"Sauloch"-Pläne neu aufgelegt

Ein altes Thema wird neu aufgelegt: Kommt neben die Kreismülldeponie im Hechinger Stadtwald eine große Erddeponie? Erste Gespräche laufen.

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Die Hechinger Deponie ist womöglich wieder ein Thema.  Foto: 

Schon wieder hoher Besuch aus dem Landratsamt in einer nicht öffentlichen Sitzung im Hechinger Rathaus. Nachdem in der März-Sitzung des Gemeinderats Landrat Günther-Martin Pauli über das geplante Flüchtlingsinternat im ehemaligen Krankenhaus informiert hatte, waren am Donnerstagabend im Verwaltungsausschuss der Erste Landesbeamte Matthias Frankenberg und der Leiter des Abfallwirtschaftsamts, Friedrich Scholte-Reh, zu Gast. Über das Thema des Abends schweigen sich Stadt- und Kreisverwaltung einträchtig aus. "Es handelte sich um eine nicht öffentliche Beratung. Das bitten wir zu respektieren", erklärten die Pressestellen von Rathaus und Landratsamt auf Anfrage der HZ unisono.

Durchgesickert ist indes, dass sehr emotional debattiert wurde - und dass es ein unerwartet langer Abend wurde. Denn es ging - auch das erfuhr die HZ verlässlich - um ein aktuelles Kardinalproblem des Landkreises: Die Kapazitäten von Bauschutt und Erdaushub sind erschöpft. Es werden dringend neue Deponieflächen gesucht.

Aus demselben Grund hatte das Duo Frankenberg/Scholte-Reh im vergangenen Oktober bereits im Haigerlocher Gemeinderat vorgesprochen. Der Landkreis hatte großes Interesse daran, die Erddeponie "Grund" in Stetten/Haigerloch zu pachten. Im Landratsamt rechnet man mit einem Anfall von 27 000 bis 54 000 Kubikmetern pro Jahr. In Stetten ist ein Verfüllungsvolumen von rund einer Million Kubikmeter übrig. Doch der Zollernalbkreis kam im hohenzollerischen Unterland bekanntlich nicht zum Zuge, wurde von millionenschweren Offerten anderer Anbieter aus dem Rennen geworfen.

Deshalb fahndet man im Landratsamt nun nach neuen möglichen Deponiestandorten. Einer von mehreren liegt im Hechinger Stadtwald, direkt angrenzend an die Kreismülldeponie.

War da nicht mal was? In der Tat: In Hechingen erinnert man sich an hitzig geführte Auseinandersetzungen im Herbst 2008, als das Landratsamt Pläne offenlegte, im Hechinger Stadtwald westlich von der Kreismülldeponie eine zentrale Erddeponie für den gesamten Mittelbereich Hechingen anzulegen. Von drei Millionen Kubikmeter Verfüllvolumen war damals die Rede. Rund 25 Hektar Wald hätte den damaligen Plänen zufolge abgeholzt werden müssen. Dies rief einen Proteststurm hervor. Von "Wahnsinn" sprach damals CDU-Kreis- und Stadtrat Max Eisenlohr, und der Nabu warnte vor einem massiven Eingriff in einen "wertvollen Buchen-Eichen-Tannenbestand". Im Landratsamt reagierte man auf die Proteste, räumte ein, dass es sich um ein Flora-Fauna-Habitat und ein Vogelschutzgebiet handelt und schaltete auf den Modus "Zukunftsmusik" um. Erst ums Jahr 2020, so hieß es damals, solle die große Erddeponie im Stadtwald kommen - und nur wenn die Stadt Hechingen damit einverstanden sei.

Jetzt also - acht Jahre nach 2008 und vier Jahre vor 2020 - die Neuauflage der Debatte? Das schwant manchem Hechinger Stadtrat, weshalb am Donnerstagabend auch schon mal prophylaktisch gezankt wurde.

Die Verwaltungsmänner sollen sich derweil Mühe gegeben haben, den Ball flach zu halten. Das Gebiet, um das es gehe, so hieß, sei deutlich kleiner als jene 25 Hektar, von denen einst die Rede war, und auch die Deponieklasse (die definiert, was für Abfälle eingebaut werden dürfen) sei vergleichsweise unproblematisch. Und freilich winkt der Stadt für jeden Umwelteingriff eine finanzielle Entschädigung.

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