Bewährungsstrafe nach Messerattacke in Rangendingen

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Zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre, verurteilte die 1. Große Strafkammer am Landgericht Hechingen gestern jenen 29-jährigen Angeklagten, der in der Nacht des 1. August des vergangenen Jahres im volltrunkenen Zustand zunächst die Gäste einer Rangendinger Kneipe mit einem Survivalmesser bedrohte und selbiges später einem Autofahrer an die Kehle drückte, um Geld von ihm zu erpressen.

Richter Dr. Hannes Breucker schickte der Urteilsbegründung voraus, dass die Forderung der Staatsanwaltschaft, ihn, den Angeklagten, zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren zu verurteilen, „durchaus berechtigt“ wäre. Und trotzdem: „Sie haben sich diese Chance verdient.“ Dabei habe der 29-Jährige schon in der Tatnacht das große Glück gehabt, dass er nicht dem Haftrichter vorgeführt worden war. Und er danach von seinem Verteidiger „hervorragend“ beraten wurde.

Denn seither habe er, der Angeklagte, „alles richtig gemacht“, um mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen. Er sei nicht „untergetaucht“, sei an allen Verhandlungstagen (und auch zur Urteilsverkündung, die auch in einer Haftstrafe hätte münden können) pünktlich vor Gericht erschienen, er habe seit jener Nacht des 1. August 2015 keine weitere Straftat begangen, er habe seinen Alkohol- und Cannabiskonsum reduziert, er sei zur Suchttherapie bereit, er habe sich reuig und geständig gezeigt – und habe sich bei all seinen Opfern entschuldigt.

In seiner Urteilsbegründung griff Dr. Breucker auch einen Gedanken des Verteidigers Fritz Westphal auf. Dieser hatte in seinem Plädoyer darauf abgehoben, dass die Attacke seines Mandanten auf den Autofahrer im „Versuchsstadium“ stecken geblieben, dessen Erpressungsversuch von Beginn an zum Scheitern verurteilt gewesen sei. Der Richter sprach mit Blick auf diese Tat von einem „untauglichen“, „völlig dilletantischen“ Versuch – einem spontanen, „irrsinnigen Gedanken“ geschuldet. Hannes Breucker formulierte für den Angeklagten die Hoffnung, dass sich ein solch’ „totaler Ausraster“ nie wiederholen möge. Denn sollte das geschehen, noch dazu in den nächsten drei Jahren, wäre das nicht nur eine riesige Enttäuschung für ihn, sondern: „Dann gehen Sie garantiert ins Gefängnis, und da hab ich dann überhaupt kein Mitleid mit Ihnen“.

Hannes Breucker appellierte nachdrücklich an den 29-Jährigen, nicht wieder zu „saufen oder zu kiffen“. Er allein habe es in der Hand, „dass so etwas nie wieder vorkommt“. Kontrolliert wird selbiges mit dem Einverständnis des jungen Mannes im Rahmen einer ambulanten Suchttherapie, begleitet von unangemeldeten Blutabnahmen und Drogensreenings. Die Therapie ist Teil der Bewährungsauflagen.

Der 29-Jährige akzeptierte das Urteil.

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