

Die Verhandlung wird am 2. Dezember fortgesetzt.

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