"Umsteigefrei" zwischen Herrenberg und Albstadt

Ehe die Regionalstadtbahn Neckar-Alb rollt, werden die Bürger angehört. Erste Station: Dettingen. Anwohner konnten dort Pläne und Gutachten studierten, um einen Überblick zu bekommen.

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Stehen die Zeichen für die Bahn nun auf Grün oder Rot?  Foto: 

Nicht einmal 80 Interessierte hatten sich in der Dettinger Schillerhalle eingefunden, um ihre Ansichten zum Thema Regionalstadtbahn (RSB) einzubringen. Dabei soll mit diesem Projekt nicht nur der öffentliche Nahverkehr deutlich verbessert werden, sondern auch "die Verkehrssituation in der gesamten Region Neckar-Alb" - und zwar "nachhaltig", so der Reutlinger Landrat Thomas Reumann.

Wie das geschehen soll? Möglichst "umsteigefrei" sollen Fahrgäste künftig zwischen Herrenberg und Albstadt sowie zwischen Horb und Bad Urach innerhalb eines rund 200 Kilometer langen Schienennetzes im Halbstundentakt die Städte Tübingen und Reutlingen anfahren können. Lediglich 23 Prozent neue Gleise seien laut Reumann dafür notwendig. Auf der anderen Seite steht jedoch ein Gesamtkostenbetrag von fast einer Milliarde Euro. Davon sollen bis zu 80 Prozent Bund und Land bezahlen.

Die Aussichten, das Antragsverfahren mitsamt Bau und Abrechnung bis 2019 (dann läuft das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz aus) zu stemmen, sei nach den Worten des Landrats nicht möglich. Also habe der Regionalverband Neckar-Alb beschlossen, zumindest einen Teil des Gesamtprojekts in einem ersten "Modul" umzusetzen und damit vor allem gegenüber den Bundes- und Landes-Fördertöpfen zu signalisieren: Die Region will das Projekt. Und zwar unbedingt. So soll nun bis 2019 die bestehende Strecke zwischen Herrenberg, Tübingen, Reutlingen und Bad Urach elektrifiziert werden, wie Reumann ausführte.

Im Ermstal sollen fast alle vorhandenen Bahnhöfe verlängert werden, weil künftig die Züge länger seien. Auch drei neue Bahnhöfe zwischen Metzingen und Reutlingen seien geplant - einer in Metzingen Süd und zwei weitere in Reutlingen im Gebiet Storlach sowie an den Bösmannsäckern. Kosten in Höhe von rund 89 Millionen stünden dafür im Raum. Wobei noch nicht klar sei, ob die Finanzierung vom Bund in Höhe bis zu 60 Prozent überhaupt geliefert werde.

Bedenken in Sachen Finanzierung äußerte Dettingens Bürgermeister Michael Hillert wiederholt. Zwar handle es sich bei der Regionalstadtbahn "um eine faszinierende Vision". Aber: "Wir haben auch noch andere Themen im Ermstal, wie die Zukunftsfähigkeit der Kliniken oder den Brandschutz von öffentlichen Gebäuden."

All das müsse ebenfalls finanziert werden und verschlinge Millionen. Deshalb lehne er die Finanzierung zum jetzigen Zeitpunkt ab, "es wird sicher auch nach 2019 wieder Fördermittel geben", so Hillert. Und: "Die Frage nach dem Kauf der Schienenfahrzeuge zu Beginn nächsten Jahres wurde hier noch gar nicht angesprochen - von was sollten wir die bezahlen?" Ähnlich argumentierte auch Metzingens Oberbürgermeister Ulrich Fiedler: "Wir sehen, dass in den Kommunen viel zu schultern ist." Dennoch: Für ihn sei die RSB "eine tolle Vision, an der wir festhalten sollten". Allerdings müsse, so die Forderung des Stadtoberhaupts, der Metzinger Bahnhof endlich barrierefrei und attraktiver gestaltet werden.

"Die Regionalstadtbahn muss jetzt endlich auf die Schiene gebracht werden", hatte auch Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch gefordert. Schließlich gebe es genug Beispiele anderer Vorbilder wie in Karlsruhe oder Freiburg, wo laut Bosch sogar die angepeilten zusätzlichen Fahrgastzahlen deutlich überschritten wurden.

Und in Reutlingen würden 27 000 Einpendler pro Tag zumeist mit dem eigenen Auto aus dem Umland zu ihrer Arbeitsstelle an der Achalm fahren. Auch deshalb sei die RSB notwendig, so Barbara Bosch - "es geht um Lebensqualität wie um Klimaschutz."

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