Acht bestätigte Masernfälle

Die Masern grassieren in Deutschland. Erste Erkrankte sind gestorben. Panik vor der Infektionskrankheit muss man im Zollernalbkreis aktuell aber keine haben. Die Impfrate liegt bei 91,4 Prozent.

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    Regierungspräsident Hermann Strampfer hat den Kampf gegen Masern zur Chefsache erklärt.
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    Die Hechinger Kinderärztin Rita Ziebach ist eine "klare Impfbefürworterin".
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Der Masern-Tod eines Kleinkindes in Berlin hat die Menschen in Deutschland aufgeschreckt. Die Infektionskrankheit sollte bis 2015 aus Europa verschwunden sein - doch die Weltgesundheitsorganisation hat ihr Ziel verfehlt. Allein in Deutschland stecken sich nach wie vor Hunderte von Kindern jährlich an.

"In der Vergangenheit gab es immer wieder kleinere Ausbrüche von Masern", stellt die Hechinger Kinderärztin Dr. Rita Ziebach fest. "Aber der Ausbruch in Berlin ist ernst zu nehmen, weil er sehr groß ist." Dr. Ziebach und ihre Kollegen Dr. Jurij Ciokan und Dr. Werner August sind "klare Impfbefürworter". Diesem Umstand ist es sicher zu verdanken, dass speziell Hechingen eine "relativ gute Impfrate" vorweisen kann. "Dass die Masern-Epidemie Hechingen erreicht, ist nicht zu erwarten", sagt die Kinderärztin.

Im Zollernalbkreis liegt die Impfrate im Untersuchungsjahr 2012/2013 bei 91,4 Prozent. Gefordert wären 95 Prozent. Von dieser Marke sind allerdings die Nachbar-Landkreise Reutlingen (90,1) und Rottweil (90,8), vor allem aber Sigmaringen (85,7) und Tübingen (84,5) noch weiter entfernt. Traurige Schlusslichter in der Skala sind Freiburg (83,6), der Ortenaukreis (80,9) und der Enzkreis (78,9).

"Die aktuellen Zahlen werden in ein paar Tagen vorliegen", kündigt Daniel Hahn, Pressereferent des Regierungspräsidiums Tübingen, an. Das Landesgesundheitsamt fischt die Daten aus den Schuleingangsuntersuchungen. Großes Interesse an den Ergebnissen hat Regierungspräsident Hermann Strampfer. Er hat den Kampf gegen die Masern zur Chefsache gemacht, fährt seit Jahren eine Kampagne gegen die Krankheit: "Ich ermuntere mit großem Nachdruck dazu, den Empfehlungen der ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts zur Masernimpfung zu folgen. Wer nicht geschützt ist, kann schwer erkranken. Masern können lebensgefährliche Komplikationen auslösen. Es kann auch noch nach Jahren zu einer gefährlichen Gehirnentzündung kommen", so Strampfers Appell.

Wegen des Masern-Ausbruchs in Berlin haben sich gestern zahlreiche Gesundheitsbehörden und Krankenkassen zu Wort gemeldet. So warnt die AOK: "Krankheiten wie Masern, aber auch Mumps oder Röteln werden oftmals nicht ernst genug genommen." Impfgegner sollten sich der Erfolge konsequenter Impfkampagnen bewusst sein: Pockenerreger konnten weltweit, Kinderlähmung europaweit und Tollwutfälle in weiten Teilen Europas nahezu auf Null reduziert werden. "Die AOK rät seit jeher dringend zur Impfung", betont Klaus Knoll, Geschäftsführer der Region Neckar-Alb.

Auch die Abteilung Gesundheit im Landratsamt Tübingen nimmt die aktuelle Masernwelle in Berlin zum Anlass, auf die Überprüfung des Impfschutzes bei Kindern aufmerksam zu machen und stellt fest: "Bei der Schutzimpfung gegen Masern bestehen im Landkreis Tübingen noch große Defizite."

Das Landesgesundheitsamt fasst die Situation in Baden-Württemberg zusammen: 5,2 Prozent der vier- bis fünfjährigen Kinder sind ungeimpft. Nur 88,8 Prozent hatten die empfohlene zweite Masernimpfung. Mit anderen Worten: Jedes neunte Kind, das im kommenden Herbst 2015 in die erste Klasse einer Grundschule in Baden-Württemberg eingeschult werden soll, hat nicht den empfohlenen Masernimpfschutz. Auch in früheren Jahren entstandene Impflücken könnten fortbestehen. Deshalb sollten Eltern und auch junge Erwachsene "den eigenen Impfschutz und den ihrer Kinder überprüfen".

In diesem Jahr gibt es in Baden-Württemberg bis jetzt acht bestätigte Masernfälle und einen Verdachtsfall, der noch weiter untersucht wird.

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