Bauernverbände Tübingen und Zollernalb sehen „Königsaufgabe erfüllt“

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    Beim Bauerntag der Kreisbauernverbände Tübingen und Zollernalb wurden zahlreiche Ehrungen ausgesprochen. Foto: 
  • Der Lebensmittelchemiker, Ernährungsexperte und Buchautor Udo Pollmer sprach beim Bauerntag in Hechingen über Pflanzenschutz und Ernährungssicherung. 2/2
    Der Lebensmittelchemiker, Ernährungsexperte und Buchautor Udo Pollmer sprach beim Bauerntag in Hechingen über Pflanzenschutz und Ernährungssicherung. Foto: 
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Vom paradiesischen Urzustand der Natur kann längst keine Rede mehr sein. Der Eingriff des Menschen in den natürlichen Kreislauf ist beträchtlich, auch und gerade in der Lebensmittelproduktion. Sind chemische Pflanzenschutzmittel und Düngung dabei eine Gefahr für den Verbraucher oder das A und O der Ernährungssicherung? Dieser Frage ging der Lebensmittelchemiker, Ernährungsexperte und Buchautor Udo Pollmer beim Bauerntag in Hechingen auf den Grund.

„Die Nahrungsmittelversorgung wird durch Pestizide zerstört“, sei eine der gängigen Vorstellungen der Gegner konventioneller Landwirtschaft, erläuterte der Experte. Argumente, die für chemischen Pflanzenschutz sprechen, würden bei ihnen auf taube Ohren stoßen. Unbeachtet bleibe auch, dass in den Urformen der Pflanzen bereits natürliche Pestizide enthalten seien. Aus den Nutzpflanzen seien diese herausgezüchtet worden, um sie für den Menschen genießbar zu machen. „Die Wildpflanzen können sich selber wehren, die Nutzpflanzen brauchen hingegen Pflege durch den Landwirt“, so Pollmer.

Und er ging noch einen Schritt weiter: „Verbote von Pestiziden haben zur Folge, dass primäre und sogar sekundäre Pestizide in Lebensmitteln zunehmen.“ Seine Kritik am Essverhalten der Menschen untermauerte er am Beispiel urbaner „Gesundheitsmütter“ und Pestizid-Gegner, die der Utopie eines globalen Bio-Landbaus aufsitzen würden. „Das sind die Vorstellungen der verwöhnten Söhne und Töchter einer Wohlstandsgesellschaft“, teilte Pollmer aus. „Wenn wir komplett auf Bio umstellen, brauchen wir einen zweiten Globus, um die Menschheit zu ernähren.“

Dass die regionalen Landwirte ihr Soll in Sachen Nahrungsversorgung erfüllt haben, ging aus dem Bericht des Tübinger Obmanns Christian Reutter hervor. „Wir haben unsere Königsaufgabe, die Sicherstellung der Ernährung, mit Bravour erfüllt“, konstatierte er. Und das, obwohl 2016 aus landwirtschaftlicher Sicht kein gutes Jahr war. Wetterextreme machten den Bauern das Leben schwer, Folge war „eine je nach Region mehr oder weniger schlechte Ernte in Qualität und Menge“, die auf die weltweit zweitgrößte Ernte aller Zeiten traf. Entsprechend schlecht seien die Preise, viele Landwirte hätten sich auf dem Acker mit einer schwarzen Null zufrieden geben müssen. In Sachen Milchwirtschaft und Schweinehaltung habe sich die Lage im zweiten Halbjahr 2016 etwas entspannt. „Wir sind zuversichtlich. Das ist bei Bauern im Beruf mit inbegriffen“, betonte Reutter.

Völlig unverständlich ist für die Landwirte die „oft unsachliche Kritik“, der sie sich gegenübersehen. In den Bereichen Tier- und Umweltschutz seien die „elementaren Anforderungen längst erfüllt.“

Als Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit bezeichnete der Obmann die zusätzlichen Auflagen und Gesetze. Auch der Flächenverbrauch mache den Landwirten immer mehr zu schaffen. „Ökologie, Ökonomie, Tierschutz, Umweltschutz – nur zusammen geht’s auf Dauer“, stellte er fest.

Einblick in den Geschäftsbereich der beiden Kreisbauernverbände gewährte Geschäftsführer Martin Zaiser. Sowohl der 663 Mitglieder zählende Kreisverband Tübingen als auch sein 753 Mitglieder zählendes Balinger Pendant haben einen leichten Mitgliederrückgang zu verzeichnen.

Info Ulrich Steimle aus Dormettingen wurde als Stellvertreter für Alexander Schäfer, Obmann des Zollernalbkreises, wiedergewählt.

Erfolgreich Im Rahmen des Bauerntags wurden zahlreiche Ehrungen ausgesprochen. Die Abschlussprüfung zum Landwirt bestanden haben Marcel Fuhrer (Seebronn), Florian Konzelmann (Truchtelfingen) und Maximilian Sassen (Burladingen).

Tierwirt Die Abschlussprüfung zum Tierwirt haben Lea Wohlfahrt und Steffen Wohlfahrt (beide Albstadt) erfolgreich absolviert. Staatlich geprüfter Techniker in der Landwirtschaft darf sich Ruben Obergfell (Wankheim) nennen.

Gläserne Produktion Für die Ausrichtung der Gläsernen Produktion wurde die Familie Deigendesch aus Isingen und der Landfrauenverband Tübingen geehrt.

Engagiert Eine Ehrung für über zehnjährige Tätigkeit als Ortsobleute durften Dr. Thomas Bieger (Hart), Jürgen Konzelmann (Truchtelfingen) und Anton Schorp (Bieringen) entgegennehmen.

Abschied Ebenfalls mit einer Ehrung bedacht wurden die ausgeschiedenen Ortsobleute Albert Müller (Geislingen, 37 Jahre), Hans Schlegel (Laufen, 49 Jahre) und Gregor Volm (Owingen, 52 Jahre).

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Kommentare

17.01.2017 02:44 Uhr

Wenn die Chemielobbyisten die Landwirte beraten…

Um Udo Pollmers Thesen zu verstehen, muss man wissen, dass er auf Monsantos Werbeveranstaltungen zum Thema Glyphosat 2.0 referiert:


http://www.capital.de/dasmagazin/ist-monsanto-boese.html


Also von dem Chemiekonzern bezahlt wird, der jedes Jahr mit Pestiziden 2 Mrd Dollar Umsatz macht und das 10-fache mit gentechnisch verändertem glyphosatresistenten Saatgut.



Da wäre es fatal, wenn alle Bio produzieren würden. Wovon sollen die Chemiekonzerne dann leben, denn die verdienen ja Milliarden mit Pestiziden, GM Staat, Dünger und Medikamenten gegen Krebs, Nieren- und Leberschäden, Autoimmunkrankheiten… also den Folgen von Glyphosat, die in Studien belegt wurden:


http://www.mdr.de/fakt/glyphosat-teratogene-wirkung-100.html

Jedes Jahr importiert Deutschland 4 Mio. t Gensoja vollgespritzt mit Glyhosat, um damit hier die Kühe zu mästen. D.h. in Brasilien wird Regenwald gerodet, mit Schiffen und Millionen Liter Schweröl und Diesel, 7000km transportiert, damit wir hier billiges Fleisch haben. Was ist daran nachhaltig oder gesund?


Auch Udo Pollmers Aussagen über Bio Landwirtschaft sind allesamt widerlegt, denn ohne synthetische Pestizide können locker 9 Mrd. Menschen ernährt werden, wie Felix Prinz zu Löwenstein erklärt:

http://www.fr-online.de/rhein-main/felix-prinz-zu-loewenstein--um-gut-zu-essen--muss-man-nicht-mehr-ausgeben-,1472796,34489160.html

Auch diese Arte Doku zeigt wie das geht:
https://vimeo.com/51911008

Denn die industrielle Landwirtschaft ist nur so billig, weil die Folgekosten nicht einberechnet werden, die durch Ausbeutung, Umweltzerstörung und Pestizide entstehen.

Allein um Glyphosat aus dem Grundwasser zu entfernen müssen deutsche Wasserwerke jedes Jahr über 1 Mrd € investieren. Bernhard Röhrle, vom Zweckverband Landeswasserversorgung erklärt die Glyphosat Folgekosten in dieser BR Reportage:



https://youtu.be/BhSiewrFx2c?t=21m23s



Deutsche Nutztiere produzieren jedes Jahr 300 Mrd Liter Gülle. Das Nitrat und Phospor verschmutzen Grundwasser und Meere.

http://www.dw.com/de/deutschlands-gülleproblem/a-18024836

Deutsches Fleisch und Milch wird mit EU Subventionen nach Afrika exportiert, wo es die Kleinbauern in den Ruin treibt:


http://www.mdr.de/fakt/fakt-milchexporte-burkina-faso-100.html

Jedes Jahr geben hunderte kleine Bauernbetriebe auf, weil sie den Preiskampf der industriellen Großbetriebe verlieren. Dabei hat gerade das Heinrich Böll Institut die Gefahren der Agrarindustrie in einer Studie untersucht:


https://www.boell.de/konzernatlas

Und genau wie in dem Weltagrarbericht:


http://www.weltagrarbericht.de/themen-des-weltagrarberichts/ueber-den-weltagrarbericht/ueber-den-weltagrarbericht-volltext.html

kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass die konventionelle Landwirtschaft am Ende ist und nur kleine Öko Betriebe nachhaltig die Welternährung sicherstellen können:



Aber das hat der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer nicht erzählt, denn das schadet natürlich Monsanto, Bayer, BASF & Co.

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